Blaschke-Kokoskuppel: Süße Versuchung aus Traiskirchen

Erstellt am 27. Februar 2022 | 04:20
Lesezeit: 3 Min
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So haben sie ausgesehen, die Maschinen zur Erzeugung der Blaschke-Kokoskuppeln am Standort Tribuswinkel.
Foto: Stadtmuseum Traiskirchen
Die Blaschke-Kokoskuppel erfand Johann Blaschke vor 100 Jahren in Traiskirchen.
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Im Jahre 1921 betritt eine Dame das Süßwarengeschäft von Johann Blaschke in Traiskirchen. Sie will nicht nur die berühmten Kokoskuppeln des aus Schildberg in Mähren stammenden Lebzelters, Wachsziehers und Konditors verkosten, ihr Wunsch lautet, die Kokoskuppeln mögen in Schokolade getaucht werden.

Also probierte Johann Blaschke das Tunken, doch der Boden der Busserl ist nicht glatt, die Tunkmasse haftet nicht. Der Konditor löst das Problem, indem er eine Oblate auf die Unterseite der Kuppel anbringt. Er experimentiert weiter, füllt eine feine Creme bei einem besonders groß gebackenen Kokosbusserl zwischen Busserl und dessen Oblatenboden. Das Ganze wird zur Hälfte in Schokolade getunkt – die Blaschke-Kokoskuppel ist erfunden. Johann Blaschke lässt sich als gewiefter Geschäftsmann den Namen Kokoskuppel gesetzlich schützen.

Doch dann beginnt der Zweite Weltkrieg. Die Söhne Ernst und Johann müssen einrücken, 1944 stirb Johann sen..

Am 2. April 1945 brennt die Hauptproduktionsstätte infolge von Kampfhandlungen ab. Noch 1945 beginnen Ernst und Johann den Wiederaufbau in der Tribuswinkler Straße. 1958/59 wurde eine 1.000 Quadratmeter große Produktionshalle gebaut, 1963 scheidet Hans Blaschke aus dem Unternehmen aus. Schritt für Schritt betreibt Bruder Ernst die Vergrößerung des Produktionsstandortes. 1981 erzeugen 120 Beschäftigte pro Tag im Schnitt 65.000 Stück der süßen Kuppel. Exportiert wird der Verkaufsschlager auch in die Schweiz und nach Saudi Arabien. Für die ORF-Sendung „Made in Austria“, moderiert von Günter Tolar, wurde am 4. März 1983 die größte Kokoskuppel gebacken, die es je gab. Das Unternehmen ist am Zenit seines Erfolges angelangt. In den 1990er Jahren zwingen wachsender Konkurrenzdruck aus dem EU-Raum und schrumpfende Gewinnspannen Firmenchef Michael Blaschke zu rigorosen Rationalisierungsmaßnahmen.

Ein Vertriebspartner wird gesucht. 1997 verkauft Michael Blaschke sein Unternehmen schweren Herzens an die Schweizer Ost Commerz Holding AG. 1998 übernehmen Auer Tortenecken die Konditorei und sichern noch die Produktion in Tribuswinkel.

Zu Beginn des Jahres 1999 wird eine Werksschließung immer wahrscheinlicher. Im Mai kauft der niederländische Konzern „Continental Bakeries“ Auer-Blaschke. Das Werk in Tribuswinkel wird endgültig geschlossen, die Auer-Waffeln und die Kokoskuppeln werden im niederösterreichischen Spillern erzeugt.

Am 1. Mai 2013 verkaufen die Niederländer Auer-Blaschke an den oberösterreichischen Nahrungsmittelhersteller Spitz in Attnang-Puchheim. Das Werk in Spillern wird trotz anderslautender Versprechen 2018 geschlossen, die Produktion übersiedelt nach 97 Jahren von Niederösterreich nach Oberösterreich. Was bleibt, sind Name und Geschmack – dank des Innovationsgeistes von Johann Blaschke sen..

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