Debatte um Parkdeck-Neubau. Baumeister Wolfgang Pristou sieht Neuerrichtung des Parkdecks Zentrum Süd als nicht unbedingt notwendig an, für Bürgermeister ist nur ein Neubau zielführend.

Von Andreas Fussi. Erstellt am 14. Juli 2021 (04:46)
Das 1997 errichtete Parkdeck Zentrum Süd in der Braitnerstraße soll einem Neubau weichen.
Andreas Fussi, Andreas Fussi

Baumeister Wolfgang Pristou, ehemaliger „Bürgerliste“-Gemeinderat, hegt Zweifel, ob das 1997 errichtete Parkhaus Süd mit vier Ebenen und 310 Stellplätzen nach 21 Jahren schon wirklich so desolat sei, dass man um einen Neubau um rund sechs Millionen Euro nicht umhinkomme. Es wären ihm insgesamt Schäden aufgefallen, die „relativ einfach und wenig kostenintensiv behoben werden“ könnten.

Der Stiegenaufgang ist ein Beispiel für den schlechten Zustand.
NOEN

„Lediglich die Stiegenläufe weisen starke Betonschäden durch Rostbildung an der Stahlbewehrung auf“ und „müssen voraussichtlich komplett erneuert werden.“ Aber zusammenfassend komme er zu dem Ergebnis, dass „der Bürgermeister einer krassen Fehleinschätzung unterliegt, wenn er meint, dass sich die Reparaturen aus Kostengründen nicht rentieren und daher das Parkhaus abgetragen werden müsse“, meint Pristou.

Wunsch nach stützenfreiem Bau

Und er stellt die Frage, ob das nur ein Vorwand wäre, die „Aufstockung des Parkhauses Römertherme weiter zu verzögern“? Pristou erklärt: „Befürchtet man, dass eine solche Aufstockung dem Projekt ‚Weltkulturerbe‘ schaden könnte?“ Unter gewissen Voraussetzungen stehe er aber einem Neubau aber dennoch offen gegenüber: „Stützenfreie Ausführung, wesentliche Erhöhung der Stellplatzanzahl und natürlich mit Personenaufzügen“, zählt Pristou seine Wünsche auf.

Stefan Szirucsek mit dem Gutachten über das aktuelle Parkdeck Süd.
NOEN

Bürgermeister Stefan Szirucsek, ÖVP, widerspricht Pristou und verweist auf das Gutachten der OFI Technologie & Innovation GmbH, einer Tochter des Vereins Österreichisches Forschungsinstitut für Chemie und Technik (OFI) über das Parkdeck, das im Mai 2020 in Auftrag gegeben wurde. Darin findet sich eine Ist-Zustandserhebung der Stahlbetonkonstruktion sowie ein Gutachten samt Sanierungskonzept und unverbindlicher Grobkostenschätzung. In allen Geschoßen sieht das Gutachten kurz- bis mittelfristigen Handlungsbedarf, laut Szirucsek „viele kurzfristige Maßnahmen“. Der Beton sei stark mit Chloriden belastet. Insgesamt seien „umfangreichste Sanierungsschritte“ notwendig. Dass im Errichtungsjahr aus Kostengründen keine Abdichtungsebene gemacht worden sei, „fällt uns jetzt auf dem Kopf“, sagt Szirucsek.

Natürlich könnte man das Parkdeck auch nur sanieren und einen Aufzug einbauen. Aber die unbeliebten Stützen würden bleiben und falls es neue Richtlinien zur Breite von Autos geben würde, müssten eventuell bis zu 50 Prozent der Bereiche gesperrt werden. Für Szirucsek sei alles außer einem Neubau keine Option. Dieser würde zudem fix ohne Stützen errichtet werden und man würde neue Parkflächen gewinnen, da man um ein halbes Stockwerk nach unten gehen könne. Der Neubau werde barrierefrei sein, das heißt mit Personenaufzügen. Geplant ist weiters die Überdachung der obersten Geschoß-Ebene, was Betriebskosten einsparen würde, etwa durch Wegfall des Winterdienstes. Außerdem könnte man oben eine Photovoltaikanlage errichten.

„Entscheidung nicht leicht gemacht“

Man werde in Richtung Stahlverbund-Konstruktion ausschreiben, kündigt der Bürgermeister an. Der Beschluss im Gemeinderat dazu erwartet er für Spätherbst dieses Jahres. Deswegen sei nun der Grundsatzbeschluss zur Neuerrichtung nötig gewesen. „Ich hätte gerne etwas anderes mit dem Geld gemacht, aber bei den Ergebnissen des Gutachtens haben wir keine andere Wahl“, weiß Szirucsek.

Die Aufstockung des Parkdecks Römertherme sei nur „aufgeschoben und nicht aufgehoben“, meint der Stadtchef. „Das hat nichts mit dem Weltkulturerbe zu tun.“