Bedroht: „Ich bring‘ dich um!“. Via Anrufbeantworter richtete ein Pensionist einem Badener wenig Schmeichelhaftes aus. Richter verwundert über „milieubedingte Unmutsbekundung“. 600 Euro Strafe.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 15. September 2017 (03:58)
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Richter Slawomir Wiaderek verurteilte den Pensionisten zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe. shutterstock/Andrey Popov
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Die Stimme des 67-jährigen Angeklagten auf dem Anrufbeantworter klingt seltsam distanziert und emotionslos angesichts dessen, was da mitgeteilt wird. In drei Anrufen hatte der Pensionist am 28. Oktober 2016 kurz vor Mitternacht einem langjährigen Bekannten aus Baden auf diesem indirekten Weg diverse Beleidigungen, Beschimpfungen und Drohungen ausgerichtet, weshalb er sich vorige Woche am Landesgericht Eisenstadt verantworten musste.

Dort steht er bereits seit einem Jahr wegen eines Vorfalls an einem Badesee im Bezirk Eisenstadt vor Gericht: Als Gast einer zerkrachten Großfamilie soll er Ende August 2015 eine Frau gekratzt und deren Fotoapparat beschädigt haben. Der Pensionist bekannte sich dazu nicht schuldig, wurde im ersten Rechtsgang verurteilt, das Urteil wurde vom Oberlandesgericht aufgehoben, jetzt kümmert sich der dritte Richter um die Angelegenheit.

Während der Streit am Seegrundstück neuerlich vertagt wurde, gab es in Sachen Anrufbeantworter ein Urteil. Seine Äußerungen wie „Komm mir nicht in die Nähe, ich bring dich um“ oder „Noch eine Aktion und du fliegst in die Luft“ seien auf einen Anruf seiner Lebensgefährtin zurückzuführen, in dem sie mitgeteilt habe, ihr Mitbewohner habe sie verletzt. Diesen sollten schließlich auch die Drohungen treffen.

„Pass auf, du Drecksau“ schimpfte Angeklagte

„Es war eine milieubedingte Unmutsbekundung“, gab der Pensionist an. „Stammen Sie aus einem Milieu, wo Äußerungen wie ‚Pass auf, du Drecksau‘ üblich sind?“, wunderte sich Richter Philipp Ent angesichts des in Sakko und Hemd gewandeten und durchaus seriös wirkenden Angeklagten.

„Ich fürchtete, dass er die Drohungen in die Tat umsetzt“, erklärte das 75-jährige Opfer. Er habe, so der Zeuge, die Nachrichten am Anrufbeantworter am nächsten Tag abgehört. Den Angeklagten kenne er seit 27 Jahren. Dieser habe ein Verhältnis zu seiner Ex-Lebensgefährtin gehabt.

Der Angeklagte wurde wegen Nötigung zu einer Geldstrafe von 600 Euro verurteilt. „Der Vorfall ereignete sich, als das andere Strafverfahren bereits lief. Das wirkt für mich schon gravierend“, erläuterte der Richter das Urteil.

Der Pensionist nahm die Strafe an.