Wirbel um Impf-Absage in Baden. Impf-Kandidaten wegen kurzfristiger Erkrankung nicht rechtzeitig informiert. Notruf NÖ spricht von Kommunikationsproblem, Ärztin kritisiert wiederum Projektplanung.

Von Andreas Fussi. Erstellt am 25. März 2021 (05:34)
Nach kurzer Aufregung bekamen die meisten Impfwilligen nach der Absage ihres Termins relativ zeitnah neue Impftermine.
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Aufregung gab es in Baden um kurzfristig abgesagte Impftermine bei Allgemeinmedizinerin Lucia Brendinger vorigen Dienstag. Etliche Menschen, die bei ihrer Ordination zur Impfung eingeteilt waren, standen vor verschlossenen Toren. Wegen Krankheit der Ärztin fanden keine Impfungen statt.

Lucia Brendinger, Allgemeinmedizinerin und Eisenmangel-Expertin, fühlt sich ungerecht behandelt.
b2g/Jacqueline Godany, b2g/Jacqueline Godany

Kurz war nicht klar, was zu tun sei und wie man einem neuen Termin erhält. Einige befürchteten, die Anmeldung noch einmal neu beginnen zu müssen und erst viel später geimpft zu werden. Seitens Notruf NÖ bestätigt Stefan Spielbichler, dass es zu verärgerten Reaktionen gekommen sei. „Das Problem entstand durch eine Erkrankung von Dr. Brendinger zum Impftag und einem nachfolgenden Kommunikationsproblem mit der Ärztin über die Verständigung der Impfwilligen“, erklärt er. Ausgemacht sei grundsätzlich mit den Ärzten, dass sie bei Verhinderung rechtzeitig für Ersatz zu sorgen haben.

Neuer Impftermin vereinbart

Letztlich wurde aber für die meisten Impfkandidaten bereits ein neuer Zeitpunkt vereinbart. „Die Terminbestätigungen behalten ihre Gültigkeit, die Personen wurde informiert, dass die Impfung die Impfstelle Baden übernimmt“, erklärt Spielbichler. Diese nimmt am 25. März in der Sporthalle den Betrieb auf.

Die Ärztin will jedoch den schwarzen Peter nicht zugeteilt bekommen: „Auf Grund der bei mir aufgetretenen Impfreaktion und daraus resultierenden Krankmeldung, war es mir nicht möglich die Impftermine, die in meiner Ordination durch Notruf NÖ eingeplant waren, durchzuführen“, merkt sie an. Sämtliche administrative Aufgaben wie An- und Abmeldung der Impfungen dürfe nur Notruf NÖ durchführen, sagt sie. „Leider haben wir als Ärzte hier keine Mitsprache und fungieren nur als Impfarzt“, bedauert Brendinger. Die Impfstoffe würden nur zugeteilt und geliefert werden.

Massive Probleme bei Impf-Umsetzung

„Bedauerlicherweise ist Notruf NÖ scheinbar der Aufgabe nicht gewachsen und es treten massive Probleme in der Umsetzung auf“, übt die Badener Ärztin Kritik. Die ihr zugeteilten Impfstoffe wurden am 15. März bereits von ihrer Ordination abgeholt, da sie nicht arbeiten konnte. Die von Notruf NÖ verbreitete Information stimme nicht, meint Brendinger und betont: „Meine Erkrankung war nicht absehbar und ich als Ärztin, die helfen wollte, um die Bevölkerung zu schützen, werde jetzt von Notruf NÖ rufschädigend behandelt.“ Ihrer Meinung nach sei die Projektplanung der Impfung „nicht ordnungsgemäß durchdacht“.

Bei Notruf NÖ bedauert Stefan Spielbichler die Eskalation: „Ja, die Erkrankung war natürlich kurzfristig, daher standen alle unter Zeitdruck. Es tut uns leid, dass so ein Missverständnis zu solchen Reaktionen führt. Jedoch mussten wir dann innerhalb kürzester Zeit nach Absage der Impftermine durch die Ärztin die Impfwilligen informieren, was mit ihren gebuchten Terminen und den dafür vorgesehenen Impfstoff passiert.“

Zum Thema Umsetzung führt Spielbichler die aktuellen Impfzahlen an, bei denen den niedergelassenen Ärzten eine wichtige Rolle zukomme. Demnach führe Niederösterreich mit 256.298 erfassten Impfungen die Liste bundesweit knapp vor Wien an, das auf 246.377 Impfungen kommt, gefolgt von Oberösterreich mit 205.296.