Hohe Stirn, niedriges Dach. Ein Jahr nach der Erneuerung des GLE reichen die Deutschen das Coupé nach. Darin steckt mehr als eine Schrägheckinterpretation des SUVs.

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 09. Januar 2020 (03:10)
Das neue GLE Coupé ist ein weiteres Beispiel für das Ziel von Mercedes-Benz, die Bedürfnisse der Kunden imPremium-SUV-Segment gezielt anzusprechen. Aus einer relativ kleinen Nische hat sich das Segment der SUC,also der SUV-Coupés, in kurzer Zeit zu einem Trend im Trend entwickelt.
Mercedes-Benz

Imposant aufgestellt ist die SUV-Palette von Mercedes-Benz. Sie reicht, markiert mit dem Typenbezeichnungszusatz G, von kompakten über gehobene bis zu ernsthaften Offroader-Klassen. Imposant ist ebenso einer der jüngsten Neuzugänge: die Coupé-Interpretation der im Vorjahr in zweiter Generation neu aufgestellten GLE-Version (ehemals M-Klasse).

Das neue GLE Coupé ist nicht mehr bloß eine abgewandelte Version des SUVs: Die Stuttgarter haben den Schrägdachkandidaten frisch modelliert und technisch spezifisch ausstaffiert. Dazu gehört unter anderem eine Kürzung des Radstandes um sechs Zentimeter (auf immer noch ausgedehnte 2,935 Meter).

Das macht ihn kaum kompakter, er kratzt mit 4,939 Metern Außenlänge hart an der Fünf-Meter-Marke, knapp vier Zentimeter misst er mehr als bisher. Das Ergebnis ist eine stimmigere und dynamischere Figur, mit prominenter Stirnfläche und langgezogener abgeschrägter Dachlinie samt eigenständigem Heckleuchtendesign. Die Frontscheibe ist flacher gestellt.

Bei aller Schnittigkeit ist das Coupé aufnahmefähig für mindestens 655 Liter Ladegut (erweiterbar auf 1.790 Liter), auch müssen durchschnittlich groß gewachsene Menschen im Fond nicht um Frisurzerzausung besorgt sein. Das Interieur hat an Feinheit analog zum „normalen“ GLE zugelegt, ebenso an digitalen Elementen wie dem Wideboard-Screen und dem MBUX-Multimediasystem, garniert mit gerade der richtigen Anzahl an zugriffsfreundlich positionierten Tasten und Drehreglern.

„Das neue GLE Coupé verbindet die Sportlichkeit und Eleganz eines Coupés mit der Technik der neuen Premium-SUV-Baureihe von Mercedes-Benz.“ Bernhard B. Bauer, Pressesprecher Mercedes-Benz Österreich

Trotz Wachstums sind die Dimensionen des Schrägdach-GLE auf Anhieb punktgenau abschätzbar – ein Resultat der körperlichen Ausgewogenheit.

Zum Einstieg präsentierte die AMG-Version – AMG 53 4Matic, mit 435 PS, 0 auf 100 in 5,3 Sekunden – im Zuge einer teils verregneten, teils von Schnee durchstöberten Nachtfahrt ihre Talente. Fazit: superbe Antrittsbereitschaft in allen Fahrmodi, konstante Fahrwerks- und Brems-Contenance, ob bei Nässe, Matsch oder Eis, erstaunliche Leichtfüßigkeit trotz mächtiger Körpergröße und ab 2,325 Tonnen Gewicht (mit einer Reihe von feinen Ausstattungsgoodies kommen noch mehr als nur ein paar Kilogramm hinzu).

Das ist die Ernte einer direkter ausgelegten Lenkung im Verein mit ausgeklügelten Fahrdynamiksystemen inklusive vollvariablem Allradantriebssystem (Torque Vectoring), Luftfederung (Serie im AMG), aktiver Wankstabilisierung, Straßenzustandsscanner und Kurvenneigefunktion. Extra erwähnenswert: das Matrix-LED-Licht – es leuchtet wirklich blendfrei selbst bei intensivem Regen- und Schneefall.

Der 400d 4Matic mit 330 PS (Topspeed 240 km/h) bewies unter neblig verhangenen, doch niederschlagsfreien Bedingungen wie erwartet spontane Spurtfreudigkeit samt bäriger Drehmomentstärke.

Das Finale, von 2.200 auf 574 Meter Seehöhe, vom verschneiten Hochgebirge in Hochgurgl in die sonnige Talniederung von Innsbruck, absolvierte die neu aufgestellte Alternativantriebsmotorisierung, der Plug-in-Hy-brid 350 de 4Matic mit 320 PS Systemleistung (700 Newtonmeter). Als derzeit einziger Hersteller kombiniert Mercedes-Benz ein Diesel- mit einem Stromaggregat, im Sinne von emissionsreduzierter Fortbewegung und für Reisen tauglicher Gesamtreichweite. Im GLE Coupé arbeiten ein 2,0-Liter-Vierzylinder-Selbstzünder mit 194 PS und ein Elektromotor mit 136 PS zusammen.

An elektrischer Ausdauer geben die Stuttgarter bis zu 106 Kilometer an. Auch wenn das bei winterlichen Temperaturen (und deshalb aufgedrehter Heizung) sowie den Verlockungen des Ausreizens nahezu geräuschloser Fortbewegung bei rund 130 km/h (auf der Autobahn) nicht ganz machbar ist: Laut Bordcomputer wären sich immer noch 70 Kilometer ausgegangen. Der in den technischen Angaben festgeschriebene Normmixverbrauch von 1,1 Litern ist theoretisch. Doch sind knapp sieben Liter angesichts der Imposanz des Stuttgarters mehr als beachtlich. Was sich aber doch in steilen Gefällen und im dynamischen Kurvengeläuf schiebend bemerkbar macht, das ist das Mehrgewicht von rund 400 Kilogramm gegenüber den reinen Verbrennern …