Mit Bedacht stark gemacht. Die Wolfsburger bauen die VW ID.4-Baureihe um eine GTX-Version aus. Zwei Elektromotoren produzieren 299 PS – plus Allradantrieb. Die erste Ausfahrt.

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 24. Juli 2021 (05:12)
ID.4 GTX
ID.4 GTX: Je ein Elektromotor pro Achse sorgt für einen überaus saftigen Schub. 299 PS erledigen den 0-auf-100-Sprint in 6,2 Sekunden. Als stärkster Stromer der Baureihe darf er bis zu 180 km/h schnell sein. 
Beatrix Keckeis-Hiller

Dem Verbrennungsmotor hat die VW-Gruppe für die gar nicht so ferne Zukunft eine Absage erteilt. Bis 2040 sollen „nahezu 100 Prozent der neuen Konzernfahrzeuge in den Hauptmärkten emissionsfrei sein“. So wurde es kürzlich im Rahmen der „Neuen Auto-Strategie bis 2030“ verlautbart.

Dem Antriebsleistungsgedanken erteilen die Wolfsburger jedoch keine Absage. Siehe die aktuelle Erweiterung der Kompakt-SUV-Baureihe ID.4 um den GTX – als neues Topmodell. Gleichzeitig wird damit die Transformation des Markenzeichens für die sportlichen Typen der Marke VW eingeleitet: von GTI zu GTX. Wobei das X weniger für Crossover steht als für dynamische Leistungsentfaltung. Im konkreten Fall forciert durch zwei angetriebene Achsen, also mit Allradantrieb. Zum Stromaggregat am Heck, einer permanenterregten Synchronmaschine (PSM), kommt an der Front ein Asynchronmotor (ASM) dazu.

Gemeinsam produzieren die beiden Antriebe 299 PS Spitzenleistung, plus 310 Newtonmeter Maximaldrehmoment. Voraussetzung ist der stärkste für diese Baureihe verfügbare Akku, eine Lithium-Ionen-Batterie mit 77 kWh Kapazität. Damit hat der Top-ID.4 die Lizenz für den 0-auf-100-Sprint in 6,2 Sekunden. Gefühlt wirkt das noch flotter, trotz fast 2,3 Tonnen Startgewicht (konkret: ab 2.274 Kilogramm).

Das Einreihen auf die Autobahn via Beschleunigungsstreifen schüttelt der Elektro-Wolfsburger lässig aus dem Ärmel. Reizt man das nicht allzu intensiv aus, kann er mit einer Batteriefüllung 340 bis 380 Kilometer schaffen. So steht es zumindest als „praxisnahe elektrische Reichweite“ in den technischen Daten. Laut WLTP-Prüfzyklus sollten es rechnerisch 461 bis 478 Kilometer sein. Unter Idealbedingungen.

„Im ID.4 GTX trifft Vernunft auf Fahrspaß – er ist sportlich, bleibt dabei sowohl komfortabel als auch nachhaltig!“ Karin Angerer, Pressesprecherin VW Österreich

Die herrschten nicht ganz, beim Fahrdebüt mit einem extra aus Wolfsburg angelieferten GTX. Der Idee, im Sinne der Stromsparsamkeit die Klimaanlage auszuschalten, standen Temperaturen um die 36 Grad entgegen. Die notwendige Kühlung reduzierte den Ladestand – 76 Prozent – und die vom Bordcomputer ausgewiesene Reichweite – 280 Kilometer – auf dem Weg zum nächsten Schnelllader jedoch kaum. Vor allem im Stadtverkehr sind Rekuperationsbereitschaft und -vermögen bemerkenswert. Und nach 40 Minuten Aufenthalt an der 50-kW-Ladesäule lautete das Reichweitenversprechen 398 Kilometer bei 100-prozentiger Batteriefüllung.

Nach insgesamt 274 Kilometern Fahrt von Wien ins Südburgenland und wieder zurück – über Autobahnen, Schnellstraßen sowie Landstraßen aller Kategorien – verblieben 83 Kilometer Restreichweite. Bei sozusagen normaler Fahrweise à la Verbrennungsmotor. Zwar wohl unter Durchspielen aller zur Verfügung stehenden Fahrmodi, doch mit gar keinem Augenmerk auf besonders stromsparsame Fortbewegung. Als Durchschnittskonsum zeigte der Bordcomputer 20,8 kWh pro 100 Kilometer an (im Datenblatt ist ein kombinierter Verbrauch von 18,4 bis 19,1 kWh angegeben).

Wie angekündigt soll das Kürzel GTX in Zukunft die Buchstabenkombination GTI ablösen – die neue Art von Sportlichkeit ist elektrisch generiert. Was dabei im Verein mit der aktuell zur Verfügung stehenden Technik doch subjektiv spürbar auf der Strecke bleibt, ist tänzerische Leichtfüßigkeit. Dass der GTX mächtig losstürmen kann, steht außer Frage. Weite Kurvenradien inhaliert er souverän und linientreu. Die Fahrwerksabstimmung bleibt auch im Sportmodus hoch komfortabel. Im engen Winkelwerk allerdings geraten die Reifen bei forscher Gangart recht schnell an ihre Haftgrenzen, selbst wenn die elektronischen Stabilitätswächter stets prompt und geradezu streng eingreifen, denn VW hat den ID.4 mit Bedacht stark gemacht … Das gefällt uns!