„Caruso“-Wohnbau: Ein Stock weniger. Projekt auf der Kippe. Eigentümer-Kritik an Bürgerinitiative.Stadt reduziert Gebäudehöhe um ein Stockwerk.

Von Stefan Jedlicka. Erstellt am 20. September 2016 (05:45)
NÖN
Das Gelände des ehemaligen Hotels Caurso in der Trostgasse. Die Villa soll für das Wohnbauprojekt nicht angetastet werden.

Überraschung beim geplanten Wohnbauprojekt am Areal des ehemaligen Hotels Caruso in der Trostgasse. Nach Protesten von Anrainern habe sich die ÖVP-Grüne-NEOS-Koalition entschlossen, die bestehende Bauklasse 3 (rund 14 Meter Gebäudehöhe maximal) auf Bauklasse 2 (rund acht Meter) zu reduzieren, kündigte Bürgermeister Kurt Staska (VP) am Donnerstag an. Der Wohnbau müsste also um ein Geschoss niedriger errichtet werden, als ursprünglich geplant.

Oliver Braun, geschäftsführender Gesellschafter der Gerstner Gruppe als Eigentümer des Grundstückes, ist darüber nicht erfreut. „Als mir die Entscheidung mitgeteilt wurde, habe ich den Entschluss gefasst, nie wieder nach Baden zu kommen“, sagt Braun. „Kurt Staska und Vizebürgermeisterin Helga Krismer haben mich überzeugt, jetzt einmal abzuwarten, wie die Entscheidung im Gemeinderat am 27. September ausfällt.“

Ob das Projekt noch realisiert wird, sei derzeit offen, so Braun. Der aber auch Kritik an der „Bürgerinitiative für den Erhalt Badens“ übt, die gegen den Wohnbau mobil macht. „Wir wollen auf einem verfallenden Grundstück mitten im Wohngebiet Wohnraum mit hoher Lebensqualität schaffen. Leider gibt es dagegen eine unseriöse und teilweise auf falschen Behauptungen aufbauende Verhinderungsstrategie einer sogenannten Bürgerinitiative, die noch nie mit mir Kontakt aufgenommen hat.“

„Gezielte, populistische Falschinformation“

Er nehme Bedenken der Anrainer ernst, versichert er. Und wolle auch mit diesen über das Projekt sprechen, sobald ein solches vorliegt. Denn: „Es gibt noch kein Projekt. Kann es ja auch gar nicht, weil wir nicht einmal noch die Rahmenbedingungen kennen.“ Die Behauptung, es liege bereits ein Entwurf dafür vor, sei „gezielte, populistische Falschinformation.“

Am 4. September endete die Einspruchsfrist gegen das Projekt im Rathaus. Karl Zweymüller, Sprecher der Bürgerinitaitive behauptet, es sei geplant „in ein weitgehend intaktes Villenviertel 100 bis 120 Luxuseigentumswohnungen auf engstem Raum hineinpressen zu wollen.“ Er hat deswegen zum Protest aufgerufen. Zweymüller spricht von einem „Bauprojekt im Wert von etwa 40 Millionen Euro, das von einer Gruppe betrieben wird, an der die Gerstner-Gruppe nur zu einer kleinen Minderheit beteiligt ist und deren Haupteigentümer die Gründer der Firma Conwert, sowie die Wiener Privatbank sind.“

Zum Vorwurf, die Trostgasse sei Spekulationsobjekt, kontert Braun: „Da redet der Blinde von der Farbe. Ich rufe dazu auf, mir eine Rechnung vorzulegen, wie mit diesem Projekt unter den gegebenen Rahmenbedingungen Spekulationsgewinne zu erzielen wären. Ich werde diese Kalkulation auch gerne veröffentlichen. Uns ist das bisher jedenfalls nicht gelungen.“

Gutachten der NÖ Landesregierung

Bürgermeister Staska verweist auf ein Expertengutachten: „Die Grundlagenforschung empfiehlt, Hotelstandorte in Baden zusammenzulegen. Das Grundstück des ehemaligen Caruso soll der Umgebung angepasst als Wohngebiet gewidmet werden mit Einschränkung auf maximal 25 Prozent Bebauungsdichte“, so Staska, der betont: „Die sachliche Richtigkeit und rechtliche Unbedenklichkeit dieser Maßnahmen wird auch durch ein weiteres Gutachten der NÖ Landesregierung bestätigt.“

Vizebürgermeisterin Krismer sagt, die Entscheidung zur Widmungsänderung sei „nach zahlreichen persönlichen Gesprächen mit Anrainern“ getroffen worden. „Diese sind offensichtlich seitens der sogenannten Bürgerinitiative und einzelner Oppositionspolitiker gezielt falsch informiert und mit Horrorszenarien konfrontiert worden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass den Anrainern ein Hotel mit Busverkehr und Betrieb rund um die Uhr an diesem Standort lieber wäre, als ein Wohngebiet.“

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  • Caruso: Hotel oder Wohnungen?