Erfolg vor Gericht: Verkäuferin erhielt 10.000 Euro . Kaum Gehalt und nicht bezahlte Überstunden: Frau erreichte mithilfe der Arbeiterkammer Vergleich mit Arbeitgeber.

Erstellt am 06. September 2017 (05:00)
AK Niederösterreich
Jutta Angeler Maca (stv. Leiterin Arbeitsrecht AK Niederösterreich), Joachim Preiß (Direktor AK Niederösterreich), Markus Wieser (Präsident AK Niederösterreich), Thomas Kaindl (Leiter Regionale Aufgaben AK Niederösterreich)

Die Arbeiterkammer NÖ (AKNÖ) präsentierte vor wenigen Tagen die Landes- und die Bezirksbilanzen ihrer Arbeitsrechtsberatung im ersten Halbjahr 2017. Im Bezirk Baden erkämpfte die AK für 139 Arbeitnehmer ausstehende Gehältern.

Viele Überstunden-Interventionen

„Leider haben es viele Arbeitgeber wieder auf eine gerichtliche Auseinandersetzung ankommen lassen“, sagt Bezirksstellenleiterin Danja Wanner. In 100 Fällen klagte die AK zugunsten der Arbeitnehmer vor dem Arbeitsgericht. Außerdem vertrat die AK im Bezirk 200 Beschäftigte aus 30 insolventen Betrieben. Insgesamt bekamen die Betroffenen durch die Unterstützung der Arbeiterkammer 1,6 Millionen Euro an ausstehenden Löhnen nachbezahlt.

Der größte Teil der Interventionen bezog sich auf nicht ausbezahlte Überstunden. Oft seien es zwar nur kleine Beträge, „aber in einigen Extremfällen haben die Arbeitgeber nicht einmal den Grundlohn ausgezahlt“, berichtet AKNÖ-Präsident Markus Wieser.

Für 500 Euro monatlich gearbeitet

Als Negativbeispiel im Bezirk Baden führt die AK ein Lebensmittelgeschäft an, welches anscheinend nach ganz eigenen Gesetzen wirtschaftet. Diese Erfahrung musste eine Verkäuferin aus dem Bezirk machen. Knapp sieben Monate lang arbeitete sie für den Laden in Vollzeit – trotz zahlloser Sonn- und Feiertagsstunden für insgesamt 3.600 Euro netto.

Das würde einem Monatslohn von knapp über 500 Euro entsprechen. Als sie beim Chef um Urlaubsgeld fragte, war für diesen Schluss mit lustig und das Dienstverhältnis wurde einvernehmlich gelöst.

Die AK nahm sich des Falles an: „Wir forderten den Betrieb auf, das Gehalt und die Überstunden nachzuzahlen. Allein die Zahl der Überstunden, die an Sonn- und Feiertagen geleistet worden waren, belief sich auf mehr als 330“, weiß Bezirksstellenleiterin Wanner. Doch der Unternehmer reagierte uneinsichtig. Immerhin habe die Frau alles erhalten, was ihr zustehe, hieß es. Erst als der Weg vor Gericht unumgänglich schien, lenkte der Arbeitgeber ein – und stimmte einem Vergleich zu. Die Frau hat 10.000 Euro nachgezahlt bekommen.