100. Todestag Kaiser Karl: Mensch hinter Monarch

Erstellt am 16. April 2022 | 04:30
Lesezeit: 3 Min
Am 1. April 1922 starb der letzte Habsburgerkaiser. Wer war er? Regent, Soldat, Kämpfer für den Frieden oder Familienmensch? Buch gibt Aufschluss.
Werbung

Hannes Etzlstorfer, ein bekannter Kunst- und Kulturhistoriker, Ausstellungskurator und Kulturjournalist sowie Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher, veranstaltete im Haus der Kunst in Baden, anlässlich des 100. Todestages von Kaiser Karls am 1. April eine Benefizlesung aus seinem neuen Buch „Kaiser Karl. Die Verantwortung vor der Geschichte trägt immer der Monarch“, erschienen im Kral Verlag.

Ort und Zeitpunkt der Lesung waren bewusst gewählt: Kaiser Karl hat ab 1917 Baden wieder zur Kaiserstadt erhoben, wie sie diese schon unter Kaiser Franz dem I. war. Das Haus der Kunst in Baden nützten Karl und Zita, nach Verlegung des Armeeoberkommandos von Teschen nach Baden, gelegentlich für Audienzen. Mit Kaiser Karl I. ging 1918 die Regentschaft der Habsburger in Österreich nach 640 Jahren zu Ende.

Die Rolle des letzten Habsburgerkaisers wird kontrovers diskutiert. Etzlstorfer fragt: „Welchem Image wird Kaiser Karl gerecht? Regent, Soldat, Kämpfer für den Frieden oder Familienmensch? In meinem Buch habe ich versucht, ein Bild des Menschen hinter dem Monarchen nachzuzeichnen, und mich mit der Persönlichkeit Karls beschäftigt.“

Das Porträt vervollständigt sich durch die reiche Fülle an Abbildungen aus zahlreichen Sammlungen, die die Geschehnisse und Biografie plastisch und begreifbar machen. Wahrheiten, die niemanden verärgern, sind freilich meist nur halbe: Hinter vorgehaltener Hand werden auch Karls Schwächen – fehlende Entschlusskraft bzw. übereilte, wankelmütige Entscheidungen, dilettierende Alleingänge (Stichwort „Sixtus-Affäre“) und fehlende Konzentration bei Unterredungen – gegen ihn ins Rennen geführt.

Zudem hat sich auch das Herrscherverständnis massiv geändert.

Nach seinem erzwungenen Thronverzicht im November 1918 hofft Karl bis zum März 1919 auf Schloss Eckartsau vergebens auf eine mögliche Wiederkehr auf den Thron. Trotzdem bricht er gemeinsam mit Gattin Zita 1921 vom Schweizer Exil nach Ungarn auf, um dort wieder an die Macht zu gelangen. Die Mission scheitert jedoch am ungarischen Widerstand. Karl wird mit seiner Familie ins ferne Madeira verbannt, wo er am 1. April 1922 stirbt.

Seinen gelebten und von Historikern geprüften Friedenswillen lohnt ihm die katholische Kirche mit der 2004 erfolgten Seligsprechung.

Werbung