Rüsselsheim erfindet sich neu. Die Blitzmarke soll unter PSA-Ägide nicht nur weitgehend eigenständig bleiben, sondern auch Entwicklungskompetenzen für den gesamten Konzern erhalten.

Von Franz Farkas. Erstellt am 19. Juni 2018 (01:41)
NOEN, Opel
Der neue Hochdachkombi Combo (diebereits fünfte Generation) startet noch heuer – auf der Plattform EMP2.

Seit 1929 war Opel ein Teil von General Motors, seit dem vergangenen Jahr gehört die Marke mit dem Blitz zum französischen PSA-Konzern (Peugeot, Citroën und DS). Viele Insider befürchteten zunächst, die Deutschen könnten im französischen Konzern untergehen, doch es soll anders kommen!

Im Klartext bedeutet das, dass alle Opel-Fahrzeuge auch weiterhin in Deutschland entwickelt werden sollen, auch der markenspezifische Charakter soll erhalten bleiben. Weiters erhält Opel von PSA 15 Kompetenzzentren zugesprochen – von der Sitzentwicklung bis hin zur Elektro- und Brennstoffzellenentwicklung. Zudem wird man in Zukunft für die leichten Nutzfahrzeuge der kompletten PSA-Gruppe verantwortlich sein – der neue Combo ist schon das erste Ergebnis. Auch ein neuer 1,6-Liter-Benzinmotor, der in allen Marken des Konzerns zum Einsatz kommen wird, soll von den Rüsselsheimern entwickelt werden. Zudem wird auch ein neues Sechs-Gang-Schaltgetriebe inklusive Kupplung in Rüsselsheim entwickelt, gebaut wird es in Wien-Aspern (damit ist der Fortbestand des Werkes gesichert).

„Wir sind Paris jetzt bereits näher als wir es Detroit jemals waren!“ Opel-CEO Michael Lohscheller

Um soweit wie möglich effizient arbeiten zu können, sind natürlich auch umfangreiche Maßnahmen notwendig. So sollen alle künftigen Opel-Modelle nur mehr auf zwei anstatt neun Plattformen aufgebaut sein: CMP (Comon Modular Platform) für kleinere Modelle, EMP2 (Efficient Modular Platform) für größere Modelle. Der neue Corsa, der ab 2019 in Spanien (Zaragossa) gebaut werden soll, basiert schon auf einer dieser Plattformen, ebenfalls der schon bereits vorgestellte neue Combo und der Grandland X. Die Variabilität dieser beiden Plattformen erlaubt auch den Designern und Technikern wesentlich mehr Spielraum bei geringeren Entwicklungskosten. So konnte der neue Corsa um etwa 50 Prozent billiger entwickelt werden als der Vorgänger – und er wird 2020 ebenfalls auf dieser Plattform eine vollelektrische Version bekommen (Reichweite: 350 Kilometer). Ohnehin will man die komplette Opel-Baureihe bis 2024 elektrifizieren. Stützen kann sich Opel dabei auf die Erfahrungen mit zwei Ampera-Generationen. Weiters wird man aber auch die bestehenden Antriebe überarbeiten sowie den bestehenden und vor allem den kommenden Abgasnormen anpassen, dazu zählen natürlich auch die Dieselmotoren.

Ein weiterer Aufgabenbereich, den Opel für den PSA-Konzern übernehmen wird, ist das Vorantreiben der automatisierten Tests. So konnte ein Motor bereits weitgehend digital, das heißt: auf dem Computer, getestet werden, bevor man die erste Hardware produzierte. Auch diese Maßnahmen steigern die Effizienz deutlich.

Zudem will man sich im PSA-Konzern auch der Erfahrungen von Opel auf dem US-Markt bedienen, als ehemaliges GM-Mitglied ist man in Rüsselsheim bestens mit den amerikanischen Bestimmungen vertraut. Auch für Opel selbst gibt es einen großen Vorteil, Mitglied des PSA-Konzerns zu sein: Man bekommt nun Zugang zu den Märkten etwa in Nordafrika, die unter der GM-Ära verwehrt wurden.