Bucherscheinung: Kleine Stadt ganz groß betrachtet

Alexander Blümels neues Werk thematisiert Badens Rolle im Ersten Weltkrieg.

Erstellt am 20. Juli 2020 | 06:06
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Bürgermeister Stefan Szirucsek mit Buchautor und Museumsleiter Alexander Blümel sowie dessen jüngstes Werk „Die Großmacht in der Kleinstadt“.
Foto: Stadtgemeinde

„Das Buch ‚Die Großmacht in der Kleinstadt – Badens wichtige Rolle im Ersten Weltkrieg‘ hat gerade nach dem Corona-bedingten Lockdown viele Parallelen zu unserer heutigen Zeit“, findet Schriftstellerin Gabi Hasmann. Sie hat das Buch bereits gelesen und meint: „Gerade haben wir eine Phase hinter uns, in der wir nicht aus dem Haus oder aus der Stadt rausgehen durften. Vor ziemlich genau 100 Jahren hatten wir in unserer Stadt eine ähnliche Situation.“

Zwei Faktoren waren hierfür verantwortlich, das Allerhöchste Hoflager Kaiser Karls und das k. u. k. Armeeoberkommando zogen in Baden ein, im letzten Kriegsjahr begann die Spanische Grippe in der Stadt zu wüten.

Der Autor und Leiter des Kaiser Franz Josef-Museums sagt über sein Werk: „Als damals der junge Kaiser Karl an die Spitze des Armeeoberkommandos der österreichisch-ungarischen Streitkräfte stellte, veranlasste er auch dessen Verlegung nach Baden bei Wien. Dass anschließend in der Kurstadt wichtige politische Entscheidungen getroffen wurden, die maßgeblichen Einfluss auf das Weltgeschehen hatten, wissen heute nur mehr die Wenigsten.“

Das Who is Who des gesamten zentraleuropäischen Raums ging hier im Hoflager ein- und aus. Es wurden also nicht nur wichtigste militärische Entschlüsse hier getroffen, sondern vor allem politisch wurde die Kurstadt zum Hotspot.

Für die Badener war die Situation schwierig

Für die Einheimischen ergab sich nun eine äußerst ambivalente Situation. Man war zwar wieder „Kaiserstadt“, befand sich aber dadurch in einer Sperrzone. Wie sich der Kriegsalltag mit all seinen Erscheinungen auf die Badener Bevölkerung auswirkte und wie eng das Hauptquartier und die kaiserliche Familie mit den Ereignissen in der kleinen Stadt verknüpft waren, wird in dem Buch durch eine große Zahl an Originaldokumenten, Fotos und persönlichen Erinnerungen dargestellt.

Besonders spannend ist das Adressenverzeichnis, in dem angegeben ist, wer aus den Hof- und Militärkreisen in Baden wo untergebracht war – auch Menschen, die nach dem Krieg noch eine mehr oder weniger rühmliche Karriere machten.