Range Rover Evoque P300e: Auch Strom als Treibstoff. Der Range Rover Evoque wurde elektrifiziert: Der P300e markiert mit 309 PS die Leistungsspitze der Baureihe.

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 13. Januar 2021 (05:00)
Schaut wie immer schick aus und ist auch bezüglich Antrieb im Trend: Plug-in-Hybrid-Evoque.
Land Rover

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das österreichische Autogeschäft resultieren in einem Pkw-Neuzulassungs-Minus von 24,4 Prozent. Sind es 2019 329.363 Fahrzeuge gewesen, die abgesetzt wurden, so waren es 2020 248.816. Dieser Abwärtsbewegung entgegen bilanziert Land Rover hierzulande mit einem Plus von rund einen Prozent (2019: 1.621 Fahrzeuge, 2020: 1.697 Einheiten). Auch fiel das Minus beider Konzernmarken (Jaguar/Land Rover) gemeinsam mit elf Prozent niedriger aus als der globale Rückgang, mit 18,3 Prozent.

Der aktuelle Aufwind der Offroad-Marke basiert zwar teils auf dem neuen Defender, doch für eine Verbreiterung der Erfolgsbasis elektrifiziert Land Rover in allen Modellreihen die Antriebe. Einer der wichtigsten Kandidaten dafür ist der Range Rover Evoque, der sich vom Start weg (vor fast zehn Jahren) als Stilikone etabliert hat. Vor bald zwei Jahren erfolgte der Übergang in die zweite Generation.

Die optisch wenig auffällige, dafür technisch tiefgreifende Weiterentwicklung wird jetzt in der Implantierung eines Plug-in-Hybridsystems weitergeführt (nebst milder Elektrifizierung einer Reihe von Motorisierungen, parallel zum Discovery Sport). Der Antriebsstrang setzt sich zusammen aus einem neuen 1,5-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner (37 Kilogramm leichter als die 2,0-Liter-Vierzylinder-Ottos) mit 200 PS und einem Stromaggregat mit 109 PS, in Kombination mit 48-Volt-Bordnetz und riemengetriebenem Startergenerator.

Das ergibt 309 PS Systemleistung und 540 Newtonmeter Maximaldrehmoment. Damit ist der P300e der stärkste in seiner Baureihe! Portioniert wird das Antriebsgespann mittels ebenfalls neuer Acht-Stufen-Automatik. Allradantrieb (inklusive Offroad-Fahrprogramme) resultiert aus Verbrennervortrieb an der Vorder- und Stromschub an der Hinterachse. Damit absolviert der Brite den 0-auf-100-Sprint in 6,4 Sekunden, trotz respektablen Gewichts von gut zwei Tonnen. Die rein elektrische Höchstgeschwindigkeit ist mit 135 km/h limitiert, im Hybrid-Modus wird der Elektriker bei diesem Tempo (im getesteten Modell an einer kleinen Atempause spürbar) abgekoppelt. Dann agiert der Benziner solo. Bei 213 km/h ist Schluss mit dem Vortrieb.

„Der Plug-in-Hybrid-Evoque verfügt über das Leistungsvermögen und die Gelassenheit, für die Land Rover-Modelle bekannt sind, kombiniert mit der Option lokal emissionsfreier Fortbewegung …“ Dieter Platzer, Pressesprecher Jaguar/Land Rover Österreich

Dem wurde nicht auf den Grund gegangen. Dafür der Seidigkeit der Kooperation zwischen dem sonor und nicht krähend tönenden Benziner und dem Stromer. Zweiterer holt seine Energie aus einem Lithium- Ionen-Akku mit 15 kWh Kapazität. Damit soll er im Normmix (laut WLTP) 55 Kilometer rein elektrisch schaffen. Ganz ging sich das bei den herrschenden Wetterbedingungen (kalt, nass, windig, eisig) nicht aus, doch rund 45 Kilometer sind selbst bei voll aufgedrehtem Heizungsgebläse möglich. Hilfreich dabei ist die prompte Rekuperationsbereitschaft des Systems. Die Aussagekraft der angegebenen 2,0 Liter Normverbrauch (44 Gramm CO 2 pro Kilometer) wird in einem Test bei (hoffentlich) freundlicheren Bedingungen überprüft werden, bei vollem Ausschöpfen des Zusammenspiels der drei Fahrmodi: Hybrid, Elektro und Save (Benzinbetrieb, Stromvorrat wird erhalten).

Konventioneller Treibstoff steht im P300e fast so viel wie in den reinen Verbrennermodellen zur Verfügung, nämlich 57 Liter (gegenüber 65 Liter in Benzinern und Dieseln). Zudem ist der Kofferraum nicht kleiner, es bleibt bei 452 bis 1.156 Litern, der Akku sitzt unter den Rücksitzen. Was auch die Möglichkeit der Montage einer Anhängerkupplung zulässt (Zuglastmaximum: 1.600 Kilogramm gebremst). Der Umgang mit Tanken und Laden – sofern man in unmittelbarere Wohnnähe eine unbesetzte Ladesäule findet – ist simpel: Links sitzt der Strom-, rechts der Benzintank. Im P300e mitgeliefert werden ein Sieben-kW-Onboard-Lader und ein Typ-2-Mode-3-Ladekabel. An einem Schnellader (32 kW) ist damit der Akku in einer halben Stunde zu 80 Prozent voll. Gar nicht so langsam geht es auch mit elf kW: 34 Prozent in 30 Minuten. An der Haushaltssteckdose dauert es quasi eine Nacht: sechs Stunden und 42 Minuten.