Die Armut nimmt zu: Das Rote Kreuz hilft. Gratis-Lebensmittel jede Woche, billige Waren bei Flohmarkt und im „Henry Laden“. Der Bedarf steigt.

Von Stefan Jedlicka. Erstellt am 31. Januar 2017 (05:01)
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Manfred Lang, Gernot Grünwald, Karoline Anhammer,Markus Jäger und Thomas Englisch (v.l.) sowie Ulf Schillig (imAuto).
Lenger

Die Armut nimmt zu. Auch in Baden. „Ich hätte nicht gedacht, dass es in einer reichen Stadt so viele arme Menschen gibt“, ist Rotkreuz-Mitarbeiter Manfred Lang betroffen.

Er organisiert in der Bezirksstelle wöchentlich die „Team Österreich Tafel“, die Lebensmittel an Bedürftige verteilt. Nicht weniger als eine Tonne an Waren wird jeden Samstag innerhalb von wenigen Stunden ausgegeben.

"Am Limit unserer räumlichen Möglichkeiten"

„Der Bedarf steigt. Wir sind am absoluten Limit unserer räumlichen Möglichkeiten“, sagt Lang, der die Organisation der Hilfeleistung gemeinsam mit Ulf Schillig, dem Leiter der Sozialen Dienste des Roten Kreuzes, übernommen hat.

Eine Ausweitung sei daher bereits in Planung. Gleich nach Ladenschluss am Samstagabend werden übrig gebliebene Waren von mehreren Handelsbetrieben in Baden abgeholt und zur Bezirksstelle gebracht. Dort übernehmen zwölf freiwillige Helfer die Verteilung. 3.521 Stunden haben sie im vergangenen Jahr insgesamt geleistet, dabei 4.792 Kunden betreut und 58 Tonnen Ware ausgegeben.

Das Erschütternde: All diese Lebensmittel sind noch in Ordnung, würden aber weggeworfen, weil sie am Montag nicht mehr verkauft werden könnten. „Und hier reden wir nur von rund 20 Händlern in unserer Region“, betont Lang.

58 Tonnen Ware ausgegeben

Rund 100 Menschen kommen jeden Samstag. Warten, bis ihnen Nahrungsmittel zugeteilt werden. Je nach Bedarf und Größe der Familie. „Es sind echte Großfamilien dabei“, sagt Lang: „Eine davon mit elf Kindern.“ Als Bezugsberechtigung gelten die von der EU festgelegten Armutsgrenzen. Insgesamt 650 Badener wurden seit Beginn der Aktion im Jahr 2009 registriert. Hinter jeder dieser Personen stehen im Durchschnitt noch jeweils zwei bis drei weitere im Familienverband.

Aber nicht nur Lebensmittel gibt das Rote Kreuz aus. Beim „Henry Flohmarkt“ in der Bezirksstelle haben Bedürftige im Vorjahr fünf Tonnen Bekleidung, Geschirr, Hygieneartikel, aber auch Betten, Schränke, Möbel oder Waschmaschinen kostenlos erhalten. Grundsätzlich wird hier aber auch verkauft. „Das eingenommene Geld fließt in unsere Spontanhilfe, um in akuten Notfällen helfen zu können“, berichtet Bezirksgeschäftsführerin Karoline Anhammer. Nächster Termin ist der 3. Februar (14 bis 18 Uhr).

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