Taycan Cross Turismo: Der Hochvoltquertreiber. Wie der Verbrenner, so der Stromer: Analog zum Panamera Sport Turismo liefert Zuffenhausen den Taycan als Cross Turismo. Die erste Ausfahrt!

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 09. Juni 2021 (02:22)
Der Taycan Cross Turismo ist ein vollelektrischer und allradgetriebener Allrounder der supersportlichen Art. Schon ausprobiert in der Version 4S mit 490 PS Spitzenleistung. Respekt!
Beatrix
Keckeis-Hiller, Beatrix
Keckeis-Hiller

Ist das noch ein Porsche? Eine häufig gestellte Frage, im Zusammenhang mit dem Taycan. Die Gegenfrage: Was ist nicht echt an einem Porsche, der elektrisch angetrieben ist? Waren die Lohner-Kreationen dieses Beinamens, konstruiert bereits Ende des 19. Jahrhunderts, denn unecht, als Hybride (Mixte) oder als – Vollelektriker mit – allererstem – Allradantrieb?

Klar sollte damit auf alle Fälle sein, dass Porsches erster rein stromgetriebener Sportler in Großserie nicht so einfach aus dem Blauen heraus entstanden ist. Dahinter steckt eine lange Geschichte. Deren aktuelles Resultat alles andere als eine Eintagsfliege sein soll. Ist es auch nicht: Im vergangenen Jahr wurden mehr als 20.000 Taycans verkauft, in Norwegen entfallen 70 Prozent der Porsche-Neuzulassungen auf den Elektro-Zuffenhausener.

„Der Taycan Cross Turismo ist das – elektrische – auto-mobile Äquivalent zu einem Schweizer Taschenmesser …“ Hermann Prax, Pressesprecher Porsche Österreich

Rund eineinhalb Jahre nach dem Marktstart des viersitzigen Power-Vollelektrikers folgt jetzt das erste Derivat: der Cross Turismo. Den kann man, analog zum Panamera Sport Turismo, als eine Art Kombi betrachten. Positionieren will ihn Porsche als CUV, als Crossover Utility Vehicle, vielmehr als Allrounder. Mit fünf Sitzplätzen, ebenfalls analog zum heckverlängerten Panamera-Derivat.

Über den dritten Sitzplatz im Fond und ein Kofferraumvolumen von 446 bis 1.212 Litern hinaus hat der Crossover eine Reihe von SUV-Attributen mitbekommen: Höherlegung (um drei Zentimeter, ergibt knapp fünf Zentimeter mehr Kopfraum im Fond), ein auf Robustheit getrimmtes Outfit, das mit einem optionalen Offroad-Paket komplettiert werden kann. Permanent über beide Achsen angetrieben ist er ohnehin serien-mäßig. In allen Leistungsvarianten.

Porsche legt den Cross Turismo vom Start weg gleich vierfach auf, stets mit Performance Plus-Akku – Kapazität: 93,4 kWh – und Luftfederung ausgerüstet. Der neue Stromer, der angesichts der Höhenzugabe (auf 1.409 Meter) und eines in einen fixen Spoiler auslaufenden Hecks trotz fast fünf Metern Länge optisch kompakter als sein Limousinen-Pendant wirkt, steht als 4 mit 380 PS, als 4S mit 490 PS, als Turbo mit 625 PS und als Turbo S, ebenfalls mit 625 PS (jeweils Spitzenleistung), am Start. Die Power kann mittels Overboost bei Einsatz der Launch Control kurzfristig nochmals gesteigert werden. Auf 476, 571, 680 bzw. 761 PS.

Zum ersten – und exklusiven – Kennenlernen hatte Porsche einen 4S nach Österreich geschickt. An Bord: unter ande-rem aktive Fahrwerksregelung, Smartlift-Funktion (automatische Anpassung des Karosserieniveaus), Hinterachslenkung, fünf fixe Fahrprogramme (Range, Normal, Sport, Sport Plus, Schotter) sowie ein individuell konfigurierbares. Darüber hinaus im Testfahrzeug: eine Keramik-Bremsanlage.

Das Reichweitenversprechen in dieser Variante, laut technischen Daten: 388 bis 452 Kilometer. Beim Start in Wien wies der Bordcomputer 400 Kilometer Guthaben aus. Bei fast sommerlichem Wetter, dennoch mit Minimaleinsatz der Klimaanlage und sparsam aktiviertem Soundsystem absolvierte der Strom-Crossover eine 250-Kilometer-Runde. Inklusive Schotterpassagen. Und unter Durchspielen sämtlicher Fahrmodi. Wobei: Die rund vier Sekunden für den 0-auf-100-Sprint glauben wir ungeschaut. Das mit der Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h haben wir aber nicht ausprobiert. Dafür die Drehmomentexplosion auf Autobahnauffahrten und auf kurvigen Bergaufetappen.

Auch haben wir ins Soundextra hineingehört, das artifizielle Fahrgeräusch im Sport-Plus-Modus. Kann, muss man aber nicht haben. Dafür die Mühelosigkeit des Abwinkelns, selbst in eckigen Kurvenradien, die Nonchalance, mit der man das Heck zum Tanzen bringen kann (echtes Quertreiben dann doch lieber auf gesperrtem Terrain), die bombensichere Bisskraft der Bremsen, die hohe Rekuperationsbereitschaft, die feine Ergonomie, das sensible Federungsverhalten selbst auf arg holprigen Straßen. Auf das Reichweitenschinden war die Runde nicht ausgerichtet. Trotzdem vermeldete das System am Ende immer noch ein Guthaben von 107 Kilometern.

Und wer immer noch zweifelt, ob es sich beim Taycan, ob Cross Turismo oder Limousine, um einen echten Porsche handelt: Der Power-Schalter sitzt dort, wo bei den Verbrennern das Zündschloss postiert ist: LINKS vom Lenkrad.