Mit der Kraft der Nische. Mit einem viertürigen Gran Coupé erweitert München die 2er-Baureihe. Basis ist die dritte Generation des auf Frontantrieb umgestellten 1er.

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 26. Februar 2020 (01:44)

Im Zeichen von Ziffern steht das jüngste BMW-Baby: Das neue Gran Coupé gehört zur 2er-Familie, es steht auf der 1er-Plattform, es überragt mit 4.526 Millimetern Länge den 3er der ersten Generation, und es hat vier Türen. Zudem ist es eine Premiere für die Bayern, in der Kompaktklasse. BMW addiert damit ein weiteres Nischenmodell. Es ist gewissermaßen eine Kombination aus Limousine (die im Kompaktformat kaum gefragt ist) und Coupé mit typisch dezent abfallender Dachlinie.

Was beim kleinsten Gran Coupé jedoch entscheidend anders ist, das ist die Frontantriebsarchitektur. BMW nennt als Gründe für die Abkehr vom lange Zeit in allen Baureihen durchgängigen Hinterradantriebsprinzip bekanntlich Innenraumzugewinn und Gewichtserleichterung. Das wirkte sich bisher im 2er Active Tourer und ebenso im X1 aus.

Beide sind Modelle, die zwar, typisch für die Marke, durchaus knackig interpretiert sind, doch steht hier die Sportlichkeit weniger im Vordergrund als in einem schnittigen Coupé. Um trotz des Vorderradantriebs der Philosophie des Hauses – Freude am (aktiven) Fahren – treu zu bleiben, wurden die elektronischen Fahrdynamiksysteme samt Federung, Dämpfung und Lenkung entsprechend abgestimmt.

„Mit dem ersten 2er Gran Coupé erweitert BMW das in höheren Fahrzeugklassen überaus erfolgreiche Konzept eines viertürigen Coupés erstmals im Premium-Kompaktsegment.“ Michael Ebner, Pressesprecher BMW Austria

Für eine erste Kostprobe hatte BMW den Topdiesel und den Topbenziner bereitgestellt. Ersterer ist ein 2,0-Liter mit 190 PS (220d). Der Twinturbo produziert, exzellent geräuschgedämmt, bärigen Vortrieb, unterfüttert von einem satten Maximaldrehmoment von 400 Newtonmetern. Seine ab knapp 1.600 Kilogramm fallen nicht allzu beschwerend ins Gewicht, allerdings ist die Mehrbelastung der Vorderachse in schnellen Wechselkurven doch deutlich spürbar.

Der zweite Probekandidat mit 306 PS (und 450 Newtonmetern) ist serienmäßig ein Allradler: M235i xDrive. Damit begegnet er so gut wie allen Fahrsituationen (auf trockener Fahrbahn) mit erwartungsgemäß fast unerschütterlicher Traktion. Doch erscheint im Vergleich zum heckgetriebenen Coupé mit zwei Türen – das übrigens im Programm bleibt – das Einlenkverhalten weniger scharf und zackig. Umso kerniger, doch nicht nervig, ist der Auspuffklang, ein Resultat sorgfältig komponierten Sounddesigns.

Schließlich platziert BMW das 2er Gran Coupé mit Blick auf Familien. Das bedeutet Fünfsitzigkeit, das heißt auch, dass es im Fond trotz der abfallenden Dachlinie um den Kopf wirklich geräumig zugeht. Dazu gehört außerdem ein Basiskofferraum mit respektablen 430 Litern Volumen.

Darüber hinaus liefert der Viertürer wie gewohnt 1a-Ergonomie und ein breites Spektrum an teils serienmäßiger, teils optionaler Technik- und Komfort-Mitgift. An Bord ist in den Basismodellen ein Cockpit mit analogen Anzeigen, 5,1-Zoll-TFT-Display und Acht-Zoll-Touchscreen für das Multimediasystem. In der höchsten Ausbaustufe ist das digitale Kombiinstrument 10,25 Zoll groß, ebenso wie der Infotainmentsystem-Bildschirm. Garniert werden kann das mit einem ebenfalls 10,25 Zoll großen Head-up-Display. Für alle Motorisierungen wird ein adaptives Fahrwerk mit Komfort- und Sportprogramm angeboten.

Abgesehen von den verkosteten Antrieben steht zum Marktstart ein 1,5-Liter-Dreizylinder-Benziner (218i) mit 140 PS parat, entweder manuell über sechs Gänge oder doppelt gekuppelt über sieben Stufen geschaltet. Nachfolgen werden an Dieseln ein 1,5-Liter-Dreizylinder mit 116 PS (216d) und ein 2,0-Liter-Vierzylinder (218d) mit 150 PS, auch ein 2,0-Liter-Benziner (220i) mit 192 PS kommt hinzu. Für den 190-PS-Diesel wird auch noch Allradantrieb nachgereicht.