Rudolf Diesel würde jubeln. Dem Selbstzünder sagen die Ingolstädter weiterhin eine große Zukunft voraus. Der Boden dafür wird unter anderem mit elektrischer Aufladung bereitet.

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 23. Juli 2014 (09:31)
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Zunehmend strengere Abgasgrenzwerte wie die Euro-6-Norm ab 2015 und die vorgeschriebene Flotten-Durchschnittsemission von 95 Gramm CO2 pro Kilometer ab 2020 sorgen für einen Technologieschub. Im VW-Konzern wird auf breiter Basis an alternativen Antrieben geforscht und entwickelt.

Aktuell bereits in Serie gegangen sind zum Beispiel bei Audi der Benzinhybride A3 Sportback e-tron und der Erdgastriebling A3 Sportback g-tron. In der Pipeline stehen unter anderem Dieselhybride (in den gehobenen Segmenten). Und auch rein batteriebetriebene Autos sind demnächst zu erwarten, wobei die Brennstoffzelle und die Energiegewinnung aus Wasserstoff ein Thema sind. Dennoch konzentrieren sich die Ingolstädter besonders auf die Dieselmotoren – und sagen ihnen weiterhin eine große Zukunft voraus.

Erster TDI vor 25 Jahren mit 120 PS

Heuer feiern die Ingolstädter übrigens ein Dieseljubiläum: Vor 25 Jahren brachte Audi nach 13-jähriger Entwicklungsarbeit das erste TDI-Modell auf den Markt (ein Audi 100 mit mit einem 2,5-Liter-Reihenfünfzylinder – 120 PS, 265 Newtonmeter). Im vergangenen Vierteljahrhundert haben – laut Audi – die Leistungen (Leistung und Drehmoment) des TDI-Motors um 100 Prozent zugelegt, und die Emissionen konnten um 98 Prozent reduziert werden. Das dank kontinuierlicher Weiterentwicklung von Turboaufladung, (Direkt-)Einspritztechnik sowie Abgasbehandlung.

Ersteres ist aktuell Thema eines neuen Technologieschritts: Zusatzaufladung mittels eines elektrisch betriebenen Verdichters, der einen noch schnelleren Ladedruckaufbau und ein noch höheres Drehmoment bei nie-drigen Drehzahlen ermöglicht. Zusätzlich zum klassischen Abgasturbolader kommt ein zweiter, seriell angeordneter Lader zum Einsatz.

Clean Diesel mit elektrischem Turbo

Wie sich das auswirkt, demonstrierte Audi im Rahmen eines Workshops zum Thema TDI. Mit auf die kleine Rennstrecke von Sturup (Schweden) gebracht hatten die Deutschen zwei Prototypen mit einem optimierten 3,0-Liter-V6 (Clean Diesel) plus „elektrischem Turbo“: den A6 3.0 TDI Monoturbo mit 326 PS (und 650 Newtonmeter) und den RS5 3.0 TDI Biturbo mit 385 PS (und 750 Newtonmeter). Im direkten Beschleunigungsvergleich beeindruckte bereits der Monoturbo mit spontaner Leistungsumsetzung, erst recht jedoch der künftige Toptyp der 5er-Baureihe. Beide nutzen zur Energieversorgung der elektrischen Zusatzaufladung ein separates 48-Volt-Bordnetz mit eigener Lithium-Ionen-Batterie samt Leistungselektronik (im Kofferraum). Als Starttermin hat Audi die „sehr nahe Zukunft“ genannt.

Derzeit wird die Palette der besonders verbrauchsgünstigen ultra-Modelle ausgebaut. Weitere TDI-Motoren, die derzeit neben dem 3,0-Liter-V6 weiterentwickelt bzw. optimiert werden, sind der 1,4-Liter-Dreizylinder, die 1,6- und 2,0-Liter-Vierzylinder sowie der 4,2-Liter-Achtzylinder. Inzwischen ziehen Schritt für Schritt die optimierten Versionen des 3.0 V6 TDI in die Modellpalette ein. Aktuell ist das der neu bearbeitete A7 Sportback (der Marktstart ist für den Herbst angekündigt). Sein bezüglich Verbrennung, Verbrauch und Abgasemissionen optimierter Selbstzünder leistet im quattro 272 PS, im frontgetriebenen ultra-Modell 218 PS.

In der Topversion Competition bringt er es mit Biturbo auf 326 PS.

Wissenswert

  • Bis heute hat Audi weltweit rund 7,5 Millionen Autos mit TDI-Antrieb verkauft.
  • Beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans fuhren die Vier Ringe seit 2006 bereits achtmal mit TDI-Aggregat (dreimal Dieselhybrid) als Sieger über die Ziellinie.
  • Heute bietet Audi seinen Kunden ein umfangreiches Dieselangebot mit über 150 Motor/ Getriebe-Varianten über die Modellpalette.
  • Das aktuell sparsamste Audi-Modell mit Verbrennungsmotor: A3 1.6 TDI ultra (110 PS) – 3,2 Liter