Renault Clio: Erwachsen statt gewachsen. Den neuen Renault Clio gibt es ausschließlich fünftürig. Trotz Evolution statt Revolution sind Technik und Einrichtung ganz neu.

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 02. Juli 2019 (02:18)

Vorbei sind offenbar die Zeiten, als Modellwechsel in allen Segmenten grundsätzlich mit Wachstum – in Länge, Breite, Höhe und Radstand – einhergingen. Beim Clio scheint der Plafond erreicht. Er ist in seiner neuesten, der mittlerweile fünften Generation sogar ein wenig geschrumpft, von 4.062 auf 4.050 Millimeter. Auch der Radstand ist etwas kürzer, er misst 2.583 Millimeter (Generation 4: 2.589 Millimeter). Den-noch offeriert der Franzose fühlbar luftigeren Innenraum in beiden Reihen und mehr Platz im Ladeabteil: 340 Liter passen in der Basisposition hinein (Clio 4: 300 Liter), was auf bis zu 1.069 Liter erweitert werden kann. Grundlage dafür ist die neue modulare CMF-B-Plattform aus der Renault/Nissan/Mitsubishi-Allianz. Die ist um rund 50 Kilogramm leichter als im Vorgänger, und sie bietet die Möglichkeit, sowohl konventionelle als auch alternative Antriebsstränge zu realisieren.

An der charakteristischen Erscheinung wurde außen akribisch gefeilt, der neue Clio erscheint weniger pausbäckig, dafür deutlich sportlicher. Chefdesigner Laurens van den Acker legt großen Wert auf Kontinuität und Wiedererkennbarkeit. Ganz anders ist jetzt das Interieur: beginnend bei feineren Softtouch-Materialien und lackierten Flächen über die ausladenderen Sitze bis zur unverspielten Anordnung der Bedienelemente, nicht zu vergessen die prominente Mittelkonsole und das griffige – kompakte – Lenkrad. Der bisherige Bremshebel entfällt, die Parkfixierung ist jetzt elektronisch. Die Funktionen werden über einen Mix aus Tasten, Reglern und digitalen Elementen gesteuert. Das kann statt einer konventionellen Informationszentrale ein konfigurierbares TFT-Kombiinstrument inkludieren, mit sieben oder zehn Zoll Größe. Elegant machen sich die im Dekor individualisierbaren, quer über das Armaturenbord verlaufenden Lüftungsdüsen.

„Mit der fünften Modellgeneration hebt Renault den Clio in allen Bereichen auf ein neues Niveau!“ Nora Mautner-Markhof, Pressesprecherin Renault Österreich

Neu geordnet ist das Antriebsprogramm, das aufgrund der nach wie vor bestehenden Nachfrage in Österreich auch einen Diesel enthält. Es ist ein 1,5-Liter mit 85 oder 115 PS, gekoppelt an eine manuelle Sechs-Gang-Schaltung. Das Hauptgewicht liegt jedoch auf den Benzinern. Einsteiger ist ein 1,0-Liter-Dreizylinder mit 75 oder (aufgeladenen) 100 PS. Bei beiden werden die Fahrstufen über fünf Gänge händisch sortiert, in der Folge wird es für den Turbo ein CVT-Getriebe als Alternative geben. Zweiter Otto-Antrieb ist ein 1,3-Liter-Vierzylinder mit 130 PS samt siebenstufigem Doppelkupplungsgetriebe. 2020 wird ein Hybrid das Aggregate-Portfolio ergänzen: Das neu entwickelte System des künftigen Clio E-Tech besteht aus einem 1,6-Liter-Benziner, zwei Elektromotoren und einem Multi-Mode-Getriebe. Mittels hoher Rekuperationsleistung soll es möglich sein, im City-Verkehr bis zu 80 Prozent elektrisch zu fahren!

 Den Teststart in die neue Generation absolvierte der kleine Franzose in Portugal, auf dosiert gemischtem Straßenprogramm zwischen Lissabon und Evora. Ausprobiert werden konnten der 100- und der 130-PS-Benziner. Vor allem beim Dreizylinder fiel die ausgeklügelte Geräuschdämmung angenehm auf, das typische Krähen hält sich auch bei geöffneten Fenstern in Grenzen. Äußerst gelungen ist die Fahrwerksabstimmung, in beiden der über das Multisense-System anwählbaren Modi Eco und Sport. Auch ist die Lenkung fein abgestimmt, selbst der kleinere Benziner entwickelt sportlich-flotte Qualitäten, ein sechster Gang geht nach kurzer Eingewöhnungszeit nicht mehr ab. Im stärkeren Benziner gefiel zudem die sanfte und prompte Reaktionsfähigkeit der Direktschaltung.

Stolz ist Renault auf die Elektronikmitgift, man offeriert mehr als bisher in der Kleinwagenklasse üblich. Zum einen ist es ein neues Multimediasystem, mit je nachdem sieben oder 9,3 Zoll großem Touchscreen als Zentrale, voll vernetzt und „over the air“ updatebar. Zum anderen ist es ein Schwarm an Fahrassistenten (Easy Drive), mit den Highlights eines adaptiven Tempopilots mit Stopp-&-Go-Funktion sowie eines Autobahn- und Staufahrhelfers, der – vorausgesetzt es gibt Fahrbahnmarkierungen – automatisiertes Fahren auf Stufe zwei ermöglicht. Doch auch ohne Mitwirkung all dieser Unterstützer wirkt der neue Clio höchst erwachsen, er fühlt sich kaum an wie ein Kleinwagen, vielmehr wie einer aus der Kompaktklasse. 

Neu: Renault Clio

Start & Preis. Markteinführung im September. Benziner ab 12.490 Euro, Diesel ab 18.640 Euro. Das Einstiegsmodell Life hat: sechs Airbags, ESP, Tempomat mit Begrenzer, LED-Scheinwerfer, Notbrems- und Spurhalteassistent, Verkehrszeichenerkennung, Lichtsensor. Weitere Ausstattungsstufen: Zen (Klimaanlage), Intens (Klimaautomatik,  Navigationssystem), R.S. Line und Initiale Paris (360-Grad-Kamera).