Baden: „Bei Kontrollen durfte kein Fehler passieren“

Erstellt am 03. März 2022 | 05:58
Lesezeit: 3 Min
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Die Fleischerei von Alois Heger in der Vöslauer Straße 38.
Foto: Foto Hans Heger
Die Jahre nach dem 2. Weltkrieg, 1945-55, diente Baden als Hauptquartier der Russen. Heinz Heger erinnert sich.
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In Baden war das russische Oberkommando situiert und in Bad Vöslau/Kottingbrunn der russische Militär- und Zivilflughafen stationiert.

Pensionierter Redakteur und Autor Peter Selb erinnert sich: „Wir Buben haben staunend geschaut, wenn russische Flieger über Vöslau Loopings gedreht haben.“ Die österreichische Delegation, unter Führung von Bundeskanzler Julius Raab, ist von Bad Vöslau nach Moskau zu den Staatsvertragshandlungen geflogen.

In Baden und Bad Vöslau waren zahlreiche Villen und andere Gebäude von den Russen besetzt, in der Martinek Kaserne russische Truppen untergebracht. Das Stadtbild von damals hat sich bei vielen „Badenern“ eingeprägt – elegante russische Offiziere mit ihren Ehefrauen, der Marsch durch die Vöslauer Hochstraße und die tiefen Spuren auf dem Asphalt, welche die Stahlketten der russischen Panzer in den warmen Jahreszeiten hinterließen, wenn sie aus der Kaserne fuhren.

Die russische Besatzungszone war im Vergleich zu jenen der drei Westalliierten im Rückstand. Es wurde weniger investiert und viele Güter westlicher Provenienz, die es in anderen Bundesländern schon gab, kannte man hier nicht. Coca Cola gab es erst seit 1953/54 und die Tankstellen gehörten durchwegs der OROP, der ÖMV unter russischer Verwaltung.

Eines der besetzten, beziehungsweise kontrollierten Gebäude in Baden war die Fleischerei der Familie Heger. Bis 1955 war der Betrieb in der Uetzgasse 23 in Baden ansässig und verfügte über eine Schlachtbrücke und die einzige Kühlanlage – eine damals sehr moderne Warchalowski Kühlung. Kühlschränke gab es zu dieser Zeit noch keine. Alois Heger (gestorben 1975), der Vater von Ex-Gemeinderat Heinz Heger, betrieb die Fleischerei und kooperierte mit den russischen Besatzungskräften.

Die Russen brauchten die Dienste der Familie Heger, da sie das Fleisch von Ihnen bezogen und die Kühlung benutzten. Alois Heger verfügte auch über ein wenig russische Sprachkenntnisse. Die strengen Kontrollen waren immer mit Angst verbunden. „Im Nikolai-Toni-Haus wurden Menschen gefoltert und nach Sibirien geschickt. Bei den Kontrollen durfte kein Fehler passieren“, erinnert sich Heinz Heger, der damals noch ein kleiner Junge war.

Als 1955 die Russen abzogen, übersiedelte die Fleischerei in die Vöslauer Straße 38 in Baden und pachtete dort ein Geschäftslokal zum damaligen Brotindex – der Preis wurde am Kilogramm Brot bemessen. Der Betrieb nahm außer Fleisch auch Lebensmittel in sein Sortiment auf und wurde zum ersten ADEG Supermarkt.

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