Eklat am Friedhof in Pottenstein

Bei Kranzniederlegung beschwerte sich Grünen-Chefin Eva Schütz lautstark und nachhaltig über Ablauf des Totengedenkens.

Erstellt am 10. November 2021 | 06:01

Eigentlich hätte die Kranzniederlegung zu Allerheiligen ein feierlicher Festakt werden sollen, wenn da nicht mit der Grünen Chefin Eva Schütz die Emotionen durchgegangen wären.

Stein des Anstoßes war, dass man die NS-Opfer nicht extra geehrt hatte und dies verkündete Schütz lautstark und mit dem Finger tadelnd. Sie beschwerte sich über den Ablauf des Festaktes und somit auch über Bruder Raphael, SPÖ-Bürgermeister Daniel Pongratz, den Gemeinderat und über die Feuerwehr, die die Kranzniederlegung vornahm.

Feuerwehrjugend wusste nicht, wie ihr geschah

Zutiefst betroffen zeigten sich auf den Gefühlsausbruch viele Friedhofsbesucher und vor allem auch die teilnehmende Feuerwehrjugend, die sich laut Schütz sogar schämen sollten und gar nicht wusste, wie ihr geschah. FF-Kommandant Thomas Schonaklener steht hinter seinen Kameraden: „Wir sind am Vortag noch erschöpft von den Löscharbeiten im Rax Gebiet nach Hause gekommen und fanden uns trotzdem pünktlich zur Kranzniederlegung ein. Das Verhalten von Frau Dr. Schütz war fehl am Platz und keinesfalls angebracht. Sie hat mich kontaktiert und versprochen, dass sie sich bei meiner Mannschaft entschuldigen wird“.

Bürgermeister Pongratz postete betroffen den Vorfall samt Video auf Facebook und zeigt sich betroffen: „Das Andenken an alle Opfer dieser schrecklichen Zeit unserer Geschichte, egal ob Soldaten der Weltkriege, Opfer des Naziregimes, oder Menschen die sich in der Widerstandsbewegung tapfer dem Regime entgegenstellt haben, ist enorm wichtig. Die Gemeinderäte unter meiner Führung nehmen diese Verantwortung jedes Jahr wahr und legen vor allen Gedenksteinen Kränze nieder.“

Es gebe laut Pongratz seit 1988 einen Gedenkstein, der an den ermordeten Pottensteiner Widerstandskämpfer Felix Imre erinnere und 2018 wurde unter seiner Führung ein neuer Gedenkstein in Erinnerung an die Pottensteiner Naziopfer vor der Kirche aufgestellt. „Nachdem ich in meiner Allerheiligenansprache an ein Miteinander appelliert habe und auf die Auswirkungen von Sprache, nicht nur im Krieg, sondern gerade auch in unserem politischen Alltag, und dem mangelnden Respekt der Menschen untereinander hingewiesen habe, ist diese Entgleisung unmittelbar danach sehr unangebracht gewesen“, empfindet der Ortschef.

„Ich weise diese Anschuldigungen im Namen aller entschieden zurück und fordere Frau Gemeinderätin Schütz auf, sich öffentlich für diesen Eklat zu entschuldigen und die Konsequenzen aus ihrem Handeln zu ziehen.“  Bürgermeister Daniel Pongratz

„Niemand unter den Anwesenden, egal ob Gemeindeführung, Pfarrer, Feuerwehr oder die Bevölkerung hat es verdient, auf so entsetzliche Weise angegriffen zu werden und dass ihnen Respektlosigkeit vor den Opfern des Nationalsozialismus vorgeworfen wird. Ich weise diese Anschuldigungen im Namen aller entschieden zurück und fordere Frau Gemeinderätin Schütz auf, sich öffentlich für diesen Eklat zu entschuldigen und die Konsequenzen aus ihrem Handeln zu ziehen.“

Man könne schon mal aufgebracht sein, meint Pongratz, aber man sollte, „gerade als Gemeindevertreterin wissen, wie man sich öffentlich benimmt!“

Bruder Raphael zelebrierte den Festakt und fand auf Facebook verbindende Worte, wollte sich aber der NÖN gegenüber nicht äußern.

Eva Schütz entschuldigt sich bei Feuerwehr

Schütz zeigte sich drei Tage danach doch bedauernd: „Ich entschuldige mich ehrlich bei der Freiwilligen Feuerwehr, die meinen Zorn unverschuldet mit abbekommen hat, besonders die Jugend kann natürlich gar nichts dafür“, erklärt sie.

Laut Schütz gebe es auf dem Kirchenplatz ein Kriegerdenkmal und seit 2018 ein Mahnmal für zivile Pottensteiner Opfer des NS-Regimes. Die Gedenktafel nenne die jüdischen Ehepaare Fritz mit Olga Lederer und Heinrich mit Valerie Steiner. Und den Christlichsozialen Franz Kohl, der für die Beteiligung an Flugschriften gegen die NS-Diktatur unter dem Fallbeil starb.

„Die Gedenkfeier ist leider so ausgerichtet, dass die Anwesenden dem Opfermahnmal den Rücken zuwenden. Vor zwei Jahren habe ich im Gemeinderat vergeblich eine Verbesserung gefordert.“
Eva Schütz, Grünen-Chefin

„Die Gedenkfeier ist leider so ausgerichtet, dass die Anwesenden dem Opfermahnmal den Rücken zuwenden. Vor zwei Jahren habe ich im Gemeinderat vergeblich eine Verbesserung gefordert. Bürgermeister Pongratz als Regisseur der Gedenkfeier sagt mir seit damals immerhin eine kurze Referenz am Mahnmal zu. Eine Gedenkminute wäre schon gut, und vielleicht ein kleiner Trauerakkord der Musik. Leider wurde darauf vergessen“, meint sie in ihrem Statement.