Studentin Lucia Herzog: Von Baden nach Tansania

Aktualisiert am 25. März 2022 | 13:54
Lesezeit: 4 Min
Die Badener Studentin Lucia Herzog startete in Tansania eine Spendenaktion.
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„Bei uns in Europa wird oft das Bild vermittelt, ganz Afrika wäre nichts als arm, Bildung gäbe es kaum et cetera, aber hier in Tansania wäre mir das nicht aufgefallen“, schildert Lucia Herzog ihren ersten Eindruck, als sie in Moshi, einer Stadt am Fuße des Kilimanjaro in Tansania, ankam.

Etwa eineinhalb Monate verbrachte die Badenerin, die an der FH Eisenstadt Soziale Arbeit studiert, bereits in dem afrikanischen Land, um ein Praktikum bei der NGO Elimu Mwangaza Tanzania zu absolvieren.

Geleitet wird das Projekt in Moshi von Updeno Ramadhani, einer 41-jährigen Tansanierin, welche langjährige Erfahrung im Bereich der Sozialen Arbeit aufweisen kann. Die Nichtregierungsorganisation ist jedoch auch in weiteren Gebieten Tansanias aktiv. „Wir arbeiten vor allem mit jungen Mädchen und Frauen, damit sie Macht, eine Stimme und Selbstbestimmung über ihren Körper und ihr Leben haben können. Ich tue das, weil ich der Überzeugung bin, dass jede Person das Recht darauf hat, glücklich zu sein. Physisch, emotional und mental“, sagt Ramadhani.

Miserable Versorgung mit Periodenprodukten

Einen festgelegten Tagesablauf gebe es für Lucia Herzog und ihre Chefin nicht, jeder Morgen stelle sie vor neue Aufgaben und Herausforderungen. Herzog erzählt dennoch: „Machmal sind wir nur im Büro, organisieren und planen alles Mögliche. An anderen Tagen fahren wir vier Stunden lang zu den Masai-Frauen (eine ostafrikanische Volksgruppe, Anm.), mit denen wir viel zusammenarbeiten. Einen normalen Tag gibt es eigentlich nicht.“

Als die Studentin der Sozialen Arbeit und Upendo Ramadhani eines Tages mit den von ihnen unterstützten Frauen über das Thema Periode und Monatshygiene sprachen, merkte die Badenerin, wie schlecht es in Tansania um entsprechende Produkte, also etwa Binden und Tampons, bestellt ist. Die meisten Frauen benutzen schlicht schmutzige Tücher oder Kleidung als Menstruationsartikel. Nur wenige Geschäfte bieten Alternativen an, und jene, die es tun, zu einem Preis, der für viele Frauen nicht erschwinglich ist.

Die Geburt einer Spendenaktion

Themen wie dieses würden in den hiesigen Familien jedoch nie angesprochen werden, wie Ramadhani meint, da ein stark patriarchalisches System vorherrsche, dem man sich nur schwer widersetzen könne. „In Schulen wird nicht über die Selbstbestimmung der Frauen unterrichtet, die Mütter lehren ihren Töchtern nichts darüber, weil gleich das Bild entsteht, man würde sich gegen die Männer richten. Gegen die Männer, auf die man nun mal angewiesen ist“, sagt die Sozialarbeiterin. Aus genau aus diesem Grund bestehe der Bedarf nach einer Organisation wie Elimu Mwangaza.

Auf der Rückfahrt von einem Dorf der Masai unterhielten sich Herzog und Ramadhani darüber, welche Periodenprodukte bei uns in Österreich angeboten werden. „Als Upendo davon hörte, dass es hierzulande auch Periodenunterwäsche gibt, die leicht und bequem zu benutzen ist, fragte sie mich, ob mein Freund, der mich besuchen kommt, nicht ein paar dieser mitnehmen könnte“, sagt die Praktikantin.

War anfangs von zehn Stück Menstruationsunterhosen die Rede, so dachte sich Herzog schon bald, das Projekt doch etwas größer aufziehen zu wollen. Also startete sie eine Online-Spendendaktion, mit dem Ziel, 200 Stück Unterwäsche zusammenzubekommen. Durch die Unterstützung der Firma für Monatshygieneartikel Selenacare, welche knapp 50 Prozent des Preises nachließ, konnten binnen kürzester Zeit ebendiese 200 Stück um 2.000 Euro gekauft werden. Weitere 3.900 Euro kommen direkt der NGO Elimu Mwangaza Tanzania zu. Die Aktion laufe jedoch weiter, da jeder Euro mehr dazu beitragen könne, einen Unterschied zu bewirken. Den Unterschied eines gerechteren Lebens für alle.

Spendenaktionhttps://www.gofundme.com/f/menstruationsprodukte-und-geldspenden-in-tansania?viewupdates=1&rcid=r01-164690718241-4cdf82e846334780&utm_medium=email&utm_source=customer&utm_campaign=p_email%2B1137-update-supporters-v5b 

Die NGO Elimu Mwangaza Tanzania: http://www.elimumwangaza.org/

Lucias Instagram-Profil mit Updates über ihr Praktikum: https://instagram.com/slowcheetaah?utm_medium=copy_link 

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