Das Bild des Frauenmuseums muss sich ändern. Einen dynamischen Austauschplatz und keine starre Ausstellungsstätte wünschen sich Politikerinnen aller politischen Coleurs für das angestrebte Projekt in Baden.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 02. September 2020 (04:06)
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Stadträtin Carmen Jeitler-Cincelli ließ sich von Bürgermeister Gerhard Peer aus Hittisau durch das Museum führen und gewann überraschende neue Einblicke.
privat

Ein Frauenmuseum mit einer starren Dauerausstellung, das wird es in Baden nicht geben, sagt Vizebürgermeisterin Helga Krismer, Grüne, die eine vehemente Verfechterin dieses Museums ist.

Sie hält das Bild, das vielen Menschen bei dem Begriff Museum durch den Kopf schwirrt, für problematisch und erklärt: „Wir haben im Stadtrat drei Expertinnen beauftragt, sich mit diesem Thema zu befassen und um etwas Inspirierendes und Neues zu kreieren, das die Kraft hat, über die Grenzen Badens auszustrahlen. Felicitas Thun-Hohenberg ist Professorin an der Akademie der Bildenden Künste in Wien, Architektin Andrea Graser vom Studio Okular ist die Gebäude-Fachfrau und die Kulturwissenschaftlerin Katharina Boesch hat das Talent, die Fäden zusammenzuführen und in eine realistische Umsetzung zu bringen“, meint Krismer.

Als möglicher Ort des Museums wurde das Liebenberg-Haus in der Marchetstraße 3-5 ins Auge gefasst.

Dass man trotz der schwierigen finanziellen Situation der Stadt mit dem Projekt beginnt, begründet Krismer so: „Es gibt ja auch ein übermorgen. Man muss den Menschen Mut machen und die Zeit nutzen, über gewisse Dinge nachzudenken.“

In Hittisau in Vorarlberg gibt es bereits ein Frauenmuseum, mitten in einer kleinen Gemeinde im Bregenzerwald.

Dieses inspirierte Beate Jorda vom Verein Frauenzimmer, sich für ein Frauenmuseum in Baden einzusetzen.

Frauenmuseum Hittisau als gutes Vorbild

Auch ÖVP-Stadträtin Carmen Jeitler-Cincelli hat sich das Museum in Hittisau jetzt angesehen und berichtet: „Da auch ich, wie sicher viele andere sehr kritisch gegenüber einem weiteren Museum war, wollte ich mir persönlich ein Bild machen. Also bin ich vor zwei Wochen in den Bregenzer Wald gereist und habe mir dort mit dem Hittisauer Bürgermeister das Haus angesehen.“

Die Begrifflichkeit „Museum“ sei für diese Institution in keiner Weise passend. In Wahrheit handle es sich um ein Zentrum zum Diskurs über frauen- und gesellschaftsrelevante Themen, wo Rollenbilder quer durch verschiedene Kulturen und gesellschaftliche Schichten im zeitgeschichtlichen Kontext beleuchtet werden.

Die SPÖ-Frauen geben sich optimistisch, bedauern aber, im Vorfeld nicht in das Projekt eingebunden worden zu sein. SPÖ-Gemeinderätin Serafina Demaku erklärt: „Wir finden die Idee, ein Frauenmuseum in Baden einzurichten, sehr gut, das gibt Baden eine weitere Chance sich von anderen Städten abzuheben. Klar muss aber sein, dass es neben einem Frauenmuseum auch viele weitere Maßnahmen braucht, um fortschrittliche Frauenpolitik zu machen.“

Und NEOS-Mandatarin Gertraud Auinger-Oberzauchinger macht klar: „Baden hat eine große Frauengeschichte und –gegenwart mit vielen herausragenden Persönlichkeiten, die bewegen und uns permanent begleiten und begeistern. Auch wenn ‚Museum‘ nur ein Arbeitstitel ist und die Institution nicht statisch werden soll, so wird dadurch alles andere als ein innovativer oder moderner Zugang vermittelt. Es gibt national wie international bereits großartige Beispiele, wie man Themen aufarbeitet und präsentiert – temporär und lebendig in Foren, Symposien, Festivals, inkl. digitaler Formate. Dafür braucht es keine kostspielige, permanente Institution, wie sie nun angedacht ist, sondern ein Konzept, mit dem sich Baden als Veranstaltungsort derartiger (auch digitaler) Formate positioniert.“

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  • Ein Frauenmuseum als Ort des Austausches und der interaktiven Begegnung: Vorstellbar?