Thermalstrandbad Baden: Ein Visionäres Stadt-Projekt

Erstellt am 14. Juli 2022 | 04:20
Lesezeit: 3 Min
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Foto von Anton Schiestl, der ab 1926 ein eigenes Fotoatelier im Strandbad hatte.
Foto: Archiv Tridok-Holzinger
Das denkmalgeschützte Thermalstrandbad in Baden ist mit einer Gesamtfläche von ca. 25.000 m² eines der größten Erlebnisbäder Österreichs, errichtet 1926.
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Großer Rummel herrschte bei der Eröffnung des Badener Strandbads im Juli 1926.
Foto: Rollettmuseum

Am 24. Juli 1926 wurde das Thermalstrandbad Baden von Vizekanzler Leopold Waber (1875–1945) in einem Festakt eröffnet. Die Errichtung 1926 war eines der visionärsten Projekte der Stadt Baden. Die Anlage und Dimension machen es bis heute zu einem der schönsten Freibäder.

Zur Finanzierung des Ankaufs der Liegenschaft beschloss 1925 der Gemeinderat, bei der Sparkasse Baden ein Kontokorrent-Darlehen im Höchstbetrage von 2.500.000 Schilling aufzunehmen. Des Weiteren ermächtigte der NÖ Landtag die Stadtgemeinde Baden, eine in zehn Jahren zurückzuzahlende Anleihe im Nominalbetrage von drei Millionen Schweizer Franken (…) aufzunehmen. Erst 1960 wurde von der Stadt die letzte ausstehende Forderung beglichen.

Zwischen Anfang April und Mitte Juli 1926 in nur 80 Arbeitstagen nach Plänen des Baumeisters Alois Bohn (1878–1937), dem Sieger im beschränkten Ideenwettbewerb, erbaut, war das Hauptgebäude mit einer Gesamtlänge von 160,8 Metern das zweitgrößte Gebäude Badens, übertroffen nur von der in nächster Nähe gelegenen Weilburg, deren Fassade 192 Längenmeter maß.

Das Projekt fand wegen seines Umfangs sowie der knapp kalkulierten Ausführungszeit Interesse auch auf offizieller politischer Ebene. Unter anderem besuchte der Bundesminister für Handel und Verkehr, Hans Schürff (1875–1939), am 10. Juli die Baustelle. Bei diesem Termin erlitt der Bürgermeister von Baden, Alois Brusatti (1850–1932), empfindliche Verletzungen am Kopf, als er von einer Traverse in einen Graben stürzte.

Im Hinblick auf die zu Besucherzahlen wurde in einem an die Straße grenzenden Bauteil ein Sommer-Post- und Telegraphenamt mit Fernsprechbetrieb eingerichtet, welches zusätzlich Feiertags- und Sonntagsdienste offerierte und auch vom Bad zugängig war.

Vom Eröffnungstag an bis fast zu Ende der Badesaison 1931 war das Thermalstrandbad öffentlich mit der vom Südbahnhof Baden nach Rauhenstein (Helenental) führenden Straßenbahn zu erreichen, später ersetzt durch Autobusse.

Das Strandbad war nicht nur Anregung und Vorbild für ähnliche Einrichtungen in Kommunen des In- wie Auslandes, sondern auch ein von Prominenz gesuchter Ort. „Als Badenerin und regelmäßige Nutzerin empfinde ich es nach wie vor bei jedem Besuch als Luxus, so ein Bad in der Stadt zu haben. Am Schönsten finde ich es allerdings bei Schlechtwetter und außerhalb der Hauptsaison, wenn es mir gelingt, das große Becken zum Schwimmen für mich alleine zu haben“, schildert Ulrike Scholda, die Leiterin der Abteilung Museen auf der Stadtgemeinde Baden.

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