Gift in kleinen Dosen. Aktualisiert ist die 595er-Baureihe der Fiat-Sportmarke Abarth. Einsteiger, Turismo, Competizione und Essesse sind nachgeschärft.

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 01. April 2021 (01:19)
Eine Runde durch das Waldviertel, teils mit offenem Dach: Abarth 595C Turismo. Kann mit seinen 165 PS sowohl ungiftig cruisen als auch giftig durch das Kurvengeläuf räubern.
Beatrix Keckeis-Hiller, Beatrix Keckeis-Hiller

Dose, das nicht mehr sehr gebräuchliche Synonym für ein Auto, ist ein reichlich despektierlicher Ausdruck. Döschen oder Doserl ist schon wesentlich netter. Aber nett will das Sport-Derivat des Fiat 500, der Abarth 595, mit Sicherheit nicht sein – sondern ernst genommen werden! Was der 3,66-Meter-Winzling bei aller Herzigkeit mit einer gehörigen Dosis Giftigkeit – schließlich firmiert er unter dem Skorpion-Logo der Leistungstuning-Abteilung der Italo-Marke mit Sitz in Turin – nicht nur anhand sportlichen Ornats überzeugend rüberbringt.

Denn antreibendes Herzstück ist ein 1,4-Liter-Turbobenziner mit vier Zylindern und 16 Ventilen. Daraus resultieren aktuell spritzige bis fetzige 145 oder 165 oder 180 PS Leistung (Drehmomentmaxima: 180 oder 206 oder 230 Newtonmeter, jeweils im Standard-Fahrmodus), die an die Vorderräder geschickt wird. Gekoppelt ist dieses kleine Kraftwerk entweder an eine manuelle oder automatisierte – sequenzielle – Fünf-Gang-Schaltung.

Um den Frechdachs frisch zu halten, hat Abarth die 595-Baureihe gerade aktualisiert. Das inkludiert neben Rundumfeinschliff neue Farbkompositionen, feinere Materialien, aufgepeppte Stildetails und erweiterte Individualisierungsoptionen.

Für eine Verkostung des mit diesen Ingredienzien angereicherten Menüs haben wir aus den Varianten Abarth, Turismo, Competizione und Essesse (die Sondermodelle Monster Energy Yamaha und Scorpioneoro einmal beiseite gelassen) die Leistungsmitte herausgepickt: den Turismo mit 165 PS und automatisiertem Getriebe in der C-, der Cabrio-Version, in modernem Silber lackiert, samt schwarzem Faltstoffverdeck und unter anderem mit braunem Ledersportgestühl bestückt.

„Der Abarth 595 schreibt mit der Aktualisierung der kompletten Baureihe seine Erfolgsgeschichte fort …“ Andreas Blecha, Pressesprecher Abarth Österreich

Es war das Wetter zu Beginn der dritten März-Woche zwar nicht unfreundlich, doch noch nicht wirklich frühlingshaft. Dennoch stellte sich heraus, dass es bei – nicht bis zum Anschlag – geöffnetem Dach gar nicht so arg zieht. Bei moderatem Tempo. Bei dem die leichte Nickneigung und subjektiv spürbare Schaltbehäbigkeit des automatisierten Getriebes so lange ein wenig irritiert, bis man zu den Lenkradpaddles greift. Und in den Sportmodus schaltet.

Dann entwickelt der Antrieb die erwartete Antrittsquirligkeit samt – wohl dosierter – Giftigkeit. Dann ist er gefühlt schneller als in 7,4 Sekunden auf 100. Dann entwickelt die Lenkung sportliche Zackigkeit bei gerade richtig passender Schwergängigkeit. Bemerkenswert ist die Traktionssicherheit, selbst provoziert lässt sich der Kleine auf feuchtem Fahrbahnbelag kaum aus der Spurtreue bringen. Das Fahrwerk agiert dabei mit artgerechter aber nie ungerechter Härte, drückt Holprigkeiten nonchalant weg, ohne zu poltern, auch neigt der Aufbau nicht zur Verneigung. Dass er, im Sportmodus, 230 Sachen machen kann, das glauben wir einfach.

Ein großer Anteil des Fahrspaßes liegt an der Herzigkeit des Mini-Sportlers. Die Publikumsresonanz ist durchwegs freundlich. Wohl auch, weil der 595er zwar sonor knurrt, aber nicht nervig brüllt. Er taugt durchaus zum entspannten Cruisen. Und wenn ihn einmal der Hafer sticht: Selbst Fahrer von grimmigen Groß-SUVs ziehen freundliche Nasenlöcher, wenn man den Gewichtsvorteil von deutlich unter 1.100 Kilogramm ausnützt und sie beim Ampelstart alt, pardon langsam, aussehen lässt.

Dass Gift in kleinen Dosen nicht schadet, das hat nicht erst Paracelsus festgestellt, doch er hat es formuliert. Die wohldosierte Giftigkeit des Abarth 595 kann stimmungsaufhellend sein. Ohne chemische Nebenwirkungen.