Bauprojekt sorgt für Proteste im Villenviertel. „Initiative zur ortsbild- und verkehrsverträglichen Bebauung der Liegenschaft Hügelgasse 21“ formiert sich. Stadtrat Oissner erklärt, dass Richtlinien eingehalten werden.

Von Andreas Fussi. Erstellt am 13. März 2018 (05:30)
NOEN, geoland.at
Luftansicht des betreffenden Wohngebietes.

In Bad Vöslau formiert sich eine Bürgerinitiative gegen ein geplantes Bauvorhaben im Grätzel Hügelgasse – Ernst Wutzel-Gasse, das Auswirkungen auf das gesamte Areal haben soll – sowohl das Ortsbild im Villenviertel, als auch die Verkehrssituation betreffend.

Konkret soll in der Hügelgasse 21, hinter dem denkmalgeschützten alten Kino, eine Anlage mit 27 Wohneinheiten in zwei dreistöckigen, „massigen Baukörpern“ entstehen – darunter eine Tiefgarage mit 41 Stellplätzen. Die Anrainer fürchten, dass durch diesen Bau weitere Grünflächen verloren gehen, die maximal mögliche Fläche versiegelt werde sowie, dass „durch die nicht zu vernachlässigende Anzahl von Autos“ der Verkehr in der Hügelgasse „signifikant zunehmen“ werde.

Anrainer befürchten Verkehrskollaps

Die Kritiker rechnen mit einer täglichen Verkehrszunahme um ca. 200 Autofahrten – was die Kapazität der Hügelgasse und der Umgebung übersteige. Es sei mit einer Erhöhung der Gefahrensituation zu rechnen, insbesondere für Fußgänger und Radfahrer. Die Initiative fordert nun ein Schutzzonengutachten, ein Verkehrskonzept und ein wasserrechtliches Gutachten.

Kritisiert wird, dass das 12 Wohneinheiten umfassende Objekt „ohne Information der Bürger“, bewilligt worden sei, vom größeren Gebäude, das 15 Wohneinheiten umfasst, hätte man „durch Zufall“ erfahren. Die Initiative stellt daher den Vorwurf in den Raum, die Gemeinde informiere Anrainer möglichst kurzfristig und stelle alle anderen „vor vollendete Tatsachen, um eventuelle Einwendungen zu erschweren“.

Weniger Wohneinheiten als erklärtes Ziel 

Ziel der Initiative: „Wir wollen erreichen, dass das geplante zweite Wohnobjekt mit deutlich weniger Wohneinheiten ausgeführt wird, weil das Objekt selbst sowie die zusätzliche Verkehrsbelastung mit den Gegebenheiten unverträglich ist.“

Der zuständige Stadtrat Harald Oissner (Liste Flammer) verweist darauf, dass es sich um zwei voneinander unabhängige Projekte unterschiedlicher Firmen handle. Einzig der Grundeigentümer sei der gleiche. Das Vorhaben mit den 12 Wohneinheiten sei bereits baugenehmigt und könnte sofort starten. Das zweite Projekt mit den 15 Wohneinheiten sei noch nicht genehmigt worden, da die Stadtgemeinde ein Verkehrsgutachten nachgefordert habe.

Den Vorwurf mangelnder Information weist Oissner von sich. Beim ersten Projekt sei das Bauverfahren bereits abgewickelt worden. Alle Anrainer rundherum seien gemäß Gesetz informiert worden und hatten die Möglichkeit zur Einsichtnahme. Auch müsse er den Vorwurf der riesigen Bauvolumen relativieren. „Es handelt sich um zwei Projekte in einer Größenordnung, die die vorhandenen Bebauungsrichtlinien einhalten.“

Es handle sich um Bauland-Kerngebiet. Die Vorgabe sei 40 Prozent Bebauungsdichte und eine Maximalhöhe von sieben Metern. Ebenso werde eine Pufferzone gemäß der Schutzzone eingehalten, ergänzt Oissner. Er könne zwar verstehen, dass die Anrainer aufgrund der Anzahl der erforderlichen Pkw-Stellplätze verschreckt seien, es würden aber alle Rahmenbedingungen eingehalten werden.

Villen werden heute anders genutzt

Das Besondere in der Gegend sei, dass die bestehenden Villen früher von einer Familie bewohnt wurden, heute dort aber sechs bis sieben Ehepaare leben. Die neuen Objekte seien nicht größer als die umliegenden Villen, würden aber kleinere Wohnungsgrößen aufweisen.

Aus Sicht der Gemeinde könne man die Bauvorhaben nicht verwehren, solange alle Bedingungen eingehalten würden. Zudem seien beide Projekte dem Schutzzonengremium der Stadt vorgelegt worden und es hätte keine Einwände gegeben.