Zukunft, die Zweite …. Die zweite Generation des Toyota-Brennstoffzellers Mirai ist im Anrollen. Neu sind Heckantrieb und Fünfsitzigkeit. Die Reichweite legte um 30 Prozent zu.

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 17. Februar 2021 (05:57)
Emittiert ausschließlich Wasserdampf: Mirai, hier die neue Generation – die Entwicklung stand diesmal ganz unter dem Motto „Begehrenswert für eine Zukunft voller Freude“.
Toyota

Ein Exot war der Mirai bisher hierzulande in mehrfacher Hinsicht. Technisch: ein FCEV, einer, der mittels Brennstoffzelle Antriebsstrom aus Wasserstoff produziert. Optisch: futuristisch auf japanische Art gestylt, außen wie innen. Häufigkeit: sehr selten anzutreffen. Preislich: durchaus recht exklusiv – ab 79.800 Euro (2019). Das betrifft die erste Generation. Die wurde 2014 vorgestellt, ab 2015 nicht in allen Märkten eingeführt und in Österreich anfangs gar nicht käuflich erwerbbar.

Nicht nur das ist jetzt, mit dem Start der zweiten Generation des Mirai, dessen Name für das Wort „Zukunft“ steht, anders! Der Japaner ist komplett erneuert, von der Plattform über das Design bis zur (Brennstoffzellen-)Technik.

„Die Toyota Motor Corporation sieht im Wasserstoff einen effizienten Kraftstoff für die Zukunft …“ Rudolf Glass, Pressesprecher Toyota Österreich

Das Styling kokettiert kaum mehr mit plakativer Futuristik, ist dominiert von klaren Linien sportlichen Zuschnitts. Zugelegt hat er bei den Dimensionen: plus 85 auf 4.975 Millimeter in der Länge, plus 70 auf 1.885 Millimeter in der Breite … und minus 65 auf 1.470 Millimeter in der Höhe. Länger ist auch der Radstand, er misst jetzt 2.920 Millimeter (plus 140). Das Interieur ist geräumiger und wohnlicher, in der ersten Reihe mit verbreiterter Mittelkonsole.

Auf der Fondbank dürfen jetzt drei Passagiere Platz nehmen, wobei der schmale Mittelsitz in eine Armlehne mit Staufach umfunktioniert werden kann. Das Informationsinstrumentarium ist selbst für jene auf Anhieb verständlich, die noch wenig mit Elektrofahrzeugen vertraut sind. Die Steuerungselemente sind teils digital, teils analog. Und intuitiv auffindbar, wie die Taste für das Anwählen der Fahrmodi (Eco, Normal, Sport), zugriffsfreundlich auf der Mittelkonsole.

Umgestellt wurde mit dem Plattformwechsel (aufgebaut ist der Wagen auf der modernen GA-L-Plattform) auf Heckantrieb. Neu austariert ist die Gewichtsverteilung, sie beträgt jetzt 50: 50. Die kompakter als zuvor konstruierte Brennstoffzelleneinheit ist unter die Fronthaube gewandert. An Hochdrucktanks sind jetzt drei an Bord, T-förmig im Fahrzeugboden angeordnet. Sie fassen insgesamt 5,6 Kilogramm Wasserstoff (vorher: 4,8). Die Hochvoltbatterie – jetzt Lithium-Ionen, zuvor Nickel-Metallhydrid – mit 1,24 kWh Kapazität sitzt hinter den Fondsitzen.

Einerseits vertraut, andererseits neu

Das Elektroaggregat ist an der Hinterachse postiert. Auch das hat zugelegt, an Leistung: von 155 auf 182 PS. Wenig an Gewicht zugenommen hat der Brennstoffzeller: von ab 1.850 auf ab 1.900 Kilogramm. Von null auf 100 ist er damit in 9,2 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist mit 175 km/h begrenzt. Die Reichweite beziffert Toyota mit bis zu 650 Kilometern (plus 30 Prozent mehr). Der Durchschnittsverbrauch ist mit 0,79 bis 0,89 Kilogramm Wasserstoff pro 100 Kilometer angegeben. Dass der Tankvorgang nur ein paar Minuten dauert, wie bei fossilen Treibstoffen, ist ja bereits bekannt. Allerdings gibt es in Österreich erst ganze fünf Wasserstofftankstellen (OMV) – eine davon ist in Niederösterreich, in Wiener Neudorf.

In der Fahrpraxis fühlt sich der Mirai, wenn man den Vorgänger kennt, einerseits vertraut, andererseits neu an. Die Akustikkulisse ist, bei geschlossenen Seitenscheiben, so gut wie geräuschlos, kein Pfeifen, kein Singen, kein Gezwitscher ist zu hören. Das trägt zur Entspannung bei. Die Kraftentfaltung ist nicht brachial, das braucht man aber auch nicht, der Toyota nimmt ebenso beharrlich wie elastisch Fahrt auf.

Der lange Radstand im Verein mit der komfortablen, doch nicht weichen oder gar schaukeligen Fahrwerksabstimmung verleitet zum akzelerierten Gleiten auf der Autobahn und der Landstraße. In schnellen Wechselkurven macht sich das Gewicht spürbar, dafür poltert es selbst auf arg löchrigem Asphalt nicht. Auf feuchtem Untergrund sorgt die Regelelektronik streng dafür, dass er nicht mit den Hinterhufen ausschlägt.

Im Rückblick wirkt der Mirai erster Generation im Vergleich zum neuen Modell fast wie ein Vorserienprototyp. Das Wohngefühl reicht jetzt, nicht nur im gefahrenen Topmodell, an das der Toyota-Edelmarke Lexus heran.