Die Stromoffensive bei Ford. Die Fordianer setzen die Modellpalette unter Strom. Die ersten neuen Mild-, Voll- und Plug-in-Hybride sind startklar. Vollelektriker folgen nächstes Jahr.

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 30. September 2020 (05:23)
Er ist ab sofort der Chef im Hausder Ford-SUVs: Explorer PHEV.Etwas mehr als fünf Meter langer Siebensitzer mit 457 PS System-leistung. Der Plug-in-Hybrid schafft eine elektrische Reichweite von42 Kilometern (laut WLTP).
Ford

Breit stellt sich Ford mit der Elektrifizierung auf. Bis vor Kurzem hatte man einen einzigen Vollhybriden im Programm (siehe Mondeo). Bis Ende des kommenden Jahres sollen es 18 Modelle sein, die teils oder ganz mit Strom betrieben werden, in fast allen Pkw-Segmenten und auch in der Sparte der Leichtnutzfahrzeuge. Das Spektrum beginnt beim bereits angesprochenen Vollhybridsystem (FHEV), bestehend aus einem 2,0-Liter-Benziner und einem Elektroaggregat, gekoppelt an ein CVT-Getriebe, mit 187 PS Systemleistung (damit bleibt der Mondeo im Portfolio). Dazu kommen Mildhybride (MHEV), auf Basis von 48-Volt-Bordnetz und riemengetriebenem Startergenerator, ebenso wie aufladbare Systeme (PHEV) und reine Batterieelektriker.

Die milde Elektrifizierung betrifft den 1,0-Liter-DreizylinderBenziner mit 125 oder 155 PS sowie den 2,0-Liter-Diesel. Der Otto-MHEV ist im Fiesta, im Puma und im Focus (in beiden Karosserieversionen) orderbar. Der Selbstzünder-MHEV sorgt im Kuga (mit 150 PS) und im Tourneo Custom (mit 130 oder 185 PS) für sehr moderaten Treibstoffverbrauch.

Das Thema Plug-in-Hybrid betrifft einerseits ebenfalls den Nützling in der Pkw-Variante. Sein Antrieb setzt sich aus einem 1,0-Liter-Benziner und einem Elektroaggregat zusammen – die Systemleistung von 126 PS wird alleine vom Elektriker an die Vorderachse geschickt, der Verbrenner agiert als Generator.

Die rein elektrisch machbare Reichweite beziffert Ford mit bis zu 56 Kilometern. Das Plug-in-Hybridsystem des Kuga hingegen ist eine Kombination aus 2,5-Liter-Benziner und Elektromotor, CVT-Getriebe inklusive, mit 225 PS Systemleistung. Damit ist der Teilzeitelektriker der Leistungsathlet der Baureihe, mit 14,4- kWh-Akku und einer emissionsfreien Reichweite von 56 Kilometern. Nachgereicht wird für den Kompakt-SUV noch ein Vollhybridantriebsstrang.

„Ford hat sich in Bezug auf die Elektrifizierung der Mobilität von morgen für einen umfassenden Ansatz entschieden …“ Christian Wotypka, Pressesprecher Ford Austria

Alle bereits genannten, aktuell elektrifizierten Fords sind via Vorderachse angetrieben. Nicht so ist das beim neuen SUV-Flaggschiff Explorer. Der US-Allradler, in sechster Generation auch für Europa adaptiert, ist ein Plug-in-Hybrid. Hier kooperieren ein 3,0-Liter-V6-Benziner mit 363 PS und ein Elektro-aggregat mit 102 PS. Das ergibt 457 PS Systemleistung – sowie 825 Newtonmeter Maximaldrehmoment. Die Fahrstufen werden von einer Zehn-Gang-Automatik sortiert.

Damit schafft der um eine Idee mehr als fünf Meter lange Ford den 0-auf-100-Sprint in sechs Sekunden (Höchstgeschwindigkeit 230 km/h). Dem galt im Zuge der ersten Testrunde am Wörthersee aber nicht das Augenmerk. Sondern dem Austesten der elektrischen Reichweite, die auf Basis des Akkus mit 13,6 kWh Kapazität 42 Kilometer betragen soll. 34 Kilometer waren machbar.

Dass der 2,5-Tonner temperamentvoll lossprinten kann, haben wir ihm von vorneherein geglaubt. Der angegebene Mixverbrauch von 3,1 Liter Benzin pro 100 Kilometer (CO 2 : 75 Gramm pro Kilometer) wäre Gegenstand einer längeren Ausfahrt. Fahrwerk und Lenkung sowie Bremsen verleugnen zwar die amerikanische Herkunft nicht, sind aber gut bergtauglich. Dazu kommen sehr praktische Seiten: Er ist ein Siebensitzer, maximales Kofferraumvolumen 2.274 Liter.

Unter den kommenden alternativ angetriebenen Modellen ist ein weiterer Elektrifizierter: Der Transporter – Transit & Tourneo Custom – kommt 2021 als Batteriestromer. Und in den Startlöchern scharrt die Neuinterpretation des Mustang, der Mach-E, der erste Ford, der von Grund auf als Strommodell konzipiert wurde. Startet bei uns auch 2021.