Wohin die Stromreise führt. Die Ingolstädter interpretieren mit dem Audi e-tron GT das Thema Gran Turismo auf elektrische Art. Mit ab 476 PS aus zwei Elektromotoren, einer pro Achse.

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 19. Februar 2021 (05:58)
„Es ist der Aufbruch in eine neue Ära, der Gran Turismo der Zukunft!“, kommen die Audi-Leute ordentlich ins Schwärmen.
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Es kommt nicht von ungefähr, dass die ersten Batterieelektromodelle etablierter europäischer Marken SUV-Format hatten. Wie der Audi e-tron. Denn es ist etwas weniger knifflig, ein Stromantriebssystem – vor allem die voluminösen Batterien – in eine ausladende, hoch bauende Karosserie zu packen als in eine schlanke, flach gehaltene und sportlich geschnittene Außenhaut. Eben das hat Audi jetzt gemacht. Resultat ist der e-tron GT, ein viertüriger Gran Turismo. Er debütiert gleich doppelt: als Standardversion und als verschärfte RS-Variante.

Dass die Ingolstädter zu Komponenten aus dem Konzernregal gegriffen haben, entspricht dem VW-Gruppen-Usus. Unschwer zu erraten ist, dass es sich um jenes Elektroantriebssystem handelt, das bereits im Porsche Taycan ist. Doch setzt die Vier-Ringe-Marke auf Eigenständigkeit – auf 4,99 Metern Länge, 1,96 Metern Breite und 1,41 Metern Höhe. Im Verein mit der aerodynamisch geschnittenen Karosserie ergibt das einen cW-Wert von 0,24. Beim Kofferraum geht sich dabei im Heck ein eher bescheidenes Volumen aus: In der Standardausführung sind es 405 Liter, 366 beim RS. Hinzu kommt jeweils ein Staufach mit 85 Litern unter der „Motorhaube“.

„Gran-Turismo-Design im Zeichen der Elektromobilität weiter-entwickelt: Sportlichkeit und Komfort treffen auf Nachhaltigkeit!“ Gudrun Glück, Pressesprecherin Audi Österreich

So oder so soll der Flachmann nicht nur technisch, sondern auch optisch richtungsweisend sein – demonstrieren, wohin in Ingolstadt die Stromreise führt. Das tut sie im Falle des e-tron GT mit zwei angetriebenen Achsen. Die beiden Elektromotoren sorgen im von Audi als „High Performance Gran Turismo“ titulierten Viersitzer für 476 bzw. 598 PS und 630 bzw. 830 Newtonmeter Maximaldrehmoment. Mittels Launch Control Boost kann der Power-Output kurzfristig (für 2,5 Sekunden) auf 530 bzw. 646 PS gepusht werden. An der Front ziehen im Normalfall jeweils 238 PS an, am Heck schieben entweder 435 bzw. 456 PS mit. Das ergibt 0-auf-100-Sprintwerte von 4,1 und 3,3 Sekunden (245 und 250 km/h schnell).

Als Energiespeicher ist eine 85-kWh-Batterie Kapazität (netto, brutto: 93 kWh) mit 800 Volt Spannung implantiert. Um ein Überhitzen beim Abrufen der Leistung und beim Laden hintanzuhalten, sind vier getrennte Kühlkreisläufe installiert. Dazu kommt eine Wärmepumpe für die Innenraumheizung – es wird die Abwärme der Hochvoltkomponenten genutzt.

Die elektrische Mobilität wird faszinierend – der e-tron GT vereint emotio-nales Design mit einem starken Antrieb und dynamischem Handling.
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Im Idealfall sollen bis zu 487 bzw. 472 Kilometer Reichweite möglich sein (Stromverbrauch ab 19,9 kWh pro 100 Kilometer, laut WLTP). Nachladen mit Wechselstrom funktioniert serienmäßig mit elf kW, gegen Aufpreis mit 22 kW. Gleichstromauffüllen des Lithium-Ionen-Akkus ist möglich mit bis zu 270 kWh. Das bedeutet: rund fünf Minuten für etwa 100 Kilometer Reichweitennachtanken. Von fünf auf 80 Prozent Ladung sollen unter besten Bedingungen nur 22,5 Minuten vergehen.

Nicht nur emissionsfrei – mit komponiertem Sound, auf Wunsch sogar mit eigenen Innen- und Außengeräuschversionen – soll der Elektro-Audi unterwegs sein, sondern möglichst nachhaltig. Die Inneneinrichtung kann ohne Echtleder auskommen, und wenn, dann sind anstelle dessen Möbel sowie Interieur mit recyclierten Materialen bezogen und ausgekleidet.

Als neues Elektrotechnologie-Flaggschiff ist natürlich der e-tron GT mit allem bestückt, was an Infotainment-, Konnektivitäts-, Komfort-, Fahrdynamik- und Assistenz-Elektronik zu haben ist.