Buddeln versus Malen im Kunstsalon. Ein Kurator und ein Gärtner diskutieren am Sonntag, 18. Oktober, im Arnulf Rainer Museum in Baden.

Von Sandra Sagmeister. Erstellt am 17. Oktober 2020 (04:45)
So saß man anno dazumal im Spielgelsaal im Frauenmuseum und philosophierte.
Rainer Museum

Was haben ein Maler und ein Gärtner gemeinsam? Sie verändern beide die Welt, machen sie zumeist schöner. Der eine bearbeitet die Leinwand, der andere ackert und buddelt die Erde um, und bringt sie zum Blühen und beide haben mit Farbe zu tun.

Über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten wird beim kommenden Kunstsalon im Arnulf-Rainer-Museum diskutiert. Im Spiegelsaal wird seit einiger Zeit die Tradition eines Salons wieder belebt und aufgefrischt: Jeden dritten Sonntag im Monat wird, einem Spiegelsaal gerecht, reflektiert.

Diesmal treffen Andreas Hoffer, Kurator der Kunsthalle Krems und Heinz Steinbüchel, Gärtnermeister aus Wien aufeinander und vergleichen ihre Passion und legen unter dem Titel ihre „2 Blicke auf Vedova und Rainer – Kurator versus Gärtner“. Der Blick auf ein Werk, ein Objekt im Allgemeinen, verändere sich stetig. Das was einmal perfekt schien, kann plötzlich nicht mehr dem eigenen Blick genügen“, so erklärt es Hoffer.

So kann der Gärtner einen Ort im Garten durch Bepflanzung verschwinden lassen, den Blick dadurch auf etwas anderes richten oder den Blick auf etwas überhaupt verwehren. Der Gärtner hat im Vergleich vielleicht mehr Möglichkeiten die Welt eingreifender zu verändern, eine zwangsläufige Veränderung übernimmt die Natur selbst, durch ihren Drang zu Wachsen. Ein Künstler kann sein Bild nur verändern, in dem er es, wie Arnulf Rainer, übermalt, es überarbeitet, verschwinden lässt und so anders macht: „So hat Arnulf Rainer Werke immer wieder übermalt bis hin zum völligen Verschwinden des Ausgangsmotivs.“ Oder Rainer hat durch eine teilweise Verdeckung Details des Vorherigen übermalt.

Veränderung wohnt Kunst und Garten inne

Die Veränderung ruft der Gärtner hingegen mit „gröberen“ Methoden herbei, er gräbt aus und um, mäht, schneidet und setzt neue Samen – dann muss man warten, bis sich die Pracht der Pflanzen ausbreitet. Der Kurator hingegen ist einer, der aus dem Bestehenden, dem schon gewachsenen, auswählen muss, der nur durch die Wahl der Bilder verändern kann: „So lässt der Kurator bei seiner Werkauswahl manches weg, das einmal gefiel.“

Im Salon wird über die Phänomene des Gärtners und des Kurators gesprochen, der Salon soll aber nicht nur zum Mitreden anregen, sondern auch zum Mittun: „Bringen Sie zu diesem Kunstsalon bitte einen Gegenstand oder ein Bild mit, ein Objekt, das einmal gefiel“, rät die Leiterin der Kunstvermittlung, Christine Humpl-Mazegger, die auch moderiert.