Christine Todt zeigt "verstrickte Kunst". Christine Todt zeigt unter dem Titel „Heart Attack“ textile Arbeiten, die alles andere als biedere Handarbeitskunst sind…

Von Sandra Sagmeister. Erstellt am 12. Oktober 2018 (15:43)
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Christine Todts Tochter mit ihren handgenähten Werken.
privat

Ein drastischer Titel für eine Ausstellung mit Kunstwerken aus textilen Stoffen: „Heart Attack“ wurde am Freitag im Haus der Kunst eröffnet.

„Den Titel Heart Attack wählte ich im Sinne von Herzschlag, Herzschmerz“, erklärt die Künstlerin Christine Todt, die in Baden lebt und arbeitet, seit 2012 die Galerie im Turm leitet und seit 2017 die Vereinigung „kunstaspekt“ als Obfrau führt.

Seit einigen Jahren setze sie sich mit der Darstellung von Herzen auseinander. „Anfänglich stand die reine Abbildung in Form gehäkelter Herzobjekte im Mittelpunkt.“ Die wichtigste Arbeit der kommenden Schau im Haus der Kunst ist für Todt die Installation „Herzschmerz“, „eine Hommage an meine Großmutter, die als ledige Mutter um die Jahrhundertwende sich von ihrem Kind trennen und in eine Pflegefamilie geben musste.“ Auf von der Großmutter genähten Unterhemden stickte sie Herzen und zeichnete darin Porträts ihrer Tochter – schon alleine bei der Erzählung der Geschichte bekomme man Herzschmerzen. „Auf den Fotos trägt meine Tochter die Hemden ihrer Urgroßmutter“, erklärt Todt, die mit ihren Arbeiten auch betroffen machen möchte. „Betroffenheit kann Angst hervorrufen vor Dingen, die man nicht wahrhaben möchte und welche ich ebenso in meinen Werken thematisiere.“

Sie strickt, näht, häkelt und malt mit der Nadel

Todt befasst sich nicht nur mit außergewöhnlichen Themen, sondern auch die Umsetzung ist nicht alltäglich. Sie strickt, näht und häkelt – sie malt mit der Nadel: „Die Verwendung von Nähnadel und Nähmaschine unterscheidet sich nicht im Wesentlichen vom Umgang mit Pinsel und Farbe. Am Anfang steht die Intention, dann folgt Umsetzung in meiner Ausdrucksform und textilen Technik.“ Die Verwendung textiler Materialien, wie alte Tischtücher, Brokats oder weißes Leinen, und handwerklicher Techniken sind für sie die optimale Ausdrucksform für meist frauenspezifische Themen. „Beabsichtigt ist der kritische Beiklang, der bei meinen genähten Botschaften mitgeliefert wird.“

Zu sehen sind textile Grafiken, Objekte, C-Prints und Installationen. In drei Werkgruppen ist die Schau geteilt: „Heart Attack“ zeigt ironische Nähgrafiken, „Blutherzen“ thematisiert die Situation afrikanischer Kinder und zuletzt gibt es „Day dreams und Nightmares“ zu sehen – eine großformatig genähte Grafikserie.

Am Sonntag, 21. Oktober (16 Uhr), gibt es ergänzend eine Führung durch die Ausstellung mit der Künstlerin.