Tokios Motto: „Open Future“ . Das vielversprechende Motto der diesjährigen Tokyo Motor Show lautet „Open Future“. Die NÖN war live vor Ort – hier unsere Highlights.

Von Thomas Vogelleitner. Erstellt am 30. Oktober 2019 (02:33)

Die Tokyo Motor Show ist eine der größten Automessen der Welt: Bis zum 4. November kann man im Messegelände Tokyo Big Sight Neuheiten und Studien von Toyota & Co. bewundern.

Kleine Roboter flitzen über die Gänge. Freundliche JapanerInnen begrüßen die Gäste und erklären lautstark, wie man die Rolltreppe richtig benützt. Zudem duscht eine Wasserdampfbrause Vorbeiziehende ab … Die Tokyo Motor Show ist die etwas andere Messe im weltweiten Autozirkus. Seit 65 Jahren zeigen hier vor allem japanische Hersteller ihre Neuheiten, ihre Zukunftsideen – insbesondere die für den heimischen Markt. Neben Mercedes-Benz und Smart sowie BMW Alpina präsentieren heuer nur Renault und Alpine als europäische Hersteller ihre News – ein Schicksal, das sich die Asiaten mit unter anderem der IAA in Frankfurt teilen, auch hier werden die Aussteller immer weniger.

Thomas Vogelleitner
: Thomas Vogelleitner

Fallen sofort auf: die vielen neuen Kei-Cars. Das sind steuerbegünstigte Kleinstfahrzeuge, die nicht länger als 3,39 Meter und nicht breiter als 1,475 Meter sein dürfen. Der Hubraum des Motors ist auf maximal 660 Kubikzentimeter begrenzt. Kei-Cars machen rund ein Drittel der Neuzulassungen in Japan aus. Sie werden in Europa (leider oder zum Glück) nicht angeboten. Was auch sofort auffällt: SUVs sind in Japan keine Massenware – im Gegenteil. Der SUV-Boom ist am Land der aufgehenden Sonne nahezu spurlos vorbeigegangen. Auch das Thema CO 2 wird nicht gerade groß geschrieben – die Japaner haben allerdings (derzeit) nicht so hohe CO 2 -Einsparungsziele wie wir Europäer – und das (momentane) Zauberwort heißt nicht Elektro, sondern Hybrid.

Auf der Tokyo Motor Show 2019 entdeckten wir aber doch das eine oder andere Auto, das den Weg nach Europa finden wird. So feiert in der japanischen Metropole der MX-30, Mazdas erstes Elektroauto, Weltpremiere. Am Nissan-Stand steht die SUV-Studie Ariya, die bald 1:1 in Europa an den Start
gehen wird. Bei Toyota wird der neue Mirai noch als Studie präsentiert. Und am Honda-Stand wird der neue Jazz gezeigt.

Mazda MX-30

MX-30 heißt also der erste Vollelektriker aus dem Hause Mazda. Die Buchstaben MX stehen für

besondere Fahrzeuge – und Mazda-typischer Fahrspaß ist natürlich inklusive. Der 4,39 Meter lange Crossover (mit gegenläufig aufschwingenden Türen, im Innenraum kommen Bezüge aus recy-celten Plastikflaschen und Kork zum Einsatz) hat eine 35,5-kWh-Lithium-Ionen-Batterie, damit sollten sich 200 bis 250 Kilometer ohne Stopp ausgehen. Genaue technische Angaben werden noch nicht gemacht, wahrscheinlich wird die Leistung aber bei rund 140 PS liegen. Dafür kann man auf www.mazda.at den Wagen schon reservieren (1.000 Euro Kaution), der MX-30 e-Skyactiv Edition One mit umfassender
Ausstattung kostet 34.990 Euro. Marktstart ist im Herbst 2020.

Nissan Ariya Concept

Mit der Studie Ariya zeigt Nissan, wohin die Reise beim Mittelklasse-SUV geht. Der Wagen ist oberhalb von Qashqai/X-Trail positioniert, er wird kein Modell ablösen. Voraussichtlich 200 bis 400 PS stark (zwei Elektromotoren sind verbaut – einer an der Vorderachse, einer an der Hinterachse), dazu Front- oder Allradantrieb und teilautonome Fahrfunktionen dürften den schicken Fünftürer begehrter machen, als seinerzeit den ebenfalls elektrischen Leaf. Reichweiten von bis zu 500 Kilometern sorgen für entsprechenden Alltagsnutzen. Zudem ist der Nissan ein Zwischenspeicher: Wer beispielsweise eine Solaranlage auf dem Dach hat, kann den Strom tagsüber im Auto speichern und abends nutzen. Das Design des „V-Motion Schutzschilds“ erinnert ein bisschen an den EQC von Mercedes-Benz. Eine Ariya-Serien-produktion ist beschlossene Sache: Ab 2021 wird er auf unseren Straßen unterwegs sein.

Toyota Mirai Concept

Es geht ja doch: Wird der neue Mirai so gebaut wie die Studie, die in Tokio gezeigt wird, dann ist die Brennstoffzellen-Limousine ein echt gut aussehendes Auto – und keine graue Maus mehr. Die Optik des Mirai Concept lehnt sich an die Designsprache aktueller Toyota-Limousinen wie dem Camry an. Insgesamt wird der Neue flacher, länger (die Studie ist 4,98 Meter lang) und breiter – wirkt so deutlich gefälliger als die aktuelle Generation. Weiters: 30 Prozent mehr Reichweite (somit bis zu 650 Kilometer), TNGA-Plattform (Toyota New Global Architecture), Heck- statt Frontantrieb (bedeutet mehr Fahrspaß), Fünf- statt Viersitzer … Ab 2021 wird der neue Mirai auch in Österreich angeboten.

Suzuki Waku Spo

Für Suzuki ist der Waku Spo ein Auto für alle Generationen. Denn mit dem Waku-Waku-Schalter kann man die Karosserieform, die Frontmaske oder die Instrumente auf dem Armaturenbrett verändern. Suzuki stellt sich den Plug-in-Hybriden als Familienauto sowohl für den täglichen Gebrauch als auch fürs Vergnügen vor, mit dem „Spaß und Reiz generationenübergreifend geteilt“ werden können. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Waku Spo in Serienproduktion gehen wird? Bei null Prozent. Irgendwie schade.

Honda Jazz

Einfach vorbildlich: Bis 2022 möchte Honda alle Modelle in Europa mit einer elektrifizierten Variante anbieten können. In den nächsten drei Jahren werden sechs elektrifizierte Fahrzeuge an den Start gehen. Den Anfang macht der neue Jazz, die vierte Generation. Der Kleine mit dem großen Innenraum kommt bei uns Mitte 2020 auf den Markt – und zwar ausschließlich als Hybrid. Der Antrieb könnte sich an dem des Insight orientieren. Hier arbeitet ein 1,5-Liter-Benzinmotor mit gleich zwei Elektromotoren zusammen. In der  Mittelklasse-Limousine leistet der Antriebsstrang über 150 PS, im Jazz wird die Leistung aber deutlich geringer ausfallen.  Bereits bestellbar ist schon der Honda e (Kleinwagen im Retro-Design). Mit 136 PS (Basisversion) ab 34.990 Euro, mit 154 PS (Version Advance) ab 37.990 Euro – die Reichweite wird mit rund 220 Kilometern angegeben. Die ersten Auslieferungen in Österreich sind für Frühsommer 2020 geplant. Der Honda e ist der erste Vollzeitstromer, den Honda in Europa einführt.

Mitsubishi MI-Tech Concept

Wow! Die in Tokio präsentierte Studie MI-Tech tritt als Buggy an – ohne Dach, ohne Türen, ohne Überrollbügel. Der Zweisitzer soll Abenteuer pur vermitteln – und das tut er auch! Beim Antrieb setzt Mitsubishi auf einen Plug-in-Hybrid-Antriebsstrang, der einen kompakten Gasturbinen-Motor-Generator als Range-Extender einbindet. Befeuert werden kann die Turbine mit Diesel, Kerosin und (kein Scherz) Alkohol. Den eigentlichen Antrieb übernehmen je zwei Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse (Quad-Motor-Allradsystem), von denen jeder rund 55 PS leistet. Den Strom dafür hält eine 30-kWh-Batterie bereit, die den Wagen nach WLTP auf 200 Kilometer Reichweite bringen soll. Werden die Räder einer Achse auf Gegenrotation geschaltet, kann der MI-Tech Concept quasi auf der Stelle wenden. Serienstart? Nein. Dafür könnte der Engelbert Tourer (der SUV feiert auf der Tokyo Motor Show Japan-Premiere) schon bald kommen. Vielleicht als Pajero?

Lexus LF-30 Electrified Concept

Wie Toyota setzt auch die Premiumtochter Lexus vor allem auf den Hybridantrieb. Mit der Strategie „Lexus Electrified“ will die Marke nun den Schritt in Richtung Plug-in-Hybride und Elektroautos machen (beides kommt schon demnächst). Das LF-30 Electrified Concept ist ein 5,09 Meter langes Fahrzeug mit spektakulären Flügeltüren. Angetrieben wird der Wagen von vier elektrischen Radnabenmotoren, die je nach Situation genutzt werden (somit: Front-, Heck- oder Allradantrieb). Die Gesamtleistung liegt bei 550 PS. Der 110-kWh-Akku im Boden soll eine WLTP-Reichweite von 500 Kilometern ermöglichen. Abholfunktion: Der Lexus fährt zum Einsteigen autonom vor. Eine Besonderheit ist die Airporter-Technologie: Eine autonom fliegende Drohne nimmt zum Beispiel einen Koffer an der Haustür entgegen und transportiert ihn zum Gepäckraum …