Mercedes Benz X-Klasse ist eine starke Ansage. Jetzt haben die Stuttgarter auch einen Pick-up: Die X-Klasse tritt außen knorrig und innen stylisch auf.

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 28. November 2017 (00:40)
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Fein macht sich die Sternmarke auch in einem Segment, in dem man sich in gewissem Sinn schmutzig machen kann und auch will – die Rede ist von Pick-ups. Das sind prinzipiell auf das Grobe ausgerichtete Arbeitstiere, die vor Unwegsamkeiten nicht zurückschrecken.

Robust gebaut, auf Basis eines Leiterrahmens, heckgetrieben, versehen mit anständiger Bodenfreiheit und widerstandsfähigem Fahrwerk. Eine Fahrzeugklasse, die sich modern gemacht hat und sich mit Pkw-Features sowie -Komfort stark in Richtung SUV entwickelt.

„Die X-Klasse vereint die Eigenschaften eines Pick-ups mit den Komfort- und Dynamikstärken eines SUVs von Mercedes-Benz!“ Bernhard Bauer, Pressesprecher Mercedes-Benz Österreich

Bei den Schwaben heißt das: X-Klasse. Vorarbeit geleistet hat Nissan (mit der aktuellen Generation des Navara). Die wurde mit einer Mehrlenkerhinterachse anstelle der üblichen Blattfederung im Hinblick auf Fahrkomfort zivil(er) gemacht (was auch Renault für den Alaskan nützt). Mercedes-Benz legte dem noch was drauf: darunter eine Verbreiterung an Karosserie (um sieben Zentimeter) und Spur, außerdem Scheibenbremsen auch hinten.

Weiters kommt eine verfeinerte Fahrwerksabstimmung hinzu und mehr als nur ein Sternen-Stempel an Design und Inneneinrichtung. Übernommen von Nissan wurde die Motorisierung: Das ist ein 2,3-Liter-Diesel (Vierzylinder), der mit Monoturbo 163 PS, mit Biturbo 190 PS leistet. Kombiniert ist die Einstiegsleistungsstufe mit Schaltgetriebe (sechs Gänge), im Stärkeren werden die Fahrstufen über eine Automatik (sieben Gänge) sortiert (ein manuelles Getriebe wird für ihn Mitte 2018 nachgereicht). Bei uns gehört zuschaltbarer Allradantrieb samt Geländeuntersetzung serienmäßig dazu. Eine Motorisierung, die die X-Klasse an die Pick-up-Leistungsspitze stellen wird, folgt im kommenden Sommer: 3,0-Liter-V6-Selbstzünder (285 PS), plus Automatikgetriebe und permanentes 4x4-System.

Hierzulande kommt der X-Klasse die Positionierung eines Lifestylers zu, er soll bei aller robusten Erscheinung auch auf Flaniermeilen eine gute Figur machen. Deshalb wird er ausschließlich als Doppelkabiner und mit umfassender Ausstattung ausgeliefert. Das rein Heckgetriebene Basismodell oder die Fahrgestellversion sowie ein Benzinmotor sind für Märkte reserviert, in denen der Deutsche mit dem japanisch-französischen Familienhintergrund als Arbeitstier eingesetzt wird.

Eine Kostprobe, was die X-Klasse damit anfangen kann, ermöglichte Mercedes-Benz Österreich gemeinsam mit dem ÖAMTC auf dem Offroad-Trainingsgelände in Stotzing. Nach einer kurzen Demonstrationsrunde auf Asphalt ging es zwei Stunden lang über Stock und Stein: Steigungen, Gefälle, Spitzkehren, Schlammlacken, Hohlwege … Abgesehen von beeindruckender Wendigkeit und stoischer Spurstabilität sowie in dieser Klasse noch kaum erfahrenem Federungskomfort zeigte sich das Resultat des hohen Augenmerks in Bezug auf die Dämmung. Das betrifft die Geräusche (der ruppig laufende Diesel drängt sich akustisch nicht in den Vordergrund) ebenso wie die Abschottung gegen Sand- und Schlammeintritt: Sofern man nicht mit offenem Fenster durch das Gelände fährt, dürfte es kaum nötig sein, allzu viel Staub von der edlen Inneneinrichtung wedeln zu müssen!