Erstellt am 27. November 2018, 00:00

von Beatrix Keckeis-Hiller

Audi A1: Kantiger & maskuliner. In der zweiten Generation gibt es den Audi A1 nur noch als fünftürigen Sportback – und der Diesel ist Schnee von gestern!

Audi spricht mit dem neuen A1 eine vorwiegend junge, progressive und urbane Zielgruppe (Markeneinsteiger) mit hoher Technik- und Designaffinität an.  |  Audi

Genauso sportlich wie die Gro-ßen sollen bei Audi auch die Kleine(re)n sein. Das ist im Kompaktsegment – siehe A3 – bereits abgehakt. Jetzt war der Kleinste der Ingolstädter dran. Nach fast achtjähriger Dienstzeit startet der A1 in seine zweite Generation.

„Der neue A1 ist ein idealer Begleiter im urbanen Umfeld, aber ebenso auf längeren Strecken …“ Gudrun Glück, Pressesprecherin Audi Österreich 

2010 hatte die Vier-Ringe-Marke mit ihm Neuland, das der Klein-wagen, betreten und sich dieses drei- oder fünftürig erschlossen, mit markenüblicher Betonung von Sportlichkeit. Aber offenbar, nach Ansicht der Ingolstädter, nicht deutlich genug: Der kleine Audianer hat vor allem die Herzen der weiblichen Klientel erobert (Anteil mehr als 50 Prozent). Ob das jetzt wirklich etwas über (Un-)Sportlichkeit aussagt, sei dahingestellt.

Wie beim Sport quattro

Jedenfalls fährt der Benjamin jetzt mit schärferem und kantigerem Designschliff in seine neue Modellphase. Audi nennt den Optikanspruch „maskulin“, kehrt
von femininer Herzigkeit (Rundlichkeit) ab. Das wird unterstrichen durch scharf geschnittene LED-Lichtsignaturen an Front- und Heckleuchten, prominenterem Kühlergrill, vergrößerte Lufteinlässe, verkürzte Überhänge vorne wie hinten und betonte Breitspurigkeit. Der Tupfen auf dem i sind drei horizontale Lüftungsschlitze direkt unter der Motorhaube. Das soll – siehe Sportlichkeit – an den guten alten Sport quattro von 1984 erinnern.

Basis für den neuen A1 ist die Konzernplattform MQB (Modularer Querbaukasten) der Kategorie A0. Das macht den Einser, der in Martorell (bei Barcelona) gebaut wird, und das nur noch als fünftüriger Sportback (das dreitürige Coupé ist passé, weil weniger praktisch), zum engen Verwandten der aktuellen Versionen des Seat Ibiza und des VW Polo.

Länger und niedriger

Mit dem zweiten Karriereschritt ging Wachstum einher – in der Länge um 56 Millimeter, in der Breite um 34 Millimeter, im Radstand um 94 Millimeter. In der Höhe hat man ihn um 13 Millimeter gedrückt. Das ergibt die aktuellen Maße 4.030 x 1.740 x 1.410 Millimeter in Länge x Breite x Höhe und 2.600 Millimeter im Radstand. Erhöht hat sich dabei das Volumen des Laderaums: Es beträgt mit nunmehr ab 335 Litern 65 mehr als bisher. Maximal kann man 1.090 Liter Gepäck hinter die Heckklappe schlichten – zwei Flugzeugkabinen-Trolleys plus Laptops und Handtaschen gehen sich aus.

Weniger vordergründig ein Thema, ob weiblich oder männlich, war bereits bisher das Interieur. Im Neuen ist es noch fahrerorientierter, mit dem Piloten – oder der Pilotin – zugeneigten Infoeinheiten. Das betrifft sowohl das digitale Kombiinstrument hinter dem Volant als auch den Infotainment- und Navigations-Touchscreen. Letzterer kann je nach Ausbaustufe des MMI-Systems bis zu 10,1 Zoll groß sein. Das ist ein Erbstück aus dem Flaggschiff A8, ebenso wie das optionale – allerdings im
A1 größenreduzierte (auf 10,1 Zoll) – virtuelle Cockpit. Die Bedienung ist aber nicht komplett digitalisiert, es verbleiben einige Regler und Tasten für die Steuerung der Klimaautomatik (gegen Aufpreis) oder das Anwählen des Fahrmodus (wenn das optionale drive-select-System an Bord ist).

Immer mit Partikelfilter

Dem sportlichen Vorankommen liegen nunmehr ausschließlich Turbobenziner mit Partikelfilter und Euro-6d-Temp-Kompatibilität zugrunde. Der aus anderen VW-Konzernprodukten bereits gut bekannte 1,0-Liter-Dreizylinder leistet 95 oder 116 PS (25 TFSI bzw. 30 TFSI). Erstere Leistungsabstufung wird als Einstiegsmotorisierung nachgereicht. Der stärkere 1,0-Liter liefert seine Power kernig klingend, aber sich akustisch nicht in den Vordergrund drängend ab – am besten in Kombination mit manueller Schaltung.

Die Vierzylinder sind zum einen der ebenfalls bewährte 1,5-Liter (35 TFSI) mit 150 PS mit Zylinderabschaltung und mehr als solider Vortriebsbereitschaft. Der 2,0-Liter (40 TFSI) mit seinen 200 PS wirkt im Antritt etwas gedämpft, mag sein, dass die aktuellen strengen Emissionsvorschriften auf das Temperament drücken. An Getrieben stellt Audi für den 1,0-Liter eine manuelle Fünf- respektive Sechs-Gang-Schaltung zur Auswahl, für den 1,5-Liter sechs händische Fahrstufen, der 2,0-Liter ist mit sechsstufiger Direktschaltung kombiniert. Für alle anderen Motoren kann man ein siebenstufiges DSG ordern.

Straff, aber nicht unangenehm

Um bei der viel zitierten Sportlichkeit zu bleiben: Das Fahrwerk ist straff, doch nicht hart ausgelegt, es ist zudem weder stoßig noch poltrig. Dazu kommt eine recht direkte Lenkungsabstimmung. Was auf den ersten Testkilometern aufgefallen ist: die superbe Geräuschdämmung. Allerdings dämpft recht hoher Anteil an Hartplastik im Cockpit den an-
gepeilten Premium-Eindruck ein wenig …