Thomas Schneider: „Hochstraße als Problemzone“. Wirtschafts-Stadtrat Thomas Schneider (Liste Flammer) spricht über Geschäftsschließungen an der Hochstraße, die Parkplatzsituation und mögliche Auswege.

Von Christian Dusek. Erstellt am 15. Januar 2019 (04:09)
Dusek
Thomas Schneider im NÖN-Gespräch im Kaffeehaus Harrer.

Gleich drei Geschäfte haben innerhalb von kurzer Zeit in der Hochstraße geschlossen: Hochleitner, Living Room und der Tanzladen. „Jedes leer stehende Geschäft schmerzt, manche finden relativ schnell eine Nachfolge, andere sehr lange nicht“, beschreibt Thomas Schneider, Stadtrat für Wirtschaft der Liste Flammer die derzeitige Lage im Zentrum. „Fluktuation hat es immer gegeben, aber in der Hochstraße haben wir eine spezielle Situation: Es handelt sich um eine Straße des Landes, als Stadt haben wir hier kaum Handhabe – und bei der geringen Straßenbreite gab es schon immer das Thema Parkplätze“, führt er weiter aus.

Parken und Wohnbau schaffen den Rahmen

Die Parkplatzsituation bereitet Schneider im gesamten Stadtgebiet Kopfzerbrechen: „Von den vorhandenen Stellplätzen stehen immer viele frei, derzeit aber wegen zahlreicher Bautätigkeiten – beispielsweise am Tremelhof – nicht.“ Das erwähnte Bauprojekt gehe allerdings 2019 in seine Endphase, was die Parkplatznot etwas entschärfen sollte. Weiters würden die Anrainer die Stellplätze ihrer Wohnhausanlagen zu wenig nutzen und stattdessen öffentliche Flächen besetzen. Bad Vöslau verfügt über keine gebührenpflichtige Kurzparkzone: „Hier könnte ich mir vorstellen, dass man vielleicht vermehrt mit Parksheriffs arbeitet“.

Allgemein wäre eine Beruhigung des Verkehrs wünschenswert: Nicht durch eine Verlagerung auf Ausweichrouten, sondern durch vermehrtes Radfahren oder zu Fuß gehen“, plädiert Schneider auch an die Bevölkerung. Immerhin besage eine Studie aus 2016, dass 80 Prozent des innerstädtischen Verkehrs hausgemacht seien: „Es sind vor allem wir Vöslauer selbst, die sich mehr bewegen sollten“, so Schneider.

Auf das derzeit heiß diskutierte Thema der zahlreichen Bauprojekte angesprochen, zitiert der Wirtschafts-Stadtrat das Mantra der Liste Flammer: „Diese Wohnraumverdichtung im Zentrum ist durchaus erwünscht, wir wollen keine Zersiedelung, davon abgesehen kann man nur so das Preisniveau für den Wohnraum halten“, außerdem senke es die Notwendigkeit der Pkw-Fahrten.

Die Möglichkeiten der Stadtgemeinde zur Geschäftsbelebung seien sehr eingeschränkt: „Ich führe ständig Gespräche mit den Eigentümern der Immobilien, um dahingehend einzuwirken, dass die Mietpreise für Geschäftsflächen ein realistisches Niveau erreichen“.

Schneider: „Nicht alles krank jammern“

Diese Kommunikation finde eben nicht vor dem Vorhang statt. Als Positiv-Beispiel nennt Schneider die rasche Neuübernahme des „nah&frisch“-Nahversorgers, auch der Tanzladen bleibt bestehen und übersiedelt nach Gainfarn. Die Haarschneiderei in der Brunngasse wurde neu übernommen, Palmers befinde sich in guten Nachfolgerhänden.

Schneider schließt mit einem Appell: „Die derzeit unerfreuliche Entwicklung besorgt mich zwar sehr, aber ich hoffe auf baldige weitere Vergabe der leer stehenden Flächen“. Man dürfe auch nicht alles „krank jammern“, da es viele sehr gute Geschäfte und Betriebe gebe. „Diese florieren dann, wenn Qualität, Sortiment, Beratung und Freundlichkeit passen“. Aber auch die Bad Vöslauer seien angehalten, ihr Einkaufsverhalten permanent zu überdenken: „Fahr nicht fort, kauf im Ort!“