Schwierige Lichtverhältnisse: Sicher Fahren im Herbst. Der Herbst fordert Verkehrsteilnehmer durch schwierige Lichtverhältnisse und gefährliche Umgebungsbedingungen. 

Von Redaktion NÖN.at und Redaktion BVZ.at. Erstellt am 24. September 2020 (12:37)
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"Bei tiefstehender Sonne, auf nasser Fahrbahn, bei plötzlichem Hagelschauer oder Dämmerlicht sind Verkehrsteilnehmer besonders gefordert. Sichtbeeinträchtigende Phänomene begleiten uns dabei schon zeitig in der Früh und können stellenweise auch am späten Nachmittag und in den Abendstunden auftreten. Das Fahrverhalten muss dann entsprechend angepasst werden", mahnt die ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger. 2019 kamen bei Unfällen im Zusammenhang mit Licht- und Sichteinschränkungen über 12.500 Personen zu Schaden, 131 Personen verunglückten dabei tödlich (Quelle: Statistik Austria / Bearbeitung durch die ÖAMTC Unfallforschung). 

"Ein Hagelschauer, Blendung durch Sonne, wenn diese in einem flachen Winkel durch die Windschutzscheibe fällt, ebenso aufgewirbelte Gischt, können zu massiven Sichteinschränkungen führen. Querende Fußgänger, Radfahrer auf der Fahrbahn oder Gegenstände und Tiere in der Nähe der Straße könnte man dann verspätet oder gar nicht wahrnehmen. Das kann fatal enden", so Seidenberger. Besondere Vorsicht sollten Fahrzeuglenker zudem vor Fußgängerübergängen, in Wohnstraßen, in der Nähe von Schulen, Kindergärten, Sport- und Freizeitanlagen, aber auch vor Haltestellen, walten lassen.

"Wenn Autofahrer nicht angemessen auf Straßen- und Lichtverhältnisse reagieren, kann das als Fahrlässigkeit geahndet werden", erklärt Seidenberger. Einen Appell richtet sie auch an die Straßenerhalter: "Die Verkehrsinfrastruktur sollte so gestaltet sein, dass gut sichtbare Bodenmarkierungen die Orientierung erleichtern und große Wasseransammlungen auf der Fahrbahn verhindert werden." Verkehrsteilnehmer sollten ihr Verhalten im Straßenverkehr anpassen: "Den Abstand vergrößern, das Tempo verringern, den richtigen Lichtmodus nutzen und durch reflektierende Materialien und korrekte Beleuchtung sicherstellen, dass man selbst gut sichtbar ist, ist essenziell. Radfahrer sollten generell das Rechtsfahrgebot beachten", so Seidenberger.

Tipps der Experten, wie sich Fahrzeuglenker bei unzureichender Sicht richtig verhalten 

* Tempo reduzieren, dabei aber keine abrupten Bremsmanöver durchführen und den  Abstand vergrößern, auf erhöhten Sicherheitsabstand zum Vordermann achten und jegliche Ablenkung vermeiden. "Wer nur eine Sekunde lang geblendet ist und nichts sieht, legt bei 50 km/h bereits 14 Meter im Blindflug zurück", weiß die ÖAMTC-Expertin. "An Kuppen und vor Kurven ist mit einer schlagartigen Änderung der Lichtbedingungen zu rechnen – deshalb vorsichtig herantasten." 

* Sonnenbrille (im Idealfall mit polarisierenden Gläsern) griffbereit aufbewahren, gegebenenfalls die Sonnenblende herunterklappen oder mit getöntem Visier unterwegs sein. "Wird man geblendet, sollte man den Blick auf die Fahrbahn relativ dicht vor sein Fahrzeug senken. Wesentlich ist auch, die Geschwindigkeit der Sichtweite anzupassen", erläutert die ÖAMTC-Verkehrspsychologin. 

* Als Radfahrer sollte man sich der Gefahr besonders bewusst sein und gut sichtbare Kleidung tragen sowie entsprechende Beleuchtung einschalten. "Aufgrund blendender Sonne werden Radfahrer immer wieder übersehen – oft mit fatalen Folgen", so Seidenberger. 

* Bei einer Panne oder einem Unfall den Nachfolgeverkehr mit eingeschalteter Warnblinkanlage warnen, nicht ohne Warnweste den Wagen verlassen und den Aufenthalt im Fahrbahnbereich vermeiden oder möglichst kurz halten.  

* Vorsicht beim Aussteigen aus dem Fahrzeug: Nachfolgeverkehr kann eine geöffnete Tür möglicherweise erst spät wahrnehmen.  

* Auf gut funktionierende Wischerblätter (mindestens jährlich kontrollieren lassen) sowie eine saubere Innenscheibe achten, denn Schmutzreste können durch direkte Sonneneinstrahlung die Sicht besonders beeinträchtigen. "Wird man während des Fahrens geblendet, sollte man keinesfalls hektisch die Scheibenwischanlage aktivieren", so die ÖAMTC-Expertin. "Das verschlechtert rapide die Sicht, weil man den Schmutz verschmiert." Und: Alles, was für die Windschutzscheibe gilt, ist auch für Brillenträger und Helm-Visiere wichtig. 

* Blendung kann auch eine Gefahr sein, wenn man die Sonne "im Rücken" hat. "Getönte Heckscheiben helfen wenig, weil man auch in den Spiegeln nichts sieht", erklärt Seidenberger. 

* Zeitmanagement: Mehr Zeit zur Anfahrt einplanen; unnötigen Stress durch ’Termin-Hetze’ verhindern", erklärt Seidenberger.