Die Corona-Zahlen als Hobby. Mit seinen statistischen Aufbereitungen ist Erich Neuwirth aus Bad Vöslau Anlaufstelle für Daten rund um die Pandemie.

Von Alexander Fritsch. Erstellt am 15. März 2021 (04:13)
Die NÖN hat den Bad Vöslauer Erich Neuwirth (72), Datenwissenschafter im (Un)Ruhestand, per Videocall zum Interview getroffen.
Screenshot, Screenshot

NÖN: Herr Neuwirth, Sie sind ja offiziell in Pension, haben sich aber alles andere als zur Ruhe gesetzt.

Erich Neuwirth: Ja, ich halte immer wieder noch Lehrveranstaltungen an der Universität Wien bzw. der FH St. Pölten, dort habe ich auch den Studiengang „Data Science“ mit aufgebaut. Nach mehr als 50 Jahren in der Wissenschaft wäre es schade, wenn das aufgebaute Wissen ungenützt bliebe.

Aber auch abseits der universitären Tätigkeiten publizieren Sie regelmäßig in Blogs…

Neuwirth: Ich finde es wichtig und spannend, mit Daten so zu arbeiten, damit man daraus auch Erkenntnisse herausfindet, die für die Menschen auch sinnvolle Informationen darstellen. Daher habe ich mehrere Blogs zu Themen rund um Mathematik, Informatik, Bildung und Statistik bespielt, etwa den Themenblog www.wahlhochrechnung.at oder www.bildung-statistik.at

Und dann kam Corona…

Neuwirth: Das Thema beschäftigt uns alle, und ich wollte einfach wissen, was los ist. Deshalb habe ich mich als Statistiker damit gezielt auseinandergesetzt und stelle diese Fakten dann zur Verfügung.

Das machen Sie aber nicht nur auf dem Blogwww.just-the-covid-facts.neuwirt.priv.at, sondern sie sind in ganz Österreich präsent.

Neuwirth: Ja, derzeit vergeht kaum ein Tag ohne Mediengespräch. Und auf dem Blog poste ich täglich.

Sie haben die Corona-Statistiken als Hobby begonnen und jetzt ist es quasi ein Fulltime-Job?

Neuwirth: Beinahe. Ein bisschen Freizeit gönnt man sich schon noch, aber es ist einfach wichtig, dass die Leute wissen, woran sie mit den aktuellen Zahlen sind. Oftmals wird das in den Medien zum Teil missverständlich kommuniziert.

Das heißt, Ihre Tätigkeit versteht sich auch ein bisschen als Medienkritik?

Neuwirth: Eher eine Ergänzung. Ich habe mir überlegt, wie kann man die Daten so aufbereiten, dass man herauslesen kann, was eigentlich genau passiert und wie die Pandemie verläuft. Da schicke ich meine Grafiken durchaus regelmäßig auch ans Fernsehen, etwa an Puls 4.

Lässt sich über Bad Vöslau eine Prognose abgeben?

Neuwirth: Nein, das ist zu kleinteilig, Aussagen lassen sich maximal auf Bezirksebene abgeben, aber auch das ist mit Vorsicht genießen, gerade derzeit sind viele Faktoren, die gleichzeitig aufeinander einwirken.

Und österreichweit?

Neuwirth: Ungefähr in den letzten 20 Tagen haben wir pro Woche einen Anstieg von 25 Prozent österreichweit gehabt – auch wenn in Vorarlberg möglicherweise die Zahlen so zurückgehen, dass der exponentielle Anstieg österreichweit eventuell jetzt abflacht.

Grund zur Hoffnung?

Neuwirth: Möglicherweise, aber das ist noch zu früh. Ich sage immer, es wäre ein schönes Weihnachtsgeschenk, wenn ich zum Jahresende den Corona-Daten-Blog beenden könnte, weil es dann nichts mehr zu berichten gäbe.

Das bleibt zumindest zu hoffen, Sie werden jedenfalls weiterhin dranbleiben und Ihren Unruhestand weiter den Zahlen, Daten und Fakten widmen.

Neuwirth: Das habe ich vor.

Vielen Dank für das Gespräch.