„Bereit für die Zukunft“. Mit dem Marvel R will Englands Traditionsmarke MG mit der chinesischen Mutter „gegen den Strom schwimmen“. Und das mit jeder Menge Elektro-Power.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 25. Juli 2021 (05:12)
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Spektakuläre Premiere: MGs neuer Marvel R „flog“ mit einem 60 Tonnen-Teleskopkran über die Wiener Ringstraße. Und wurde auf der Dachterrasse eines Luxushotels (konkret: Hotel Grand Ferdinand) mit chinesischen Gästen und österreichischem Barbecue enthüllt. Die Premierenfarbe nennt sich Prism Blue, die Topausstattung Performance. Und das Ziel heißt: „Der Catfish in der Autoindustrie sein“, betont der CEO von MG in Europa.
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Die Pläne sind hoch – dabei hat man sich hierzulande gerade erst „warmgeschwommen“. Denn: MG („Morris Garages“) will Europas Automarkt gründlich aufmischen. Und das nicht mit kleinen, englischen Sportwagen. Sondern mit großen, chinesischen Stromern. Zwei davon hat man schon vorgestellt (den ZS EV und den EHS Plug-in-Hybrid, der auch der einzige Hybrid bleiben soll), einer (der 5er) soll im heurigen „Herbst oder Winter“ kommen („der erste vollelektrische Kombi“), einer 2022, einer (davon gibt es schon ein spektakuläres Concept Car namens Cybster) vielleicht 2024.

Und einer ist gerade angekommen. Der heißt Marvel R. Und ist nicht nur das neue Flaggschiff der Marke mit den englischen Wurzeln und dem Shanghaier Mutterkonzern (SAIC/ Shanghai Automotive Industry Corporation). „Sondern etwas ganz Neues für uns und sehr lässig“, so MG-Österreich-Chef Andreas Kostelecky.

Mit 4,67 Metern Länge ist der Marvel R länger als der Škoda Enyaq oder der VW ID.4. Und steht mindestens so selbstbewusst am Beckenrand wie die Platzhirsche, nein: die Teichkönige im Elektroschwarm. Bullig das Erscheinungsbild, mit hohen Hüften, dicken Felgen (beim Topmodell sind gleich 19-Zöller Serie), trainierten Muskeln. Auf der Nase und am Hintern leuchtet ein LED-Band, die Stoßfänger vorne sind wie ein X geformt, die Unterlippe ist aus Karbon.

Wir sind gekommen, um zu bleiben! Matt Lei, CEO MG Motor Europe

Für die nötige Kopf- (und Gedanken-)Freiheit hat schon das Einstiegsmodell, der Comfort, ein 1,14 Quadratmeter großes Panoramadach und, so MG-Pressesprecher Michael Ellies, „eine extrem üppige Serienausstattung“. Beim Außenlack stehen „nur“ vier Farben zur Auswahl, im Innenraum drei Ausstattungen und unter dem Blech zwei Antriebsstränge: ein Hecktriebler (RWD) und ein permanenter Allradler (AWD).

Der Hecktriebler läuft mit zwei Elektromotoren und hat 180 PS, der Allradler verfügt über gleich drei Stromaggregate und ist 288 PS stark (der Sprint auf Tempo 100 soll nur 4,9 Sekunden dauern, abgeregelt wird bei 200 km/h). Die Reichweiten liegen laut MG bei maximal 402 bzw. 370 Kilometern (laut WLTP), aufgeladen wird die 70-kWh-Lithium-Ionen-Batterie bei Schnellladern (Gleichstrom) in 43 Minuten von fünf auf 80 Prozent. Mit der V2L-Funktion (Vehicle-to-Load) kann die Batterie externe Elektrogeräte wie E-Scooter, Laptops oder auch ein anderes Elektroauto mit Strom versorgen.

Die Anhängelast (ungebremst) wird mit 750 Kilogramm angegeben. Der Kofferraum schluckt im Normalzustand 357 Liter, mit umgelegten Fondsitzen lässt er sich auf 1.396 Liter erweitern. Der Marvel R im Heckantrieb bietet zudem 150 Liter zusätzlichen Gepäckraum unter der Motorhaube, auch Frunk genannt.

Im Innenraum gibt es ein digitales Cockpit mit einem scheinbar schwebenden 19,4-Zoll-Touchscreen (das Konnektivitätssystem hört auf den Namen „MG iSMART“). Fein: Der „MG Pilot“ verfügt über 14 intelligente Assistenzsysteme, die den Fahrer warnen und bei Bedarf eingreifen. Neu (im Vergleich zum EHS Plug-in-Hybrid): Spurhalte- und Aufmerksamkeitsassistent.

Der in China und England designte und in Asien produzierte „Lifestyle-SUV“ will „gegen den Strom schwimmen“, so Europa-CEO Matt Lei, eine „neue Wahl“ sein für die, die „jung im Herzen sind“ und „die es sich leisten können“. Weil: „Wir sind bereit für die Zukunft, MG ist zurück!“