Rainer wie Rembrandt. Im Arnulf-Rainer-Museum ist die 16. Ausstellung eröffnet worden. Rudi Fuchs hat sie kuratiert und stellt Rainers Grafiken in einen optischen Dialog mit Donald Judds Grafiken.

Von Sandra Sagmeister. Erstellt am 20. Juni 2018 (05:04)
NOEN, Pohl
Die 16. Ausstellung mit dem Titel „Kanten Winkel Linien Kurven“ wurde vorige Woche im Arnulf-Rainer-Museum eröffnet. Im Bild: Direktor Rüdiger Andorfer, Kulturstadtrat Hans Hornyik, Bgm. Stefan Szirucsek, Arnulf Rainer, Rudi Fuchs, Flaven Judd, Vizebürgermeisterin Helga Krismer und LAbg. Christoph Kainz.

„Da flattert um die Quelle. Die wechselnde Libelle, der Wasserpapillon, bald dunkel und bald hell, wie ein Chamäleon; bald rot und blau, bald blau und grün! O das sich in der Nähe, doch seine Farbe sähe.“

Mit diesem Goethe Gedicht lässt sich die Ausstellung „Kanten Winkel Linien Kurven“ poetisch beschreiben. Es geht um Farben, wie könnte es anders sein, in der Malerei. Aber doch ist das Andere an dieser 16. Ausstellung im Arnulf-Rainer-Museum, wie sich die beiden Künstler – Arnulf Rainer und Donald Judd (1994 in New York gestorben) – visuell begegnen.

Rainer‘s Strich? Schnell, energetisch und er steht trotzdem in Korrespondenz zum präzisen geraden Strich von Judd. Die lebhafte Kreativität eines Rainers trifft auf die stille Bildsprache eines Donald Judd – seine klar gezogenen Kanten, Winkel, Linien und Kurven stehen in einem expressiven Dialog zu Rainers schnellen, nicht geraden Linien.

Seit 2009 werden Rainers Werke in wechselnden Ausstellungen in einem Dialog mit Zeitgenossen und Weggefährten wie Georg Baselitz, Mario Merz, Damien Hirst und Markus Lüpertz gezeigt.

Der Museumsdirektor und Ausstellungsmacher Rudi Fuchs hat im Rahmen dieses Konzeptes zum vierten Mal im Rainer-Museum kuratiert. Mittlerweile ist diese Schau die 16. Schau in der Geschichte des Museums. Fuchs hat sich einmal mehr in Rainers Oeuvre vertieft, ist im druckgrafischen Reich Rainers gelandet und hat sie in einen bildhaften Dialog zu Donald Judds Grafiken gesetzt. Judd ist ein Jahr früher geboren wie Rainer, also 1928, sie waren und sind Zeitgenossen, sind aber in ihrem Schaffenshorizont nicht zu vergleichen, wenn doch, sie letztlich über die Farbe zueinanderfinden: „Vor allem die Intimität der Radierung und Holzschnitte bringt die künstlerischen Haltungen mit großer Klarheit zum Vorschein“, fasst Fuchs zusammen.

„Rembrandt, würde er heute leben, hätte gemalt wie Rainer“

Judd strebe nach einer präzisen Ausgewogenheit und suche stets die perfekte Balance zwischen Farbe, Linie, Fläche und Form. „Rainers Schaffen ist hingegen geprägt von einem energetisch bewegten Strich und fließenden Farben.“ Beide sind und waren Suchende, neue Wege zu finden, um ihr Innerstes nach Außen zu bringen. Auf diesem Wege setzen und setzten sie sich immer wieder mit dem Medium Druckgrafik auseinander. Fuchs vergleicht die Druckgrafiken der beiden Künstler, mit deren Handschrift, also etwas sehr individuelles und intimes. Fuchs vergleicht Rainer gar mit Rembrandt, nein er geht einen Schritt weiter, er sei der bessere Grafiker und „Rembrandt, würde er heute leben, hätte gemalt wie Rainer.“

Die Ausstellung ist mit vielen Leihgaben von Museen aus Amsterdam und Süddeutschland bestückt, aber auch mit Bildern von private Sammlern.

Läuft bis 7. Oktober.