Vorhang auf, Bühne frei!. Die Zuffenhausener haben die neu gemachte 911er-Familie um den Targa 4 & 4S komplettiert. Plakativer Showeffekt ist nicht nur in Fahrt garantiert …

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 27. August 2020 (05:35)
Showmaster und Fahrmaschine zugleich: neuer 911 Targa.
Porsche

Man kann gar nicht wegschauen. Magnetisch zieht der Porsche 911 Targa Blicke an. In Fahrt. Im Stehen. Immer. Das liegt am Popo, ein wenig à la Speedster. Das kann an der Lackierung liegen, sei es die dunkelrot-dominierte Heritage Edition oder das giftige Schlangengrün. Das liegt auf alle Fälle an der Dachkonstruktion, die den Bogen spannt vom Cabriolet zum Coupé.

Ob sich das Glas/ Stahl-Verdeck nun ent- oder zusammenfaltet: Es ist stets ein großes Schauspiel der elektrisch manövrierten Mechanik. Die Heckscheibe hebt sich, kippt nach hinten, der Textilverdeck-Teil wird gefaltet, hinter den Fondsitzen verstaut, und dann schiebt sich das Fenster wieder an seinen Platz. Das geht schnell. In 19 Sekunden. Nur im Stehen. Eine Ampel mit längerer Rotphase reicht.

Targas baut Porsche seit 1965, als sogenanntes Sicherheits- cabriolet. Anfangs mit herausnehmbarem Verdeck. Seit 1995 gibt es den Cabrio/Coupé-Zwitter mit einer Panoramaglasdachkonstruktion, das Öffnen und Schließen erfolgt elektrisch betätigt. 1996 kam Allradantrieb als Option hinzu. Jetzt ist 4x4 serienmäßig.

Denn neu aufgestellt wurde im Zuge der Erneuerung der 911er-Baureihe (Serie 992) jetzt auch der Targa. Als 4, mit 385 PS (plus 15 PS gegenüber dem Vorgänger), als 4S mit 450 PS (30 PS mehr) aus einem Dreiliter-Sechszylinder-Boxer mit Biturbo-Aufladung. Beide Leistungsstufen sind an ein achtstufiges Direktschaltgetriebe gekoppelt, die stärkere Variante gibt es gegen Aufpreis auch mit siebengängigem Handschalter.

„Die 911-Targa-Modelle schließen die Lücke zwischen dem 911 Carrera 4 Coupé und dem 911 Carrera 4 Cabriolet, sie verbinden die Vorteile des Cabrio-Fahrens mit dem Komfort und der Sicherheit eines Allrad-Coupés.“ Richard Mieling, Pressesprecher Porsche Österreich

So eindrucksvoll das Schauspiel ist, das der 911 Targa im Stehen bietet, so ist seine wahre Bühne das Fahren. Dass er das in seinem 55. Jahr noch besser kann, einmal ungeachtet der parat stehenden Armada an elektronischen Zähmungsassistenten, als vorher, sollte er auf Heimatterrain demonstrieren.

Anhand der 450-PS-Variante mit Acht-Stufen-DSG, ausgerüstet mit allem, was das Ausstattungsregal zu bieten hat. Ausgehend von Zuffenhausen, wurde er bei prachtvollem Hochsommerwetter (das neue Fahrprogramm für nasse Fahrbahn kam nicht zum Einsatz) durch den mit abwechslungsreichem Straßenprogramm gespickten Schwarzwald geschickt, in Richtung französische Grenze, vielmehr Straßburg. 150 Kilometer Fahren in allen Facetten – vom dezenten Durchbummeln verschlafener Dörfer über engagiertes Wedeln durch so gut wie verkehrslose Kurvenreviere bis zu einspurigen Bergpfaden, auch ein bisschen Autobahn war dabei.

Wo auch immer: Gegenüber dem Vorgänger wirkt er noch agiler, noch präziser, noch schärfer, vor allem leichtfüßiger, Leistungszuwachs hin oder her. Das resultiert unter anderem aus optimiertem variablem Dämpfersystem, Torque Vectoring mit elektronisch geregelter Hinterachsquersperre und neu austariertem 4x4-Antrieb.

Am genussvollsten zu verkosten ist der Bügel-911er mit geöffnetem Dach – und heruntergefahrenen Seitenscheiben. Die 304 km/h Höchstgeschwindigkeit waren nicht das wichtigste Testthema. Das glaubt man sowieso, und das auf der (deutschen) Autobahn auszureizen ist nicht das Spannendste, was der neue 911er-Targa zu bieten hat …