Assistenzsysteme im ÖAMTC-Test. Bis zum selbständig fahrenden Auto ist es noch ein weiter Weg. Eine stetig wachsende Zahl an Assistenzsystemen sorgt jedoch schon jetzt dafür, dass dem Fahrer mehr und mehr Aufgaben erleichtert oder gar abgenommen werden.

Von Redaktion NÖN.at und Redaktion BVZ.at. Erstellt am 02. Oktober 2020 (13:24)
EuroNCAP

"Entsprechend wichtig ist es, dass die Systeme gut funktionieren – und dass man auch deren Grenzen und Unterschiede kennt", stellt Max Lang, Experte für Fahrzeugsicherheit beim Mobilitätsclub, klar. "Schließlich muss der Fahrer nach wie vor jederzeit wachsam sein und die volle Kontrolle behalten." Aus diesem Grund haben der ÖAMTC und seine Partner im Crashtest-Konsortium Euro NCAP einen neuen Test entwickelt, der sich – im Gegensatz zu den bisherigen Crashtests, die auch viele andere Kriterien umfassen – voll und ganz den elektronischen Helferlein widmet.

Der Fokus liegt auf zwei Bereichen: "Assistenzkompetenz" beurteilt das Gleichgewicht zwischen Unterstützung und Einbindung des Fahrers, "Safety Backup" prüft Ausfallsicherheit und Reaktion eines Assistenzsystems in Notfällen. "Beide Bereiche umfassen mehrere Unterkategorien mit verschiedenen Gewichtungen", erklärt Lang. Alles zusammen ergibt für jeden Testkandidaten eine Wertung, die entweder "sehr gut", "gut", "moderat" oder "Basisniveau" lautet. Getestet wird nicht im Labor, sondern anhand von Fahrversuchen auf Teststrecken und Straßen, die gewisse Mindeststandards erfüllen müssen.

Hochpreisige Fahrzeuge meist mit besseren Assistenten – Ausnahmen bestätigen die Regel

Die Testpremiere umfasste zehn Fahrzeuge: Audi Q8, BMW 3er, Ford Kuga, Mercedes GLE, Nissan Juke, Peugeot 2008, Renault Clio, Tesla Model 3, VW Passat und Volvo V60. Mit "sehr gut" schnitten die Premium-Modelle Audi Q8, BMW 3er und Mercedes GLE ab, deren leistungsstarke und sichere Assistenzsysteme gut funktionieren, ohne dass der Fahrer an eigenständiger Kontrolle einbüßt. "Am anderen Ende des Wertungsspektrums stehen mit Renault Clio und Peugeot 2008 zwei Fahrzeuge, die lediglich die Mindestanforderungen erfüllen. Deren Systeme assistieren dem Fahrer verhältnismäßig wenig, was dazu führt, dass er sich stärker auf die Fahraufgabe konzentrieren muss", fasst Lang zusammen.

Zwischen diesen Wertungspolen liegen Ford Kuga ("gut"), Nissan Juke, Tesla Model 3, VW Passat und Volvo V60 (jeweils "moderat"). Während Ford mit dem Kuga zeigt, dass eine Ausstattung mit guten Assistenzsystemen nicht den Premium-Herstellern vorbehalten ist, muten vor allem die Ergebnisse von Tesla und Volvo enttäuschend an. "Dem V60 merkt man an, dass er schon ein paar Jahre auf dem Markt ist", sagt Lang.

"Der Test zeigt deutlich, wie schnell sich die Technik in diesem Bereich weiterentwickelt hat – was vor ein paar Jahren noch 'State of the Art' war, ist heute nur mehr Durchschnitt." Das Model 3 von Tesla ist hingegen mit neuester Technik ausgestattet und kann in verschiedenen Bereichen hohe Punkte erzielen. "Allerdings sorgt der 'Autopilot' von Tesla dafür, dass der Fahrer nicht so bei der Sache ist, wie es notwendig wäre: Das Fahrzeug erweckt teilweise tatsächlich den Eindruck, vollautomatisch zu fahren. Dafür ist die Technik allerdings noch lange nicht ausgereift genug", sagt der Fahrzeugsicherheitsexperte des Mobilitätsclubs.

Verkehrssicherheit darf nicht am Geldbörserl scheitern

Auch wenn alle Fahrzeuge nach wie vor Luft nach oben haben, zeigt der neue Test des ÖAMTC und seiner Partner einmal mehr, dass der Beitrag, den moderne Assistenzsysteme zur Verkehrssicherheit leisten können, nicht zu unterschätzen ist. Gleichzeitig fordert der Mobilitätsclub, dass die besten und leistungsstärksten Systeme nicht nur teuren Fahrzeugen vorbehalten sein dürfen. "Sicherheit darf keinesfalls eine Preisfrage sein", hält Lang abschließend fest.