„Most wanted“ in Baden festgenommen. Meist gesuchter Verbrecher der Slowakei in Baden festgenommen. Dieser will jetzt plötzlich Österreicher sein.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 08. Juli 2020 (05:52)
Für einen 63-jährigen Slowaken klickten die Handschellen vergangenen Donnerstag mitten in Baden, nachdem Ziehlfahnder des Bundeskriminalamts dessen Spur aufgenommen hatten.
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Seinen ersten den Behörden bekannten Auftragsmord gab der bis vergangenen Donnerstag per Europäischen Haftbefehl Gesuchte 1996 an einem Kontrahenten in Auftrag. Dieser wurde am 4. Juni 1996 durch ein Fenster seines Hauses kaltblütig erschossen.

Dann dürfte der Slowake seiner eigenen Frau überdrüssig geworden sein. Er beauftragte abermals einen Mietkiller, der seine Ehefrau aus dem Weg räumen sollte. Ein Kilogramm TNT detonierten auf einem Firmengelände, die Frau überlebte den Anschlag jedoch schwer verletzt, fünf weitere Menschen kamen ebenfalls zu Schaden.

Der Mann, ein mafiöser Schwerverbrecher mit einer langen kriminellen Karriere, profitierte davon, dass es die Behörden nicht schafften, viele der ihm zugeschriebenen Verbrechen auch zu beweisen.

Der mittlerweile 63-Jährige soll insgesamt fünf Morde in Auftrag gegeben haben. Auch der Anschlag auf den 2004 getöteten Mafiapaten Peter Congrady in Bratislava soll auf sein Konto gehen. Auch seinem eigenen Neffen trachtete er nach dem Leben. Bereits 1996 soll er an einem spektakulären Bankraub mit Millionen-Beute beteiligt gewesen sein. Seiner Festnahme hatte er sich immer wieder entzogen, indem er sich nach Venezuela und Belize absetzte.

Für Auftragsmord zu 23 Jahren Haft verurteilt

Für den 1996 in Auftrag gegebenen Mord an einem Kontrahenten wurde er 2018 rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von 23 Jahren verurteilt. Die Haftstrafe trat er aber nicht an, wieder tauchte er unter.

Sein Aufenthalt wurde abermals in Südamerika vermutet.

Die internationale Fahndung nach dem slowakischem Most Wanted wurde 2018 von den Zielfahndern FAST-Slowakei übernommen. Im März 2018 wurden ihre österreichischen Kollegen (Fast Austria) eingebunden.

Bundeskriminalamtssprecher Vincent Kriegs-Au berichtet auf NÖN-Nachfrage: Als wir im März gemeinsam den Fall mit den slowakischen Zielfahndern übernommen haben, da dachten wir noch, der Gesuchte sei in Südamerika. Dorthin, nach Venezuela, war er 2013 schon einmal geflüchtet und hatte sich so den Strafverfolgungsbehörden entzogen. Das stellte sich dann als falsch heraus.“

Vielmehr vermuteten die Zielfahnder den 63-jährigen Slowaken bald im Raum Baden und Wien. „In den vergangenen Wochen verdichteten sich die Indizien dafür, dass sich der Mann in Baden aufhält“, erzählt Kriegs-Au weiter.

Der Mann hatte private Beziehungen nach Baden, welche, das will der BK-Sprecher nicht näher präzisieren. Es sei jedoch ein glücklicher Zufall gewesen, dass der Gesuchte vergangenen Donnerstag auf offener Straße von den Zielfahndern entdeckt wurde. Eine Eskalation des Geschehens konnte so vermieden werden, der Mann ließ sich widerstandslos festnehmen.

Dann wurde der Slowake in das Landesgericht für Strafsachen in Wien überstellt. Von hier sollte er an die Slowakei ausgeliefert werden. Aber dann kam am Wochenende eine unerwartete Wendung. Der Slowake behauptet, auch im Besitz der österreichischen Staatsbürgerschaft zu sein, was eine inländische Gerichtsbarkeit und damit die Zuständigkeit der österreichischen Justiz begründen könnte. Diesen Angaben muss jetzt nachgegangen werden.