Souveräner Einsteiger. Die Zuffenhausener erweitern die Porsche Taycan-Baureihe. Die vierte Variante ist heckgetrieben. Und um nichts weniger sportlich. Erste Ausfahrt!

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 31. März 2021 (01:19)
Das Feeling und die Akustik sind anders und noch recht neu. Doch fahrdynamisch ist der vollelektrisch angetriebene Taycan ein echter Porsche. Erst recht als Einstiegsmodell mit Heckantrieb.
Beatrix Keckeis-Hiller, Beatrix Keckeis-Hiller

Unschwer zu erraten war, dass Porsche sportlich ins Zeitalter des vollelektrischen Antriebs startet. Ende 2019 feierte der Taycan seine Premiere. Ein viertüriges Coupé, geschnitten nach Art des Hauses. Mit fast fünf Metern Länge ein kompakterer Panamera – mit fast genauso langem Radstand (2,90 Meter). Eine mächtige Leistungsansage gehört dazu: Als Turbo (obwohl strombetrieben, so bezeichnet) hat er 680 PS, als Turbo S 761 PS und als 4S 530 PS, sortiert über ein zweistufiges Getriebe. Die Leistung ist generiert aus zwei Elektromotoren, einem pro Achse, somit Allradantrieb.

Bevor das erste Derivat, der kürzlich vorgestellte Taycan Cross Turismo – ein etwas höher gelegter Shooting Brake mit Offroad-Akzenten – im Sommer das Portfolio der Elektro-Zuffenhausener erweitert, schiebt Porsche eine Einsteigervariante nach. Die heißt schlicht Taycan. Und ist heckgetrieben. Als Nennleistung gibt Porsche im Verein mit der Standard-Performance-Batterie (79,2 kWh) 326 PS an, mit stärkerem Akku (93,4 kWh, jeweils brutto) sind es 380 PS.

Mit Overboost-Funktion und Launch Control steigert sich die Power kurzfristig auf 380 bzw. 476 PS. Damit sind jeweils 5,4 Sekunden für den 0-auf-100-Galopp möglich. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 230 km/h limitiert. An Reichweite verspricht man bis zu 431 bzw. 484 Kilometer im Mix (laut WLTP). Dank 800-Volt-Technik ist eine Ladeleistung von 225 bzw. 270 kW möglich. In 22 Minuten und 30 Sekunden kann der Energiestand von fünf auf 80 Prozent gepusht werden.

„Mit dem neuen Einstiegs-Taycan stellt Porsche nach Turbo S, Turbo und 4S die vierte Version seiner ersten vollelektrischen Sportlimousine vor!“ Hermann Prax, Pressesprecher Porsche Österreich

Von seinen zweiachsig angetriebenen Brüdern unterscheidet sich der Hecktriebler innen gar nicht, äußerlich in Details. Zum Beispiel an aerodynamisch optimierten 19-Zoll-Aero-Rädern und schwarz eloxierten Bremssätteln. Es bleibt im Wesentlichen bei den Länge- mal Breite- mal Höhenmaßen: 4.963 mal 2.144 (mit ausgeklappten Außenspiegeln) mal 1.294 Millimeter. Der cW-Wert beträgt 0,22. In den vorderen Stauraum unter der Fronthaube, kann man 84 Liter Ladegut packen, in den Heckkofferraum passen 407 Liter rein. Im Interieur können in der Grundkonfiguration vier Personen Platz nehmen.

Für die erste Ausfahrt stand, direkt aus Zuffenhausen geliefert, die Plus-Version parat. Mit bereits besagten 380 PS (und 2.205 Kilogramm Leergewicht). Bei der Übernahme, am noch frostigen Vormittag, wies der Bordcomputer 97 Prozent Batterieladestand und eine Reichweite von 372 Kilometern aus. Die Tageserwärmung führte zum Ausschalten der Klimaanlage. Was in einer Zehn-Kilometer-Zugabe resultierte. Nach Durchspielen der Fahrmodi – in der Stadt, auf der Autobahn – kam beim Landstraßen-Cruisen hauptsächlich der prompt rekuperierende Range-Modus zum Zug.

Der limitiert die Höchstgeschwindigkeit auf 110 km/h. Was den Führerschein retten kann. Denn man muss nicht erst das Sport-Plus-Programm (mit elektronisch komponierter Fahrgeräuschuntermalung) wählen, um im Wimpernschlag weit jenseits aller geltenden Speed-Limits dahinzufliegen. Außerdem kostet jeder Tipper aufs Gas-, pardon Strompedal mindestens zehn Kilometer Reichweite (und mehr, wenn man die Overboost-Funktion ausreizt). Somit wurde, je nach Terrain, in erster Linie zwischen dem braven und dem Normal- sowie dem Sport-Modus geswitcht.

Letzterer erwies sich im noch winterfeuchten waldgesäumten Kurvengeläuf als guter Kompromiss, denn trotz aller elektronischen Zähmung kann der Heckantriebs-Taycan munter mit den Hinterhufen ausschlagen. Apropos Kurven: Der fast fünf Meter lange Zuffenhausener ist unglaublich wendig und agil, unerschütterlich spurtreu. Nicht zu vergessen: die souveräne Fahrwerksabstimmung und die superbe Geräuschdämmung.

Zusammenfassung einer vierstündigen Liaison mit dem Einsteiger-Taycan: 252 Kilometer mit 70 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit, 102 Kilometer Restreichweite, knapp 20 Prozent Restenergiestand. Verbrauch laut Bordcomputer: 24,8 kW. Das liegt innerhalb der angegebenen Konsumwerte von 21,5 bis 25,4 kWh.