Ist ein Gastank sicher? . Was wissen Sie über CNG-Fahrzeuge (Compressed Natural Gas/komprimiertes Erdgas)? Andrew Shepherd, Leiter der CNG-Produkte bei Seat, stand der NÖN Rede und Antwort.

Von Thomas Vogelleitner. Erstellt am 20. Februar 2018 (00:07)
NOEN, Seat
Umweltfreundlichster Ibiza aller Zeiten: Ibiza 1.0 TGI (das dritte CNG-Modell der Spanier). Hat 90 PS, ist 180 km/h schnell und im Erdgasmoduswerden nur 88 Gramm CO2 proKilometer aus-gestoßen.

Ist das Gefühl am Lenkrad dasselbe?
„Ja! Das Fahrgefühl ist identisch, da Gasmotoren ebenso leistungsfähig wie Diesel oder Benziner sind“, so Shepherd.

Ist ein Gastank sicher?
„Absolut! Gastanks werden nach den höchsten Branchenstandards konstruiert und gefertigt“, stellt Shepherd klar. Er fügt hinzu, dass diese Gastanks „mit einem Sicherheitsventil ausgestattet sind und im Fall eines Feuers das Gas auf kontrollierte Weise an die Außenluft abgegeben wird. Dadurch wird verhindert, dass das Fahrzeug Schaden nimmt“. Darüber hinaus wurden alle Bauteile des Gastanks dahingehend getestet, ob sie extremen Bedingungen standhalten: „In dem Tank herrscht ein Druck von maximal etwa 200 bar, er ist jedoch auf mehr als das Doppelte ausgelegt.“ Und der Experte weist darauf hin, dass der Irrglaube, dass Gas unter bestimmten Nutzungsbedingungen gefrieren könne, ein Mythos sei: „Die Außentemperatur müsste unter 160 Grad Minus betragen, damit sich Erdgas verflüssigt …“

Kann man bei kritischer Schadstoffbelastung fahren?
Ja, die CNG-Fahrzeuge von Seat sind mit dem Eco-Siegel zertifiziert.

Kann man mit leerem Gastank weiterfahren?
Wenn das Gas im Tank aufgebraucht ist, wird automatisch auf Benzin umgeschaltet. „Der Fahrer kann seine Fahrt ohne Stopp fortsetzen. Eine Anzeige in der Armatur weist darauf hin, dass das Auto mit Benzin fährt“, erklärt Shepherd. Dank der bivalenten Antriebstechnologie haben die Fahrzeuge von Seat eine Reichweite von bis zu 1.300 Kilometern. Das Tanken mit Erdgas ist in europäischen Ländern mit einem Gastankstellennetz problemlos möglich, das System verwendet dabei Universalfüllstutzen.

Kann man auch nur mit Gas fahren?
Ja, CNG-Fahrzeuge werden standardmäßig mit Erdgas betrieben und können ohne Umschalten auf den anderen Tank gefahren werden. Dennoch sollte für das Starten des Motors bei sehr kalten Temperaturen oder unmittelbar nach der Betankung mit Erdgas immer eine Mindestmenge Benzin verfügbar sein. Der Benzinkraftstoff sollte innerhalb von sechs Monaten verbraucht werden.

Kosten die Fahrzeuge in der Anschaffung dasselbe wie herkömmliche Fahrzeuge?
Ja, CNG-Fahrzeuge werden in derselben Preiskategorie wie Diesel- und Benzinfahrzeuge verkauft, im direkten Vergleich zu Dieselmodellen sind sie in der Anschaffung sogar deutlich günstiger – ungeachtet ihrer langfristigen Vorteile. In diesem Zusammenhang weist Shepherd darauf hin, dass „eine Tankfüllung nur rund 13 kostet“, daher können CNG-Fahrzeuge „Einsparungen von 30 Prozent im Vergleich zum Diesel und 55 Prozent im Vergleich zu Benzinern erzielen“. In Österreich gibt es auf alle CNG-Fahrzeuge von Seat einen Bonus in der Höhe von 2.000 – damit kostet der neue Ibiza TGI nur 15.990 !

Wie schaut es mit dem Wartungsaufwand aus?
In ihrer mechanischen Funktion unterscheiden sich Gasfahrzeuge nicht von herkömmlichen Fahrzeugen. „Es stimmt nicht, dass Zündkerzen oder Filter häufiger ausgetauscht werden müssen“, weist der Autoprofi Behauptungen zurück, dass CNG-Motoren schnell überhitzen und teurer im Unterhalt seien. Der einzige Unterschied sei, dass „die Dichtheit der Gasanlage und der Zustand der Tanks geprüft werden muss“. Diese Prüfungen sind den hohen Sicherheitsstandards geschuldet, die für erdgasbetriebene Fahrzeuge gelten. In Österreich wird die komplette CNG-Kraftstoffanlage im Rahmen der §57a-KFG-Überprüfung gecheckt, die Gastanks müssen spätestens alle drei Jahre visuell kontrolliert werden.

Erdgas?
Ein unsichtbares und geruchloses Gasgemisch, das leichter als Luft ist und vorwiegend aus Methan besteht.

Erdgas in Österreich?
Ja. Österreich kann etwa ein Fünftel seines Erdgasbedarfs aus Erdgasfeldern abdecken.

Kann man Erdgas auch herstellen?
Ja. Methan entsteht zum Beispiel in der Biogas-Produktion aus Pflanzen und Abfällen, eine andere Technologie erzeugt Bio-SNG (Synthetic Natural Gas) aus Holzresten, die neueste Methode erlaubt über Elektrolyse und chemische Reaktionen die Herstellung aus Ökostrom.

Ist Gas giftig und explosiv?
Erdgas ist nicht toxisch und geruchlos, daher wird ihm ein stark riechendes Odormittel beigemischt. Dieses wird bereits bei einer Kon-zentration von einem Prozent – und damit weit unter der Gefahrengrenze (14 bis 16 Prozent) – wahrgenommen. Benzin entzündet sich bei wesentlich geringeren Temperaturen.

Mit einem CNG-Fahrzeug in die Tiefgarage?
Aus technischer Sicht spricht nichts dagegen. Einfahrtverbote für Gasfahrzeuge bezogen sich auf LPG (Liquefied Pe-troleum Gas/Flüssiggas), das sich bei Austritt nicht von selbst verflüchtigt.

Kommt man mit Erdgas genauso weit wie mit Benzin?
Viel weiter! Die energetische Ausbeute von einem Kilogramm CNG kommt der von 1,3 Liter Diesel oder 1,5 Liter Benzin gleich.

Erdgastankstellen in Österreich?
Derzeit gibt es über 170, Tendenz steigend. Europaweit sind es übrigens 2.250.

Warum ist Erdgas billiger?
Als umweltfreundlicher Kraftstoff wird CNG steuerlich bevorzugt, das gilt auch für die NoVA beim Autokauf. Der Erdgaspreis orientiert sich am Rohölpreis.

Wie schont Erdgas die Umwelt?
Der Ausstoß von Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid, Ruß und anderen Partikelemissionen wird durch CNG nahezu vollständig vermieden. CO2-Emissionen sind bei Erdgasfahrzeugen um bis zu 25 Prozent geringer als bei Benzinern. Der Ausstoß von Stickoxiden ist im Vergleich zum Diesel um rund 70 Prozent niedriger.