Ringe unter Strom. Startklar ist der erste Vollelektriker der Ingolstädter. Der e-tron hat bis zu 408 PS – und er kommt maximal 400 Kilometer weit.

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 25. September 2018 (00:50)
Audi
Der e-tron ist einFünftürer im coolenOffroad-Look. Hat eingeniales Rekuperationssystem: Bis 0,3 g rekuperiert der Audi ohne Einsatz der konventionellen Bremse ausschließlich über dieE-Maschinen …

e-tron – die Typenbezeichnung ist bei Audi nicht neu. Doch bezeichnete sie bislang die Plug-in-Hybrid-Modelle. Ab sofort steht sie (auch) für die Volleletriker (für die Teilzeitelektriker wird eine neue Modellbezeichnung eingeführt). So oder so säuselt jetzt der erste Großserienstromer der Vier-Ringe-Marke an den Start, nach einer Reihe von Prototypen, Ankündigungen, mehrjähriger Entwicklungszeit …

Das Premierenmodell hat sich als 4,9 Meter langer SUV – größenmäßig liegt er zwischen Q5 und Q7 – materialisiert. Das erstaunt aufgrund der günstige(re)n technischen Möglichkeiten für die Unterbringung der großen und schweren Batterie (im Wagenboden) samt Kühlung sowie der dazugehörigen Leistungselektronik nicht. Trotzdem bleibt Raum für ein Ladeabteil von 660 bis zu 1.725 Liter Volumen.

Nicht nur in Bezug auf das Segment ähnelt das Basiskonzept des elektrifizierten Ringe-Crossovers einem bereits auf dem Markt angetretenen und einem im nächsten Jahr kommenden Stromer des Mitbewerbs (eine Reihe von Details ist jedoch signifikant unterschiedlich): je ein Elektroaggregat pro Antriebsachse, damit permanenter Allradantrieb – weshalb der e-tron korrekterweise mit dem Zusatz quattro zu bezeichnen ist. Die Hinterachse spielt die Hauptrolle, die Elektronik sorgt für bedarfsgerechte Drehmomentzuteilung.

Ziel ist es, trotz alternativer Antriebsenergie die typisch sportlichen Audi-Fahreigenschaften entfalten zu können

Leistung ist dafür, trotz mehr als 2,5 Tonnen Gewicht – alleine die Batterie mit 95 Kilowattstunden Kapazität wiegt 700 Kilogramm – vorhanden: bis zu 408 PS, bis zu 660 Newtonmeter (im Boost-Modus). Die unter dem Passagierraum versteckte Batterie (schwerpunktsenkend), eine Gewichtsverteilung von 51:49 Prozent sowie eine Luftfederung sollen für eine ausgewogene und agile Fahrdynamik sorgen. Wie beim Verbrenner sind via „Audi drive select“ unterschiedliche Fahrmodi programmierbar – von betont sportlich bis forciert rekuperierend, auch ist das Stabilitätsprogramm abschaltbar, leichtes Gelände soll auch bewältigbar sein. Für den 0-auf-100-Wert geben die Ingolstädter „unter sechs Sekunden“ an, bei 200 km/h wird abgeregelt. Im Idealfall soll eine Reichweite von 400 Kilometern möglich sein (laut WLTP). Hilfreich bei der Erweiterung respektive Verlängerung: das Rekuperationssystem, das sich aus Verzögerungsvorgängen Energie zurückholt – sei es, dass man vom Gaspedal geht, sei es, dass man das Bremspedal betätigt.

Zur Unterstützung der Energieökonomie hat Audi akribisch an der Aerodynamik gefeilt, wozu unter anderem der voll verkleidete Unterboden und die Steuerbarkeit der Kühlluftströme gehören. Trotzdem kann man Radgrößen von 19 bis 21 Zoll wählen. Und, als luftwiderstandsminimierendes Aufpreisatout, gibt es virtuelle Außenspiegel. Die sind, nunmehr serienreif, ein Erbe aus dem Ein-Liter-Kleinserienmodell der Konzernmutter VW, aus dem XL1: Die versenkbaren Kameras projizieren ein Rückbild auf OLED-Screens im Interieur. Auch ohne dieses Extra liegt der cW-Wert bei 0,28.

Damit erklärt Audi, die nächste Stufe der Digitalisierung erklommen zu haben

Denn dass das Interieur mit der aktuellsten Variante des virtuellen Cockpits bestückt ist, das ist klar, samt Sprachführung und auf das elektrische Fahren spezifisch abgestimmten Apps. Die kalkulieren unter anderem in Kooperation mit dem Navigationssystem den voraussichtlichen Stromverbrauch aus dem Streckenprofil, die geben auch Auskunft über die nächste Ladestation. Dass darüber hinaus jede Menge Elektronik für Fahrdynamikregelung, Komfortfeatures, permanente Internet- und Umgebungsvernetzung sowie Sicherheit vollständig an Bord ist, das ist selbstverständlich.

Stichwort Tanken: Mit Wechselstrom – Leistung elf Kilowatt – dauert es rund acht Stunden, bis der Akku gefüllt ist, mit Gleichstrom – Leistung: bis zu 150 Kilowatt – kann man in 30 Minuten den Ladestand auf 80 Prozent erhöhen.