Strom spielt Schlüsselrolle. Wayne Griffiths blickt nach seinem ersten Jahr als (unkonventioneller) CEO der spanischen VW-Tochtermarken Seat und Cupra zurück – und in die nahe Zukunft.

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 19. August 2021 (06:00)
Wayne Griffiths
Wayne Griffiths bei der Präsentation des Cupra Born – des ersten Vollelektrikers der Spanier. Der Kompakte ist bis zu 231 PS stark. Mit der 77-kWh-Batterie soll die WLTP-Reichweite bei 540 Kilometern liegen (im reinen Stadtbetrieb verspricht Cupra gar bis zu 780 Kilometer mit einer Ladung).
Seat & Cupra

Eine Imageumkehr hat Seat geschafft: vom Lizenzhersteller mit Tendenz zum Billigimage zu einer eigenständigen Marke mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein. 1950 gegründet, hatte das katalanische Label (Unternehmenssitz ist Martorell bei Barcelona) mit Beginn der 1980er-Jahre eine Kooperation mit dem VW-Konzern gestartet. 1986 erfolgte die Aufnahme in die Familie der Wolfsburger.

Vor drei Jahren funktionierten die Spanier ihre sportlichen Top-Austattungsversionen, markiert als Cupra (steht für „Cup Racing“), zu einer Submarke um. Maßgeblicher Motor war und ist Wayne Griffiths, seit 1. Oktober 2020, nicht mehr Boss alleine von Cupra, sondern auch von Seat.

Dabei liegt dem Engländer keine der beiden Marken mehr am Herzen als die andere: „Seat und Cupra stehen nicht in Konkurrenz zueinander, keiner soll den anderen ersetzen, sie sollen einander ergänzen.“ Auch denkt man nicht – weder für das eine, noch für das andere Label – daran, Komplettanbieter zu werden, es bleibt bei der Spezialisierung auf Klein- und Kompaktwagen sowie SUVs und Crossover. Darüber hinaus ist, für Cupra, Premium-Status nicht das Thema, sondern das Kreieren cooler Fahrzeuge für eine ebenso junge wie jung gebliebene, design- und technikaffine Klientel, die Autos liebt und auf aktiven Fahrspaß Wert legt.

„Unsere Marken sollen weder konkurrieren noch sich kannibalisieren, sondern einander ergänzen!“ Wayne Griffiths, CEO Seat & Cupra

Den ersten eigenen Schritt dazu hat Cupra mit dem Formentor bereits absolviert. Mit großem Erfolg, trotz Pandemie und Halbleiter-Lieferschwierigkeiten, samt breitem, teils elektrifiziertem Antriebsprogramm in einer Leistungsbandbreite zwischen 150 und 390 PS. Von den bisher 45.000 verkauften Cupra-Modellen sind mehr als die Hälfte Formentors, hier wiederum entfallen gut 50 Prozent auf die Plug-in-Hybrid-Versionen.

Erster Schritt in Richtung reinen Stromantrieb ist der Cupra Born, dem das ursprüngliche „el-“ abhanden gekommen ist, weil zu sperrig für Nicht-Spanier. Der erste Vollelektriker der Marke ist als enger Verwandter des VW ID.3 nur bei genauer Betrachtung identifizierbar, und er startet im vierten Quartal 2021 für einen Ab-Preis von 29.990 Euro (inklusive Förderungen). Vertrieben wird er über ein Agentursystem, in dem der Handel eine Art Vermittler zwischen Hersteller respektive Importeur und Kunden darstellt. Der Born zeigt die Richtung der Rolle an, die Cupra zugedacht ist: die der E-Mobilität. Nächster (bestätigter) Kandidat dafür ist der Tavascan, ein Elektro-SUV. Für Seat bleibt es bei den Verbrennern, allerdings sind auch diese zum Teil bereits elektrifiziert. Die Produktion des bislang einzigen (und ersten) Stromers der Spanier, des Mii electric, ist mittlerweile ausgelaufen.

Über all das hinaus hat der VW-Konzern Großes nicht nur mit Seat und Cupra vor: Im Rahmen des Projekts „Future: Fast Forward“ soll Spanien zum Stammland der E-Mobilität werden, auf Basis einer Kooperation zwischen dem VW-Konzern und der spanischen Regierung. Geplant ist eine eigene Batteriezellen-Fertigung (in einer Giga-Fabrik) und die Produktion eines vollelektrischen Kleinwagens für die Konzernmarken. Einer künftigen Small-BEV-Baureihe wird bei der Demokratisierung der E-Mobilität in Europa eine Schlüsselrolle zugedacht, und die Iberische Halbinsel soll dabei eine tragende Säule sein. Denn, so Griffiths: „Ohne Strom können wir aktuelle und künftige Emissionsvorgaben nicht erfüllen …“