Frankfurter Mode: Wenn aus IAA plötzlich EAA wird. Nach der 67. Auflage müsste die IAA (Internationale Automobil- Ausstellung) umbenannt werden. Neuer Name: EAA – Elektro-Automobil-Ausstellung …

Von Heinz Müller. Erstellt am 19. September 2017 (01:47)
NOEN, BMW
i Vision Dynamics – laut BMW die Elektrifizierung des „Herzens der Marke“.

Es war ein souveräner Auftritt, den Matthias Müller am Vorabend der IAA hinlegte – und der in einem Satz gipfelte: „Die Zeiten, in denen sich unsere Branche auf der IAA selbst gefeiert und im eigenen Glanz gesonnt hat, sind vorbei.“

NOEN, Skoda
„2020 kommt unser erstes rein elektrisches Modell, auf das wir mit dem Vision E einen sehr konkreten Ausblick geben“, so Skoda-Vorstandsvorsitzender Bernhard Maier.

Das saß, und den rund 1.500 geladenen Gästen in der Halle 3 sollte bald noch mehr geboten werden: Der VW-Boss, der als Folge des Skandals um manipulierte Dieselmotoren vor knapp zwei Jahren den einst so allmächtigen Martin Winterkorn beerbt hatte, kündigte eine deutliche Änderung der Strategie an.

VW kündigt Änderungen in der Strategie an

Bis 2025 will der Konzern 50 rein elektrisch betriebene Fahrzeuge sowie 30 Plug-in-Autos auf den Markt bringen. 2030 soll es dann von jedem einzelnen der 300 Konzernmodelle mindestens eine elektrisch betriebene Version geben. Bis zu drei Millionen Elektroautos des Konzerns (das ist jedes vierte Fahrzeug) sollen ab 2025 gefertigt werden – Jahr für Jahr.

Und damit steht der größte deutsche Autobauer nicht alleine da: Daimler-Chef Dieter Zetsche kündigte zeitgleich an, dass Mercedes-Benz binnen fünf Jahren „mindestens zehn vollelektrische Fahrzeuge“ auf dem Markt haben werde. Das auf der IAA (oder doch EAA?) gezeigte Concept EQ A sieht jedenfalls schon ziemlich vielversprechend aus (der Marktstart ist für 2019 geplant).

BMW setzt "elektrisch" nach

Da darf BMW, mit dem i3 und dem i8 der Elektropionier unter den deutschen Autobauern, natürlich nicht fehlen. Dem i3 wurde bereits ein Facelift verpasst, mit dem i3s bekommt er eine sportlichere Variante zur Seite gestellt. Viel mehr beeindruckt jedoch das viertürige Gran Coupé namens i Vision Dynamics.

600 Kilometer Reichweite, in exakt vier Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 – ein attraktiver Gegner von Tesla, der unter der Bezeichnung i5 wohl schon rasch auf den Markt kommen dürfte. BMW plant zwölf rein elektrische Modelle bis 2025, 13 weitere mit elektrifiziertem Antrieb (also zum Beispiel als Plug-in-Hy-brid).

Und die anderen Hersteller? Auch sie zeigen das eine oder andere elektrifizierte Konzept, wobei der bereits vor einem Jahr in Paris mit viel Pomp gezeigte Opel Ampera-e seit dem PSA-Deal von einem Marktstart weiter entfernt ist denn je.

SUVs dominieren die Ausstellung

Die Rüsselsheimer zeigen vielmehr den (schon vor der Übernahme) mit PSA gemeinsam entwickelten Grandland X. Und auch sonst dominieren die SUVs: Allein der VW-Konzern schickt mit dem VW T-Roc, dem Skoda Karoq und dem Seat Arona demnächst drei davon zu den Händlern. Kia hat den neuen Stonic, Hyundai den Kona und Porsche den Cayenne … Mit diesen (und vielen anderen) Benzin- und Diesel-SUVs lassen sich noch jene Milliarden verdienen, die die Autobauer für die Entwicklung der „Zero Emission“-Fahrzeuge benötigen.

Fazit: Seit dieser IAA/EAA sollten jene, die Elektroautos nur für eine vorübergehende Erscheinung halten, umdenken. Und Politiker müssen schleunigst den Weg für mehr Elek-trotankstellen frei machen. Wie sagte es VW-Chef Müller gegen Ende seiner Rede? „Das ist keine unverbindliche Absichtserklärung. An dieser Selbstverpflichtung lassen wir uns ab heute messen …“

Die Automesse in Frankfurt/Main ist noch bis Sonntag, 24. September, geöffnet.