Anstrich frisch, Antrieb neu beim Mercedes-Benz. Die Pkw-Version des Mercedes-Benz Vito, die V-Klasse, hat optisch, technisch und ausstattungsseitig noch feinere Manieren bekommen.

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 14. Mai 2019 (01:45)
Mercedes-Benz
Als rollende Business-Lounge preist Stuttgart die V-Klasse an. 

Seine Karriere gestartet hat der Transporter der mittleren Größenordnung 1996 als Vito und als V-Klasse (mit Frontantrieb). Ersterer ist der Arbeiter, Nachfolger des MB100, Zweiterer ist dessen Pkw-Variante. Das ist im Prinzip ein Kleinbus, der sich durch Komfort, Geräumigkeit und Innenraumvariabilität Meriten erworben hat, unter anderem als beliebtes Shuttle-Fahrzeug, genauso als Reisegefährt mit bis zu acht Sitzplätzen.

In seiner zweiten (heckgetriebenen) Generation betitelte ihn die Sternen-Nutzfahrzeugabteilung als Viano, was wohl nicht ganz so stimmig zum großen Stuttgarter passte. Nach sieben Jahren erfolgte die Ablöse, auf einer komplett neuen Basis – und die Rückkehr zur  Bezeichnung als V-Klasse (mit Heckantrieb, eine Frontantriebsoption gab es nur für den Nützling Vito). Das war 2014.

Jetzt, knapp fünf Jahre und rund 210.000 verkaufte Fahrzeuge später, erfolgte ein umfassendes Update. Das wirkt sich am Exterieur durch frischen Anstrich, sprich neue Designdetails aus, mit akzentuiertem Zierrat an der Front, rund um das prominent platzierte Sternen-Logo arrangiert. Im Interieur glänzt mehr Chrom, die Lüftungsdüsen sind jetzt im Turbinen-Look ausgeführt.

Die Instrumentierung ist konventionell geblieben, das digitale Cockpit ist hier noch nicht eingezogen, ebensowenig wie das Infotainment-
Bedienungssystem MBUX. Dennoch hat er anhand neuer Materialien an Pkw-Haftigkeit weiter zugelegt. Und an Komfort, seitens des Fahrwerks und vor allem der Inneneinrichtung: Auf Wunsch kann man den Fond mit feinst ausgeführten Sitzen à la Flugzeug-Business-Klasse bestücken. Auf denen kann man liegen, sich kühle Luft zufächeln und auch massieren lassen.

„Die aktuelle Modellpflege stärkt die Kennwerte der V-Klasse Komfort, Qualität, Wirtschaftlichkeit und steigert die Attraktivität weiter!“ Bernhard Bauer, Pressesprecher Mercedes-Benz Österreich

Dennoch stand im Mittelpunkt der Überarbeitung der Antriebsstrang. Der bisherige 2,2-Liter-Diesel hat ausgedient. An seine Stelle getreten ist neu jener 2,0-Liter, der sich schon geraume Zeit zum Beispiel in der E-Klasse bewährt (Sechszylindermotoren sind im Vito und seinen Derivaten ohnehin seit dem bislang letzten Modellwechsel obsolet, am Horizont steht ein Elektriker). In der V-Klasse kann der Selbstzünder 163 PS (220 d), 190 PS (250 d) oder 239 PS (300 d) haben (alle Abgasnorm Euro 6d-Temp). Ungeachtet der Leistungsstufe werden die Fahrstufen via neunstufiger Wandlerautomatik dirigiert. Allradantrieb kann in allen PS-Varianten an Bord sein. Die genannten Antriebsstränge sind in allen  Karosserielängenversionen im Einsatz: im Kompakten (4.895 Millimeter), im Langen (5.140 Millimeter) und im Extralangen (5.370 Millimeter). Auf die Leistungsbereitschaft der Antriebsvarianten haben die Längenunterschiede kaum spürbaren Einfluss, schon gar nicht auf die Akustik, denn als Diesel gibt sich der Antrieb so gut wie gar nicht zu erkennen. Am flüssigsten von der Hand geht die Fortbewegung naturgemäß in der Topleistungsstufe. Doch auch mit weniger PS gestaltet sich der Umgang mit der V-Klasse auf Pkw-
Niveau, die Ergonomie passt, der steil stehende Karosserieaufbau ist gut überblick- und abschätzbar.

Bei der Orientierung unterstützt eine Schar an elektronischen Assistenten, zwei neue sind hinzugekommen. Einer davon kann aktiv beim (Not-)Bremsen angesichts von feststehenden Hindernissen oder Fußgängern helfen, ein weiterer – optional – bei der richtigen Wahl des Lichts im Zuge von Nachtfahrten (Fernlichtassistent Plus).