Sichtbarmachen auf Straßen ist wichtig

6.872 Unfälle ereigneten sich 2020 bei Dämmerung und Dunkelheit auf Österreichs Straßen. Funktionierende Auto-Beleuchtung und Ausrüstungen wie Warnwesten und Reflektoren sind von Oktober bis Februar besonders wichtig.

Redaktion NÖN.at Erstellt am 30. September 2021 | 10:14
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Foto: ÖAMTC/Hörmandinger

Mit Herbstbeginn wurde die kalte Jahreshälfte eingeläutet. Die täglichen Wege zur Arbeit, Schule und Co. verlagern sich damit häufig in die Dämmerung und Dunkelheit. Im vergangenen Jahr geschahen österreichweit 6.872 Unfälle mit Personenschaden in dunklen Stunden, dabei kamen 99 Menschen ums Leben.

Die beiden häufigsten Unfallursachen von "Dunkelheitsunfällen" 2020 waren, wie bei Tageslicht auch, Vorrangverletzung und Unachtsamkeit. Besonders kritisch ist es von Oktober bis Februar – in diesen Monaten ereignen sich nicht nur die meisten Unfälle bei Dämmerung und Dunkelheit, auch der Anteil an Unfällen mit Fußgängern ist deutlich höher als in den restlichen Monaten des Jahres – mit oftmals drastischen Folgen: Knapp die Hälfte aller getöteten Fußgängern (rund 45 Prozent) verunglückte 2020 bei Dämmerung bzw. Dunkelheit (Quelle: Statistik Austria, Bearbeitung ÖAMTC-Unfallforschung).

"Besonders in der dunkleren Jahreszeit ist daher Sichtbarmachen und gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsbeteiligten wichtig", sagt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger.

Im Berufsverkehr ist bei schlechten Sichtbedingungen mit erhöhter Unfallgefahr zu rechnen. "Bei Dämmerung und Dunkelheit wird das Lenken eines Fahrzeugs zur Herausforderung, die hohe Aufmerksamkeitsleistung abverlangt. Zusätzlich können Regen oder Nebel für Sichtbeeinträchtigungen sorgen", erklärt die Expertin des Mobilitätsclubs.

"Optische Reize wie Lichter, Signalfarben an Verkehrszeichen, Bodenmarkierungen oder auch andere Verkehrsbeteiligte werden dann schlechter und später wahrgenommen – die Folge ist eine verspätete Reaktion." Bei fordernden Sichtverhältnissen sollten Lenkende besonders defensiv und vorsichtig fahren, indem sie mehr Abstand einhalten und die Geschwindigkeit den Gegebenheiten anpassen. Vor allem jene, die zu Fuß, mit dem Rad oder Tretroller unterwegs sind, sollten sich zur Eigensicherheit gut sichtbar ausstatten und umsichtig unterwegs sein – sie dürfen nie davon ausgehen, dass sie automatisch gesehen werden.

Tipps für sichere Mobilität bei schlechten Sichtverhältnissen

Sichtbarmachen: "Alle, die zu Fuß, mit dem Roller oder Rad unterwegs sind, sollten sich mit Reflektoren ausstatten – damit sind sie um bis zu 5-mal früher sichtbar. Am wirkungsvollsten sind reflektierende Materialien hüftabwärts auf Beinen oder Schuhen", rät ÖAMTC-Expertin Seidenberger. Außerdem sollten fahrbahngetrennte Bereiche und beleuchtete Fahrbahnquerungen, bestenfalls mit Ampel bzw. Zebrastreifen, bevorzugt werden – dafür sind kleine Sicherheitsumwege lohnenswert. Auch Hunde sollten zur besseren Erkennung mit reflektierenden Leinen oder Halsbändern ausgestattet werden.

"Lampenkontrolle" am Fahrzeug: Ob Auto, Bus, Lkw oder Fahrrad – eine regelmäßige Kontrolle der Beleuchtung ist unbedingt ratsam. Defekte Leuchten sollten sofort getauscht werden. Wichtig: Auf die Lichteinstellung achten und das Abblendlicht einschalten – besonders bei Kurzzeitmiet- oder Leihautos kann das Tagfahrlicht vorprogrammiert sein – unbemerkt fährt man dann eventuell ohne Rückbeleuchtung.

Notausrüstung: Vor der Fahrt ist sicherzustellen, dass Warnwesten und Pannendreieck mit an Bord sind. Im Pannenfall sollte das Auto niemals ohne Weste verlassen und alle Lichter samt Warnblinkanlage eingeschalten werden. Zudem sollte man das Fahrzeug so weit wie möglich abseits der Fahrbahn abstellen.

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ÖAMTC/Hörmandinger

Kürzere Etappen: "Vor allem bei längeren Fahrten muss man bei schlechten Sichtverhältnissen Pausen einlegen, denn die Erschöpfung setzt aufgrund höherer Aufmerksamkeitsleistung viel früher ein", erklärt die Verkehrspsychologin.

Funktionierende Beleuchtung: "Ampeln und Straßenbeleuchtungen, aber auch Verkehrszeichen und Bodenmarkierungen, sollten gut erkennbar und sauber, gewartet und intakt sein", appelliert Seidenberger an die Gemeinden.

Der Mobilitätsclub hat Hilfsmittel zur Erhöhung der Sichtbarkeit, wie ein Kindersicherheitsset mit reflektierenden Stickern und Klackbändern, an allen Stützpunkten parat, Infos unter www.oeamtc.at/standorte. Zudem haben Club-Mitglieder die Möglichkeit, die Lichteinstellungen ihres Fahrzeuges von den ÖAMTC-Techniker:innen testen und die Lampen im Bedarfsfall austauschen zu lassen – Infos: www.oeamtc.at/lichtcheck.