Baden: Trauer um Ferry Radax. Der Wiener Avantgarde-Filmemacher Ferry Radax ist am Donnerstag im Alter von 89 Jahren in Baden verstorben. Das teilte das Hilde Wagener Künstlerheim, wo er die letzten beide Jahren verbracht hat, in einer Aussendung mit.

Von NÖN-Redaktion, APA. Erstellt am 12. September 2021 (19:08)

Radax galt neben Peter Kubelka und Kurt Kren zu den prägenden Figuren der heimischen Filmavantgarde. Sein Filmgedicht "Sonne halt!" (1959) und der Dokumentarfilm "Am Rand" (1961-1963) sind heute Klassiker des Experimentalfilms.

Ferry Radax wurde am 20. Juni 1932 in Wien geboren, besuchte das Gymnasium und trat als Externist den Wiener Sängerknaben bei. Neben seinem Studium an der Textilfachschule begann er sich für Fotografie und Kino zu interessieren und unternahm Ende der 1940er-Jahre erste Filmversuche. Drei Jahre lang arbeitete er als Assistent beim Dokumentarfilmer Wilhelm Eduard Nassau, wo er auch Peter Kubelka kennenlernte. 1953 wurden beide Studenten der Wiener Filmakademie. Radax arbeitete eine Zeit lang als Fotoreporter beim "Bild-Telegraf" und schrieb ein Drehbuch für den Spielfilm "Das Floß" (1954). Aus Geldmangel wurde das Projekt nicht fertiggestellt und blieb ein 70-Minuten-Torso.

Gemeinsam mit Kubelka, mit dem er auch an der "Centro Sperimentale di Cinematografia" in Rom studiert hatte, drehte Radax 1955 den Dokumentarfilm "Mosaik im Vertrauen" (dafür erhielten sie den ersten Experimentalfilm-Preis in Paris). Danach lebte Radax zwei Jahre lang als Dokumentarfilmer in der Schweiz. Sein nächstes Projekt gilt auch heute noch als Standardwerk des Experimentalfilms: "Sonne halt!", eine Collage mit Texten von Konrad Bayer (1959). Es folgte ein Dokumentarfilm über junge Menschen in Großstädten, "Am Rand" (1961-1963). Der Tod seines Freundes Konrad Bayer 1964 stellte eine Zäsur für Radax dar.

Einen Großteil der nächsten Projekte, meist Dokumentarfilme und Autorenporträts, konnte Radax im Rahmen von v.a. deutschen Fernsehanstalten verwirklichen. Er setzte Friedensreich Hundertwasser, H.C. Artmann, Konrad Bayer, Thomas Bernhard und Ludwig Wittgenstein ein filmisches Denkmal. Auch eine Abenteuerserie drehte er für den Bayrischen Rundfunk, "Floris von Rosemund" (1973) mit "Blade Runner"-Star Rutger Hauer. Auch Spielfilme folgten: "Attentat in Gastein" (1979), "Wer sind sie, Mr. Joyce" (1980 mit Helmut Lohner), "Capri - Musik, die sich entfernt" (1983) und "Jenseits von Österreich" (1990).

2006 leistete Radax, der privat auch begeisterter Jazzpianist und passionierter Tänzer war, anlässlich des Mozartjahres einen Beitrag für das Kurzfilmprojekt "A Mozart Minute". Neben seiner Filmarbeit hatte sich der Avantgardist zuvor bereits immer mehr auch als Maler und Fotograf betätigt. Als Radax 2003 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse erhielt, betonte der damalige Kunststaatssekretär Franz Morak (ÖVP) die Vorbildwirkung des Geehrten: "Messen werden wir uns immer an Ferry Radax!" 2008 ehrte die Stadt Wien den Pionier auch noch mit der Ehrenmedaille in Gold, 2012 erhielt er einen Kulturpreis des Landes Niederösterreich im Bereich Medienkunst.

"Ein außergewöhnlicher Mensch und ein begnadeter Künstler ist von uns gegangen", würdigte Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) Radax in einer Aussendung. Gelernt habe er sein Handwerk "im Mondlicht der Kinoleinwand", zitierte sie den Verstorbenen selbst, der "unvergessliche und unvergleichbare Filmwerke hinterlässt. Sein filmisches Werk fand nicht nur in Österreich Anklang, auch international erlangte es große Anerkennung. Besonders mit seinen legendären Künstler-Portraits hinterlässt er wertvolle Zeugnisse österreichischer Kunst- und Kulturgeschichte", so Mayer.

Zum Entdecken der kreativen Welt dieses Ausnahmekünstlers sei die im Sonderzahl Verlag 2014 erschienene filmwissenschaftliche Monografie „Ferry Radax: Vision, Utopie, Experiment“ mit zahlreichen Essays ans Herz gelegt. Detaillierte Infos zu Leben und Werk: www.ferryradax.at