Weinhauerinnen vor den Vorhang. Stark, weiblich, vinophil: Winzerinnen aus der Thermenregion leisten nicht nur hinter Kulissen wertvolle Arbeit.

Von Andreas Fussi. Erstellt am 19. Februar 2021 (02:34)
Kerstin und Sigrid Schwertführer aus Sooß.
privat

„Der Weltfrauentag am 8. März ist eine gute Gelegenheit die Arbeit unserer Winzerinnen und Heurigenwirtinnen hervorzuheben“, meint Britta Döring vom Weinforum Thermenregion. Frauen spielen in der Weinbaugeschichte der Thermenregion damals wie heute eine wichtige Rolle. Neben der Funktion als Gastgeberinnen sind viele auch für das Keltern der Weine verantwortlich.

Für einige hat ihr Beruf noch immer Erklärungsbedarf, für die Nachwuchswinzerinnen gilt dies nicht mehr: „Wir haben 2014 mit unserem eigenen Weingut gestartet. Anfangs waren viele skeptisch, weil wir so jung waren. Mittlerweile haben wir einen echten Fanclub“, erzählen „Die Schwertführerinnen“ Kerstin und Sigrid aus Sooß. Schon im Freundschaftsbuch stand „Traumberuf: Winzerin“: „Unsere Eltern und Großeltern haben uns das Winzerleben vorgelebt. Es ist schön, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen“, betont Kerstin Schwertführer, die seit 2014 mit ihrer Schwester Sigrid das Weingut „Die Schwertführerinnen“ betreibt.

Christine und Harald Schachl aus Bad Vöslau.
Ebster

Christine Schachl aus Bad Vöslau ist durch die Heirat mit einem Winzer zum Wein gekommen: „Ich liebe die abwechslungsreiche Arbeit im Weingarten und Keller und bei unserem Heurigen.“ Sie unterstützt mittlerweile am Weingut ihre Tochter, indem sie sich um die Enkelkinder kümmert.

Julia Herzog vom Weingut Herzog & Brunnengassenheuriger, Bad Vöslau.
Johann Ployer

Die Jungwinzerin und ehemalige österreichischen Weinkönigin, Julia Herzog vom Weingut Herzog & Brunnengassenheurigen (Bad Vöslau), möchte die vinophile Familientradition weiterführen und Weine nach ihrem Geschmack keltern. Für sie stehen die sinnvolle Tätigkeit und das Leben im Jahresrhythmus im Vordergrund: „Als Winzerin bin ich von Anfang bis zum Ende dabei, vom Auspflanzen der Weingärten bis zur Übergabe der fertigen Flasche Wein. Da schließt sich der Kreis.“

Winzerin Gaby Schlager aus Sooß.
Bernhard Wolff

„Im Betrieb meiner Eltern habe ich immer nur die Arbeit gesehen. Vor allem meine Praktika in In- und Ausland haben mir gezeigt, wie interessant die Arbeit einer Winzerin ist und ich habe Menschen getroffen, die mich für das Thema Wein begeistert haben“, erzählt Gaby Schlager vom Sooßer Weingut Schlager. Zwischen Weingarten, Keller, Heurigenküche und Büroarbeit sei oft die Zeit mit der Familie zu kurz. „Unsere Kinder kommen einfach zu uns in den Keller oder in den Weingarten. Beim Heurigen sind sie zu Stoßzeiten eine große Hilfe“, weiß sie. „Viele glauben noch immer, dass eine Frau das nicht stemmen kann. Dabei stehen für mich die sensorischen Fähigkeiten einer Winzerin im Vordergrund“, betont Schlager.

Die Winzerinnen schätzen den abwechslungsreichen Alltag sowie das Genussvolle und Produktive an ihrem Beruf.

Aktuell sind sie voll im Einsatz: Viele bieten ihre Schmankerln zum Mitnehmen an.