Gerichtsverfahren: Vier Vorwürfe sind verpufft

Erstellt am 30. Dezember 2021 | 05:06
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Symbolbild Gerichtssaal
Symbolbild Gerichtssaal
Foto: shutterstock.com/Nirat.pix
Mann musste sich wegen Diebstahl, Körperverletzung, gefährliche Drohung und Verletzung der Unterhaltspflicht verantworten: Freispruch!
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Bei dem Tempo, wie sich die Vorwürfe gegen einen aktuell arbeitslosen Angeklagten am Landesgericht Korneuburg kürzlich vor Richterin Lydia Rada in Luft auflösten, war es erstaunlich, dass es tatsächlich zwei Verhandlungstage für die insgesamt vier Anlagepunkte brauchte: Diebstahl, Körperverletzung, gefährliche Drohung und Verletzung der Unterhaltspflicht. Zumindest der Vorwurf des Diebstahls konnte bereits am ersten Verhandlungstag geklärt werden.

Handy, Taschenlampe und 50 Euro in bar fehlten

Angezeigt wurde er von einer Frau, bei der der Mann am 25. April dieses Jahres in Bad Vöslau übernachten durfte. Am nächsten Morgen, so die Frau noch in ihrer Polizeieinvernahme, hätten ein Handy, eine Taschenlampe und 50 Euro in bar gefehlt – schlussfolgernd, dass es der Angeklagte gewesen sein muss. Vor Gericht war zumindest von der Taschenlampe als Beute nicht mehr die Rede und die Frau räumte ein, dass sie auch von ihrem Mitbewohner bestohlen worden sein könnte.

„Ich werde dich umbringen, wenn du schläfst“

Die Vorwürfe der Körperverletzung und der gefährlichen Drohung – „Ich werde Dich heute Nacht umbringen, wenn Du schläfst“ – bezogen sich auf einen Vorfall am 5. Juli dieses Jahres in Leobersdorf , bei dem der Vater des Angeklagten der Leidtragende gewesen sein soll. Der war zwar am betreffenden Verhandlungstag nicht persönlich vor Gericht anwesend, was aber die Richterin, in einem Telefonat mit dem Vater in ihrer Vorahnung bestätigte: „Wir lassen es“, waren die Worte des Vaters als er sich seiner Aussage entschlug.

Blieb noch der Vorwurf der gröblichen Verletzung der Unterhaltspflicht gegenüber seiner Tochter beziehungsweise seiner 29-jährigen Ex-Partnerin – und zwar seit 1. Feber 2016, laut Anzeige des Jugendamts. „Ich hab’s immer bekommen“, so die Mutter des gemeinsamen Kindes, allerdings unregelmäßig und in bar – etwa alle zwei bis drei Monate. Weder der Angeklagte noch die Ex informierten allerdings das Jugendamt über diese Zahlungen.

Rada empfahl den beiden, diese Vorgangsweise dringend zu ändern, „sonst sitzen Sie deswegen bald wieder hier“. Ansonsten sah die Richterin keinen einzigen Anklagepunkt durch die Beweisführung des Verfahrens erhärtet. Die logische Folge für den unbescholtenen Mann war ein Freispruch auf ganzer Linie.

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